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„In der Pilzsaison hat rein gar nichts gestimmt“

Pilzexperte im Gespräch „In der Pilzsaison hat rein gar nichts gestimmt“

Leckere Pfifferlinge zum Schnitzel oder eine Steinpilzpfanne – die einheimischen Pilze sind eine echte Delikatesse. In diesem Jahr allerdings ist Pilzexperte Erich Münkner mit der Ausbeute nicht zufrieden. Im MAZ-Interview verrät der Borkwalder, worauf mal beim Pilzesuchen achten sollte.

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Vor seinem Haus in Borkwalde hat Erich Münkner einen Pilz-Infokasten aufgestellt. Er will sein Wissen mit anderen teilen.

Quelle: Saskia Kirf

Borkwalde. Der 62 Jahre alte Erich Münkner kennt sich mit den heimischen Pilzen aus wie kaum ein anderer. Seit seiner Kindheit befasst er sich mit den Fungi, in seinem Heimatort Borkwalde führte er am Sonntag eine der beliebten Pilzwanderungen durch. Dabei erklärt Münkner die verschiedenen Pilzarten.

Herr Münkner, wie lautet Ihr bisheriges Fazit zur Pilzsaison in diesem Jahr?

Erich Münkner: Es war sehr enttäuschend. Schon ganz am Anfang gab es nur sehr wenige Pilze, anschließend hat die Witterung alles liegen gelassen. Zwischenzeitlich gab es ab und an allerdings kleine Schübe, die das Gefühl vermittelten, es ginge wieder los – aber dazu kam es nicht. Ich habe selbst nur ab und an ein Körbchen Pfifferlinge gefunden, gerade mal eine Hand voll zum essen.

Haben Sie denn die Hoffnung, dass jetzt in der Herbstmitte noch etwas entscheidendes passiert?

Münkner: Nein,in diesem Jahr wird sich nichts grundlegendes mehr ändern. Im Vorfeld unserer Pilzwanderung bin ich einige Stellen abgelaufen, da gibt es nicht viel. Auf der Wanderung selbst hat sich das noch bestätigt. Eigentlich haben wir in dieser Gegend so viele Steinpilze, aber denen fehlte der Wind zum gedeihen. Die verschiedenen Pilzarten haben unterschiedliche Ansprüche an das Klima und Steinpilze sind eben auf etwas Wind angewiesen. In diesem Jahr waren leider alle Bedingungen nicht erfüllt, das Gleichgewicht zwischen Sonne und Feuchtigkeit hat nicht gestimmt. Das betrifft sehr viele Arten. Neben den Steinpilzen müsste es hier in der Gegend der Waldgemeinden auch Maronen, Pfifferlinge und Schneepilze geben.

Wie wird man eigentlich zum Pilzexperten?

Münkner: Bei mir fing das Interesse bei Spaziergängen mit meiner Mutter an, als ich noch ein kleiner Junge war. Sie zeigte mir einen winzig kleinen Pilz, einen Marone. Das fand ich spannend. Also habe ich mich belesen, habe Pilzbücher studiert und schließlich einen Volkshochschulkurs gemacht und die „Rote Karte“ erworben. Damit war ich sogar qualifiziert, in der DDR-Zeit meine gesammelten Pile zu verkaufen und mir ein paar Mark dazuzuverdienen.

Woran erkennt man einen Pilznotfall, also beispielsweise eine gefährliche Vergiftung?

Münkner: Eine solche Vergiftung geht mit Schweißausbrüchen und Übelkeit einher. Manche Pilze führen noch zu spezielleren Symptomen, der Pantherpilz etwa löst oft einen Sehverlust aus. Zum Glück gibt es hier den tödlichen Grünen Knollenblätterpilz nicht.

Haben Sie selbst mal einen solchen Notfall erlebt?

Münkner: Nein, ich habe zum Glück genug Sachkenntnis und bin sehr vorsichtig. Im hiesigen Wald, einem Kieferngehölz, habe ich einmal einen Pilz entdeckt, bei dem ich mir zwei Jahre lang nicht ganz sicher war, ob er ein giftiger Nadelholzhäuptling oder ein harmloses Stockschwämmchen ist. Zweiterer wächst nämlich nur an Laubbäumen. Am Ende hat sich herausgestellt, dass im Kiefernwald noch ein kleiner, kaum sichtbarer Birkenbestand war, der Pilz war also essbar. Aber da muss man wirklich aufpassen.

Was empfehlen Sie, wenn ein Pilzsucher nicht ganz sicher ist, ob ein Fund giftig oder genießbar ist?

Münkner: Zunächst einmal sollten die unsicheren Exemplare einzeln transportiert werden, auf keinen Fall zusammen mit den essbaren Pilzen im Körbchen. Wichtig ist auch zu wissen, dass der Blick ins Pilzbuch nicht ausreicht. Manche Sorten sehen sich so ähnlich, dass die Gefahr der Verwechslung zu groß ist. Stattdessen ist der Besuch bei einem der offiziellen Pilzsachverständigen angebracht, die gibt es zum Beispiel in Bad Belzig und Potsdam.

Pilzsachverständige – kompetente Mykologen

Pilzsachverständige führen Beratungen bezüglich der Essbarkeit und Giftwirkung von Pilzen und ihrer Rolle für Mensch und Umwelt durch. Sie halten Vorträge und leiten Exkursionen.

Bundesweit gibt es etwa 500 durch die Deutsche Gesellschaft für Mykologie geprüfte Sachverständige. Mykologie ist der Fachausdruck für die Pilzwissenschaft.

Der Brandenburgische Landesverband der Pilzsachverständigen hat auf seiner Homepage www.blp-ev.de viele Beispielbilder von giftigen Pilzen zusammengetragen. Dort gibt es auch eine Liste aller Sachverständigen des Landes.

Gibt es in der Bewertung von Pilzen Änderungen oder Moden?

Münkner: In der Bewertung hat sich einiges geändert. Früher hat man zum Beispiel den giftigen Maggipilz getrocknet und zermahlen als Gewürz genutzt, das macht heute keiner mehr. In der Medizin wiederum wurde der Speitäubling als Brechmittel eingesetzt.

Herr Münkner, Sie sind seit ihrer Kindheit in der Natur unterwegs und gelten als Experte. Tragen Sie dieses Wissen auch innerhalb ihrer Familie weiter?

Münkner: Ja, ich gebe alles genauso weiter, wie ich es einst aus der Familie bekommen habe. Mein fünfjähriger Enkel Armin kennt sich im Wald schon bestens aus. Das ist mir ausgesprochen wichtig.


Interview: Saskia Kirf

Von Saskia Kirf

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