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In Petzow gelebt, von Nazis ermordet

Der Künstler Emil Pottner In Petzow gelebt, von Nazis ermordet

Der Maler und Keramiker Emil Pottner (1872-1942) ist kaum jemandem bekannt. Doch an der Seite Max Liebermanns gehörte er der Berliner Secession an. 1942 schickten ihn die Nazis in den Tod. 30 Jahre lang besaß Pottner Haus und Grundstück in Petzow, wo er gern die Sommermonate verbrachte. Ein Bericht über sein Leben.

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Der Maler und Keramiker Emil Pottner gegen Ende der 1920er Jahre in seiner Werkstatt.

Quelle: Galerie Mutter Fourage, Berlin-Wannsee

Petzow. Emil Pottner war ein Mann, den hierzulande wohl kaum jemand kennt. Dem in Berlin wohnenden Maler und Keramiker gehörte von 1908 bis 1938 ein Haus und ein Grundstück an der Berliner Chaussee in Petzow, wo er immer die Sommermonate verbrachte. An der Seite Max Liebermanns gehörte Pottner einige Zeit der Berliner Secession an. Der Heimatverein Petzow forschte zu Pottners künstlerischem Schaffen und seiner Biografie.

Den jüdischen Maler und Keramiker, 1872 in Salzburg geboren, trifft ab 1933 die volle Brutalität der nationalsozialistischen Repressalien. Er erhält Berufsverbot, ein Eintritt in die Reichskulturkammer wird ihm verwehrt. Seine Werkstatt in Berlin-Charlottenburg muss er aufgeben. Zwar kann er sich mit seinen Werken noch 1934 und 1935 an Ausstellungen beteiligen, jedoch 1935 sollte die im Jüdischen Museum in Berlin die letzte zu seinen Lebzeiten sein. In den Folgejahren zwingt ihn die Machtmaschinerie Hitlers, sein Hab und Gut zu verkaufen, seine Wohnung in Berlin aufzugeben. Auch sein Besitz in Petzow wird ihm von den Nationalsozialisten genommen. 1938 muss er sich von seinem liebgewonnen Petzower Grundstück trennen, wo er so viele Jahre seine Tier- und Gartenbilder, seine Holzschnitte, geschaffen hatte.

Blick über die Havel nach Geltow (Farbholzschnitt, 1911)

Blick über die Havel nach Geltow (Farbholzschnitt, 1911).

Quelle: Galerie Mutter Fourage, Berlin-Wannsee

1904 tritt er der Berliner Secession bei

Emil Pottners Talent, gut und viel zu zeichnen sowie seine schnelle Auffassungsgabe gaben seinen Eltern schon früh den Anlass, trotz stets angespannter finanzieller Verhältnisse die Talente ihres Sohnes zu fördern. Drei Jahre beim Braunschweiger Theatermaler Fueger, daneben die autodidaktische Vervollkommnung seiner Zeichentechnik und der Besuch von Lehrstunden an der Gewerbeschule und am Polytechnikum bei Adolf Nickol waren für den aufstrebenden Künstler zwar anstrengend, doch seinem weiteren Lebensweg durchaus dienlich. Mit 19 Jahren besuchte er einige Wochen die private Malschule von Simon Hollósy und begann schließlich ein akademisches Malerstudium in München bei Johann Herterich. Aus freien Stücken bricht er jedoch das Studium ab und arbeitet zusammen mit Rudolf Wilke im eigenen Atelier. 1899 lernt er den Verleger Paul Cassirer kennen, der ihn unter Vertrag nimmt, in der Folge kommt Pottner 1903 nach Berlin. Dort lernt er seine spätere Frau Maria Porzelt kennen, die auch sein bevorzugtes Modell wird.

„Sonnige Veranda mit Papagei“ (Öl auf Leinwand um 1910 gemalt)

„Sonnige Veranda mit Papagei“ (Öl auf Leinwand um 1910 gemalt)

Quelle: Galerie Mutter Fourage, Berlin-Wannsee

Im Jahr 1904 wird Emil Pottner ordentliches Mitglied der Berliner Secession, die bis 1911 unter dem Vorsitz Max Liebermanns stand, 1905 tritt er dem Deutschen Künstlerbund bei. 1906 beginnt er, sich mit Keramik zu beschäftigen, zunächst beim Töpfer Toepper in Berlin, später an der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin, wo er seine Arbeiten auch brennen lässt. 1917 übernimmt er die verlassene Werkstatt des verstorbenen Toepper. Mit seinen Keramiken kommt er zu bescheidenem Geld, malt aber immer noch weiter. Durch seine gemeinsamen Besuche mit dem Maler Oskar Moll am Schwielowsee lernt Pottner diese Gegend kennen, ist begeistert und erwirbt schließlich 1907/1908 selbst ein direkt an der Havel gelegenes Grundstück in Petzow. Es ist eine einschneidende Veränderung in Pottners Leben und Schaffen. 1910 erhält er auf der Weltausstellung in Brüssel den Grand Prix für seine keramischen Kleinplastiken. 1911 entstehen Lithographien zu seinen Büchern „Eindrücke aus dem Leben der Vögel“, „Sommertage im Geflügelhof“ und Farbholzschnitte zu der Mappe „Der Garten am Wasser“, dem Hauptwerk seiner Petzower Zeit. Allesamt die Werke, zu denen er sich in Petzow inspiriert hat.

„Spanisches Zimmer“ wird Pottners größter Auftrag

Pottner opfert sich sehr für eine Neuorganisation der Berliner Secession auf, die sich im Jahre 1913 dennoch spaltet und in der er noch einige Zeit Mitglied im Vorstand ist. 1917 erklärt er dann seinen Austritt. 1916 erhält der Künstler von einem honorigen, von ihm nicht näher benannten „Konsul Sch.“ den Auftrag für das sogenannte „Spanische Zimmer“, einer in ihrer Gänze in Keramik angelegten Zimmerausstattung. Als er sie 1922 in der Berliner Secession ausstellt, gilt das begehbare Gesamtkunstwerk bald als sein Lebenswerk. Doch es folgte noch ein weiterer lukrativer Auftrag. Wohl unter dem Eindruck des Spanischen Zimmers, beauftragt der in Berlin-Wannsee lebende reiche Bankier Otto Jeidels, Geschäftsinhaber der Berliner Handelsgesellschaft, Pottner mit einer keramischen Ausgestaltung seines weiträumigen Anwesens, einschließlich des privaten Hallenschwimmbades. Es wird Pottners umfangreichster Auftrag nach dem „Spanischen Zimmer“.

Gedenktafel und Stolperstein

Materialien, die der Petzower Heimatverein für die Recherche zu Emil Pottners Leben zusammengetragen hat, sollen zusammen mit einer Gedenktafel in Petzow an den Maler und Keramiker erinnern.

Auch ein Stolperstein zum Gedenken an jüdische Opfer des Nationalsozialismus soll ihm zu Ehren ausgelegt werden.

Am Internationalen Museumstag am 21. Mai , an dem sich das Petzower Heimatmuseum als Mitglied des Brandenburgischen Museumsverbandes auch in diesem Jahr beteiligt, wird der Ausstellungsteil zu Emil Pottner erstmalig zu sehen sein.

In den Besitz des Heimatvereins gelangte der Probedruck einer Kaltnadelzeichnung „Enten im Schilfe“ von 1923 sowie aus dem keramischen Nachlass ein 1911 geschaffener Entwurf „Fischreihergruppe“.

„Kein Jude kann Volksgenosse sein“ – dieser verbrecherischen Logik der NSDAP fällt auch Pottner zum Opfer. Am 24. Juli 1942 wird der Jude Emil „Israel“ Pottner nach Theresienstadt deportiert, am 26. September nach Treblinka. Von dort bringt man ihn vermutlich weiter in das Vernichtungslager Maly Trostinez. Die Lebensspur des Malers und Keramikers verliert sich am 28. September 1942.

Von Karl-Heinz Friedrich

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