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Potsdam-Mittelmark Brandenburg hat ein neues Wolfsrudel
Lokales Potsdam-Mittelmark Brandenburg hat ein neues Wolfsrudel
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10:50 10.09.2015
Auf dieser Aufnahme sind vier der elf Altengrabower Welpen von diesem Jahr zu sehen. Das Rudel auf dem Truppenübungsplatz hat bei Görzke neue Nachbarn bekommen. Quelle: Axel Gomille
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Mittelmark

Die Verbreitung der Wölfe zwischen Havelland und Fläming schreitet weiter voran. Erstmals belegen Fotos die Ansiedlung eines neuen Rudels bei Görzke. „Es kann von mindestens vier Welpen ausgegangen werden, die im Frühjahr auf die Welt kamen“, berichtet Torsten Fritz, der vom Landesumweltamt eingesetzte ehrenamtliche Wolfsbeauftragte für Potsdam-Mittelmark. Die zugewanderten Raubtiere besetzen eine Lücke zwischen den seit mehreren Jahren etablierten Rudeln auf den östlich beziehungsweise westlich von Görzke gelegenen Truppenübungsplätzen Lehnin und Altengrabow.

Auf fünf Rudel verteilt

Fünf Jahre nach dem ersten Foto eines Wolfs auf dem Truppenübungsplatz Lehnin ist das Raubtier in Potsdam-Mittelmark flächendeckend verbreitet. Erste Exemplare tauchten schon früher auf dem länderübergreifenden Truppenübungsplatz Altengrabow auf.

Aktuell dürften zwischen Havelland und Fläming über 50 Welpen, Jungwölfe vom letzten Jahr und Alttiere leben. Sie verteilen sich auf fünf Rudel: Altengrabow, Lehnin, Göritz/Klepzig, Jüterbog/West und neuerdings Görzke. Wie sich die Population landesweit entwickelt hat, ist Thema einer Beratung aller Wolfsbeauftragten in Brandenburg am Wochenende im Spreewald.

Trotz der Wölfe ist die Zahl der von Jägern erlegten mittelmärkischen Wildschweine wieder im Ansteigen begriffen. 5292 Stück vermeldet die Statistik des Jagdjahres 2014/15. Im Jahr zuvor waren es nur 4500 Schwarzkittel. Der milde Winter aber vor allem das reichliche Nahrungsangebot auf den Feldern und in den Wäldern kommen dem Schwarzwild zugute.

Jäger, wie Horst Battig aus Görzke, haben die Population schon seit längerem beobachtet. Auf der Suche nach Wild durchstreifen die Wölfe die Wälder der Hegegemeinschaften Nonnenheide/Hagelberg, Nördlicher Fläming und Wiesenburg. Offenbar sickern von Süden kommend immer neue Wölfe in die Grenzregion zwischen Sachsen-Anhalt und Brandenburg ein. Auch bei Zerbst und Hundeluft soll es jetzt Wolfsrudel geben. Waidmann Battig schätzt die Zahl der derzeit zu beiden Seiten der Landesgrenze umherstreifenden Wölfe mit 80 bis 90 ein.

Wolfsbeauftragter Torsten Fritz Quelle: Frank Bürstenbinder

Inzwischen treffen aus allen Himmelsrichtungen Welpenmeldungen ein. Klaus Puffer, Wolfsbeauftragter auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow, kann die Rekordzahl von elf Nachkömmlingen vermelden. Alle geworfen von einer Fähe. Damit wurden im Schutz der Bundeswehr seit 2009 rund 50 Welpen geboren. Für Puffer steht fest, dass sich der Fläming nach der Lausitz als zweiter Schwerpunkt der Wolfsverbreitung in Deutschland etabliert hat. Die Mittelmark wird zur Wolfsmark.

Reichlich Nachwuchs

Auch auf dem Truppenübungsplatz Lehnin gab es im Frühjahr reichlich Nachwuchs. Mittelmarks Wolfsbeauftragter Fritz spricht von „mehr als sieben Welpen“. Der Fachmann hatte schon vor Monaten Landnutzer, Jäger und Förster auf die neue Situation eingestimmt: „Ab sofort können wir immer und überall mit dem Auftauchen eines Wolfes rechnen.“ Das im Raum Göritz/Klepzig bei Raben nachgewiesene Rudel soll es auf drei Jungwölfe gebracht haben.

Die weiter steigende Zahl der Wölfe bleibt nicht ohne Folgen für das Waidwerk. Angesichts der tierischen Konkurrenz wird es für die Jäger immer schwieriger dem in Unruhe versetzten Dam- und Rehwild nachzustellen. Insbesondere bei Damwild ist die Strecke regelrecht eingebrochen. Wurden 2012/13 noch 4333 Stück erlegt, weist die aktuelle Statistik für das Jagdjahr 2014/15 in Potsdam-Mittelmark lediglich 2945 Damwild-Exemplare aus. „Vorsorglich haben viele Jagdgemeinschaften ihre Abschusspläne nach unten korrigiert“, berichtet Wolfsbeauftragter Fritz, der hauptberuflich in der Unteren Jagdbehörde der Kreisverwaltung tätig ist. Damwildhochburgen sind vor allem die Wälder südlich der A 2 im Fläming.

Rotwild stabil

Unter dem Einfluss des Wolfes macht sich offenbar auch das Rehwild in den letzten drei Jahren auffallend rarer. Die Strecke sank von 5861 in 2012/13 auf aktuell 5253 Tiere. Auf den Rotwildbestand hat der Einmarsch der Wölfe offenbar noch keinen so spürbaren Einfluss. Allerdings ist diese Wildart auch weniger im Landkreis verbreitet. Es wurden 187 Stück erlegt. Im Jagdjahr zuvor waren es noch 205. Aber es gibt neue Beobachtungen: Neben den traditionellen Einstandsgebieten im Westhavelland und im Raum Treuenbrietzen-Niemegk-Raben wurde Rotwild in der Zauche und westlich der A 9 gesichtet. „Was das zu bedeuten hat, und ob es einen Zusammenhang mit dem Wolf gibt, wissen wir noch nicht“, so Torsten Fritz.

Von Frank Bürstenbinder

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