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In der Beratung ist der Mensch kein „Fall“

Teltower Arbeitslosenverein hat voll zu tun In der Beratung ist der Mensch kein „Fall“

In der Teltower Region sind die Zahlen der Erwerbslosen vergleichsweise gering. Dennoch hat der Arbeitslosenverein voll zu tun. Im Jahr bewältigt er rund 800 Beratungen. Jetzt erweitert er sein Angebot für Flüchtlinge und Arbeitgeber.

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Für den Arbeitslosenverein Teltow: Vereinsvorsitzender Hans Fiedler (74), Mitarbeiterin Ute Zietlow (58) und Leiter der Einrichtung Hans-Jürgen Keßler (67/v.l.).

Quelle: Claudia Krause

Region Teltow. Selbst in der Boom-Region Teltow, Kleinmachnow, Stahnsdorf (TKS) ist der Teltower Arbeitslosenverein (TAV) noch nicht überflüssig geworden. Die Quoten der Erwerbslosen sind zwar vergleichsweise niedrig – Kleinmachnow 2,4 Prozent, Stahnsdorf 2,6 Prozent und Teltow 8/9 Prozent – aber es gibt genug Betroffene, die Beratung und Begleitung benötigen, um etwa Formulare und Anträge richtig auszufüllen, Widersprüche zu formulieren und Leistungsansprüche zum Bezug des Arbeitslosengeldes überprüfen zu lassen. Im kommenden Februar besteht der TAV 25 Jahre. Er hat rund 30 Mitglieder im Alter zwischen 50 und 74 Jahren und seinen Sitz in Kleinmachnow. Dort leitet Hans-Jürgen Keßler (67) die Beratungs- und Servicestelle, in der auch Ute Zietlow (58) als sogenannte „geringfügig entlohnte Beschäftigte“ die Rat suchenden Bürger betreut. Mit der Einführung von Hartz IV und neuen gesetzlichen Regelungen versiegten 2004 die staatlichen Finanzspritzen für die TAV-Beratungstätigkeit. Die TKS-Region samt der Gemeinde Nuthetal gelten als Planungsgebiet, in dem quasi Vollbeschäftigung erreicht werden könne, weshalb es keine derartige Förderung und MAE-Maßnahmen mehr gebe, so Zentrumsleiter Hans-Jürgen Keßler im MAZ-Gespräch. Immerhin schätzt man den Verein dennoch sehr, denn laut Vereinsvorsitzendem Hans Fiedler (74) würden Arbeitslose vom Jobcenter mit dem Hinweis „da werden Sie gut beraten“ zum TAV nach Kleinmachnow geschickt. „Das freut uns, klar! Aber Geld wollen sie uns trotzdem nicht geben“, moniert Fiedler.

Glücklicherweise gibt es noch Gespartes und sehen es die drei TKS-Kommunen anders und stützen den Verein weiter aus ihren kommunalen Kassen. „Deshalb gebührt ihnen und den Gemeindevertretern und Stadtverordneten auch unser Dank für die Förderung. In diesem Jahr gab es 11 000 Euro von den drei Gemeinden für die Aufrechterhaltung unserer Beratungstätigkeit“, sagte Keßler. Durchschnittlich 800 Menschen aus der Region kämen pro Jahr zu den Beratungen im Büro unterm Dach. Zahlen über erfolgreiche spätere Vermittlungen in Jobs habe man zwar nicht, aber es gebe „einen erheblichen Anteil an jungen Menschen“, die nach Gesprächen bei Keßler und Zietlow in Arbeit kamen. Auch Hilfsarbeiter-Stellen seien immer wieder gefunden worden. Und älteren Langzeitarbeitslosen, die mit 63 immer noch unter dem Druck standen, wöchentlich fünf Bewerbungen schreiben müssen, wurde nach Kontakten zum Jobcenter die Tortur schließlich erspart. Wer unter psychischen Problemen leidet, kann Hilfe beim psycho-sozialen Dienst in der Region finden. Und „Wissen, Sie, wenn hier eine Mutti mit drei Kindern auf dem Arm vor Ihnen steht, die wieder in eine neue, vielleicht fünfte Maßnahme geschickt werden soll, ohne zu wissen, wie sie es hinkriegen soll, dann versuchen wir, den goldenen Mittelweg zu finden“, erklärt Keßler. Mit Geduld und viel Zeit. „Es läuft anonym. Bei uns wird auch keiner als Fall benannt“. Bei Rechtsfällen jedoch vermitteln die TAV-Berater zur Stahnsdorfer Anwaltskanzlei Kröger, die seit 20 Jahren Partner ist. „Selbst, als wir keinen Obolus mehr zahlen konnten, blieb uns der Anwalt treu“, lobt Keßler. Die 1. Beratung für die TAV-Klienten bleibt dort weiter kostenlos.

Jetzt will sich auch der TAV den neuen Herausforderungen stellen und erweitert sein Beratungsangebot für Flüchtlinge und Migranten. Der Vereins-Flyer ist auf Englisch gedruckt und in den Flüchtlingsheimen verteilt. Außerdem beteiligt sich der Verein als Kooperationspartner an dem vierjährigen Förderprojekt zur Berufsvorbereitung von Flüchtlingen, das die Landkreise Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark mit Jobcentern, Arbeitsagentur, IHK, Kreishandwerkerschaft und Sozialträgern gerade gestartet haben. 127 Flüchtlinge, darunter rund 60 aus der TKS-Region, haben bereits Interesse bekundet, so Keßler. Dabei gehe es um gemeinnützige Tätigkeiten, für die es keinen Mindestlohn gibt.

Neu beim Verein ist zudem eine Arbeitgeberberatung für Klein- und Mittelbetriebe, um die aktuellen Fördermöglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt verständlich näher zu bringen.

Hier gibt’s Hilfe

Der Teltower Arbeitslosenverein (TAV) begeht am 21. Februar 2016 sein 25-jähriges Bestehen. Er ist Ansprechpartner für Menschen in der Region Teltow, Kleinmachnow, Stahnsdorf, Nuthetal und Werder.

Der TAV bietet Hilfe, keine Rechtsberatung, an. Kostenlos wird zum Beispiel beim Ausfüllen von Formularen und Anträgen, beim Formulieren von Widersprüchen geholfen. Die Mitarbeiter unterstützen beim Anfertigen von Bewerbungsunterlagen und bei der Jobsuche im Internet.

Arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen, gestrauchelte Jugendliche mit verpatzten oder wenig aussichtsreichen Chancen, sozial Schwache, sogenannte Aufstocker und Rentner holen sich Hilfe beim TAV.

Bei Bedarf einer Rechtsberatung wird an einen Anwalt in Stahnsdorf verwiesen, bei dem die Erstberatung gratis läuft.

Ein kostenloses Frühstück für sozial Bedürftige in der Teltower Region wird an jedem 2. Freitag im Monat zwischen 9 und 11 Uhr im Jugendzentrum „Clab“ Stahnsdorf, Bäkedamm 2, ausgereicht.

Neu im Angebot sind eine Arbeitgeberberatung zu den aktuellen Fördermöglichkeiten und Beratungen für Asylsuchende und Migranten.

Als besonderen Service bietet der TAV gegen eine Spende die Leistungen seiner kleinen Änderungsschneiderei für Bedürftige an, die montags von 9 bis 15 Uhr geöffnet ist.

Kontakt: TAV-Beratungs- und Begegnungszentrum, Kleinmachnow, Am Fuchsbau 47, 033203/82818, Fax: 033203/317160, Montag bis Donnerstag 8 bis 15 Uhr, Email an: tav@onlinehome.de.

 

 

Von Claudia Krause

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