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Potsdam-Mittelmark Internationales Flair in Niemegk
Lokales Potsdam-Mittelmark Internationales Flair in Niemegk
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02:15 21.06.2015
Selten wird – wie hier – Einblick ins Niemegker Observatorium gewährt. Die Erforschung des Magnetfeldes soll frei von äußeren Einflüssen erfolgen. Quelle: St. Specht
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Niemegk

Gleichzeitig feiert das Observatorium sein 85-jähriges Bestehen und der langjährige Leiter, Hans-Joachim Linthe, erfährt wenige Wochen nach seiner Pensionierung ungeahnte Ehrungen.

Ein breites Grinsen trägt er seit Mittwochvormittag in seinem Gesicht. Es wird von dort wohl zumindest bis Sonntag nicht mehr weichen. Der ehrenamtliche Niemegker Bürgermeister hat allen Grund dazu. Denn es weilen rund 30 internationale Gäste in seiner ehemaligen Wirkungsstätte am Rande der Stadt. Schon bei der Begrüßung wurde er mit Geschenken, Glückwünschen und warmen Worten überhäuft.

Was längst nich alle Niemegker nicht wissen: Ihr Stadtoberhaupt ist ein Star in der Szene der Geomagnetismusforscher. „In seinen vielen Jahren als Mitarbeiter und später als Leiter des Observatoriums in Niemegk hat er sich einen exzellenten Ruf erarbeitet“, sagt sein Nachfolger an der Forschungseinrichtung, Jürgen Matzka, über ihn.

Auch in den Reden am Tag der Intermagnet findet Hans-Joachim Linthe immer wieder seinen Platz. So stellt der erste Redner, der Schotte Alan Thomson, heraus, wie wichtig die knapp 30 Publikationen für ihn und seine Kollegen waren. Der Franzose Vinzent Lesur unterstrich, dass er das uneitle Wesen von „Achim“ schätze und es toll findet, dass er den jüngeren Kollegen stets selbstlos mit Rat und Tat zur Seite stehe. Und was macht der auf diese Weise Geehrte während der Vorträge? Er genießt. „Ich mache heute nichts weiter, als mich zu freuen und den ganzen Tag gebauchpinselt zu fühlen“, so Hans-Joachim Linthe.

Ursprünge bei Humboldt

Die Erforschung des Geomagnetismus geht auf Alexander von Humboldt zurück. Sie war eine seiner „drei wichtigsten und eigentümlichen Arbeiten“, wie er einmal selbst sagte.
durch die Welt setzte sich der Universalgelehrte dafür ein, in seiner Heimat Berlin eine Sternwarte einzurichten, in der gleichzeitig der Erdmagnetismus erforscht wurde.
Diese Beobachtungen mussten 1872 aufgrund "eingetretener localer Störungsverhältnisse" (Industrialisierung und Verkehr) nach Potsdam verlagert werden.
Im Jahr 1907 wurde das Observatorium nach Seddin und im Jahr 1930 schließlich ins ruhige Niemegk verlagert.
Dort hat sich die Einrichtung in denvergangenen 85 Jahren zu einem der weltweit anerkanntesten Forschungszentrums für Magnetismus etabliert.

Die Ehrungen gehen weiter. Am 28. Juni erhält er bei einem Treffen in Prag eine Medaille für ausdauernde Forschung – quasi der Oskar für sein Lebenswerk. Die Szene der besten Geomagnetismusforscher ist klein. In Prag werden sich zum Großteil die gleichen Menschen wiedersehen, die derzeit in Niemegk tagen. Doch bis dahin müssen sie tatsächlich noch ernsthaft arbeiten. Vorträge, Diskussionen, Reisen nach Potsdam und der Austausch von Erkenntnissen stehen bis Sonntag auf dem Programm der Intermagnet.

Das 1991 als Konsortium gegründete Netzwerk Intermagnet definiert die international anerkannten Standards für erdmagnetische Observatorien. Es dient als wichtiges Mittel zur Überwachung und Untersuchung des Erdkerns und des Weltraumwetters. Die Mitwirkenden beraten und zertifizieren erdmagnetische Observatorien und prüfen und verteilen deren Daten. Weltweit sind rund 60 Institute und 150 Observatorien beteiligt. Die Teilnehmer der Treffen kommen entsprechend aus Indien, Russland, Japan, Kanada, den USA, Großbritannien, Frankreich, Dänemark, Schweden, Belgien, Polen, Rumänien, Tschechien, Österreich und Deutschland.

Mit dem internationalen Treffen ist die kleine Einrichtung im Hohen Fläming, die zum Geoforschungszentrum in Potsdam gehört, nach 1996 und 2003 zum dritten Mal Treffpunkt der internationalen Geomagnetismusforscher. Deren rund ein Dutzend Mitarbeiter haben sich gut auf ihre Gäste vorbereitet. In letzter Zeit haben sie reichlich Erfahrung mit Besuch in ihrem sonst eher beschaulichen Observatorium gesammelt. So strömten im vorigen Jahr im Frühjahr und im Herbst bei Tagen der offenen Tür hunderte Schaulustige auf das ansonsten für Außenstehende verschlossene Grundstück.

Von Stefan Specht

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