Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Inselparadies Petzow wartet auf Sanierung

Petzow Inselparadies Petzow wartet auf Sanierung

Die Gebäude aus den 80er-Jahren im Inselparadies in Petzow kommen langsam in die Jahre. Vereinsvorsitzender Gunter Schinke wartet immer noch darauf, dass die Stadt die Bebauungspläne genehmigt. Im Weg steht ihm dabei unter anderem der sensible Landschaftsschutz auf der Halbinsel Hohenwerder. Trotz der alten Anlagen ist das Feriencamp bei den Kindern beliebt.

Werder, Petzow 52.3440393 12.9413882
Google Map of 52.3440393,12.9413882
Werder, Petzow Mehr Infos
Nächster Artikel
Autofahrer stößt Fußgängerin um

Ferienkinder aus Sachsen, Schöneiche und Luckenwalde stärken sich bei einer kleinen Pause.

Quelle: Franziska Appelt

Petzow. Der Pirat von der Petzower Halbinsel hat seinen Schatz versteckt und die Ferienkinder müssen ihn nun anhand von Hinweisen und Rätseln suchen. Versteckt ist er im Keller. „Das ist die Regenalternative“, sagt der Vereinsvorstandsvorsitzende Gunter Schinke. Ganzjährig hat das Inselparadies für seine kleinen Besucher geöffnet. In den Herbst- und Sommerferien trifft man auf bis zu 450 Kinder auf der neun Hektar großen Freizeitanlage. Zurzeit verbringen annähernd 250 Jungen und Mädchen aus der Region und aus ganz Deutschland ihre Ferien in Petzow. Eine Hortgruppe aus Nürnberg begibt sich gerade auf Schatzsuche und freut sich ganz besonders auf die Wettkämpfe mit den Erziehern.

Dem ehemaligen Lehrer und dreifachen Opa liegt das Ferienlager sehr am Herzen. Seit über 30 Jahren betreut Gunter Schinke die Erholungsstätte zwischen See und Wald. „Wir sind keine Jugendherberge, sondern bieten den Kindern auch ein umfangreiches Programm“, sagt der 61-Jährige. Dieses reicht vom Naturbasteln über die Inselrally bis zum Neptunfest und einem Abendprogramm mit Freiluftkino sowie Disco und Lagerfeuer. Kein Wunder also, dass die kleinen Urlauber auf die Frage, was ihnen am besten gefallen hat mit„Alles“ antworten.

Die Highlights der Ferienwoche sind immer der Erlebnishof in Klaistow und der Filmpark in Potsdam. Außer dem Werderpark bietet die Nachbarstadt leider kein Exkursionspotenzial: „Werder ist ein schöner Erholungsort. Für Kinder gibt’s dort aber nicht viel“, erklärt Gunter Schinke, der sich sehnlichst das Schwimmbad für seine jungen Gäste wünscht. Warten ist der 61-Jährige gewohnt. Seit fünf Jahren zieht sich das Sanierungsvorhaben im Inselparadies schon hin. Unveränderter Stand: „Kompliziert“, sagt Schinke, denn „der Bebauungsplan gefällt dem Land nicht.“ Mal ist es die Verbreiterung der Häuser, mal ein Fahrstuhl, der der Planung im Wege steht. „Gegen einen zusätzlichen Bungalow als Schule im Grünen setzte das Land sein Veto“, sagt Schinke. Grund sei auch der sensible Landschaftsschutz auf der Halbinsel.

Ehemaliges Pionierlager

Das heutige Inselparadies war zu DDR-Zeiten das Pionierlager „Tschoibalsan” in Trägerschaft des damaligen Volkseigenen Betriebes (VEB) Lokomotivbau „Karl Marx” in Babelsberg.

30 000 Übernachtungen zählte der Verein, der das Inselparadies seit vielen Jahren betreut, über eine lange Zeit hinweg.

Seit der Wende gab es zahlreiche Bewerber, die das Gelände unter anderem für ein Hotel, ein Schulungszentrum oder eine Klinik nutzen wollten.

Alle Bemühungen scheiterten daran, dass Werders Stadtverwaltung, der Landkreis Potsdam-Mittelmark und die Brandenburgische Landesregierung auf eine weitere Nutzung als Ferieneinrichtung bestanden. Nun steht die Sanierung der Gebäude auf dem Plan.

Die Halbinsel Hohenwerder gehört zum Landschaftsschutzgebiet „Potsdamer Wald- und Havelseengebiet“, in dessen Verordnung „die Bewahrung der Vielfalt, Eigenart und Schönheit einer eiszeitlich und kulturhistorisch geprägten Landschaft“ gefordert wird. Besonders bei baulichen Maßnahmen sind daher Genehmigungen nötig, die dem Vorhaben bescheinigen, das charakteristische Landschaftsbild nicht zu gefährden. Aber auch die Erholungsfunktion der Region wird in der Verordnung des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung festgehalten.

Schon seit 1953 machen Kinder Ferien auf der Halbinsel Hohenwerder – zuerst in Zelten, ab 1960 dann in Bungalows. Ende der Achtziger wurden die vier großen Plattenhäuser auf die Fläche gesetzt, so dass es nun endlich Zeit für eine Komplettsanierung wird. „Es soll auch optisch schöner werden mit neuen Fassaden, Fenstern und Möbeln“, sagt Schinke, aber mit diesem „Stückwerk“ anzufangen, lohne sich erst, wenn dem Bebauungsplan zugestimmt wird.

Die Kinder und Betreuer, die zwischen ein bis vier Wochen in den Unterkünften verbringen, merken den Anlagen ihr Alter an: „Sie könnten erneuert werden“, sagt Maike Klawonn aus Berlin. Es ist das siebte Jahr in Petzow für die 22-jährige Betreuerin. Als Kind war sie selbst in den Ferien in Petzow und schätzt das Camp. Michelle Schreiber (18) betreut ebenfalls eine Gruppe. Bevor sie dies durfte, musste sie einen Jungendleiter- und einen Erste-Hilfe-Kurs belegen. „Die Arbeit ist anstrengend, macht aber sehr viel Spaß“, sagt sie heiser am Ende ihrer zweiwöchigen Schicht. „Danach brauche ich erstmal Urlaub.“ Für Klawonn hingegen sei das Ferienlager auch eine Art Urlaub vom Leben, in dem sie dem eigenen Alltagsstress entfliehen kann. Das Inselparadies liegt zwar nicht im Pazifischen Ozean, aber immerhin am Glindower See. Für Emily Meyer (14) und ihren Bruder Finn (10) hat der Besuch des Ferienlagers schon vierjährige Tradition. An den alten Häusern kann es nicht liegen, dass viele Kinder Jahr für Jahr wiederkehren. Woran dann? Besonders gelobt werden die netten Betreuer, das umfangreiche Programm und das Essen. Nudeln mit Tomatensoße sind nach wie vor der Renner bei den Kids. „Ich kann den ganzen Tag Fußball spielen und finde viele neue Freunde hier“, sagt Finn. Seine Schwester ergänzt: „Es ist auch schön, alte Freunde aus dem vergangenen Jahr wieder zu treffen.“

Auch wenn es regnet, finden die Feriengäste genügend Möglichkeiten sich im Haus zu beschäftigen und zu spielen. Es wundert daher nicht, dass die Geschwister ihre nächsten Ferien auch wieder in Petzow planen. „In zwei Jahren möchte ich Betreuerin werden“, berichtet Emily von ihren Plänen.

Von Franziska Appelt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg