Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam-Mittelmark Internationales Flair mitten in Bochow
Lokales Potsdam-Mittelmark Internationales Flair mitten in Bochow
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:20 21.09.2017
Jan Tilman Schade hat sich für den Wiederaufbau einer drei Hektar großen Streuobstwiese eingesetzt. Quelle: Luise Fröhlich
Anzeige
Bochow

Einen eigenen Hof besitzen, das ist sein Kindheitstraum. Erfüllt hat ihn sich der Musiker Jan Tilman Schade sukzessive in den vergangenen 16 Jahren. Die Bochower Ruine, die der 54-Jährige 2001 gekauft hat, ist heute als Seminarhof Mollandur bekannt. Die beiden Hauptgebäude sind inzwischen fertig saniert und ausgebaut. In Arbeit ist derzeit noch das Wohnhaus, das ein neues Dach und ein weiteres Stockwerk bekommen soll. Wenn diese Arbeiten abgeschlossen sind, plant Jan Tilman Schade – gemeinsam mit seiner Familie – von Berlin nach Bochow zu ziehen. Ein Teil der Dorfgemeinschaft ist er allerdings schon längst.

„Solidarität und Verlässlichkeit habe ich hier wirklich zu schätzen gelernt. Man kann über alles sprechen“, sagt Jan Tilman Schade. Der gebürtige Bonner hat sich unter anderem für die Restaurierung der Kirchenmauer eingesetzt und 2013 die „Bochower Kirchenklänge“ ins Leben gerufen. Mit seinem Seminarhof bringt er aber vor allem internationales Flair in das märkische Dorf. Etwa 900 Menschen aus allen möglichen europäischen Ländern, aus Kanada, dem Iran oder Russland waren in diesem Jahr schon zu Gast. Da kann es schon mal etwas lauter werden, so der Hofbesitzer. Daher sei Kommunikation mit den Nachbarn wichtig. Jan Tilman Schade setzt zudem auf Synergieeffekte: Das Catering kommt aus Bochow und das Partyzelt vermietet die Feuerwehr.

„Eine richtige Marktlücke“

Den Umbau des einstigen Vierseithofs mit Schweineställen konnte Jan Tilman Schade teilweise über eine EU-Leader-Förderung finanzieren. Im 2011 begannen die Arbeiten, drei Jahre später war das erste Haus fertig. In der Projektbeschreibung der Lokalen Aktionsgruppe Fläming-Havel (LAG) sind die Gesamtkosten mit 252 000 Euro beziffert. 900 Quadratmeter Wohnfläche sind bei dem Ausbau entstanden, die unterschiedlich aufgeteilt sind. Ein Haus bietet zum Beispiel sieben Zimmer, zwei Badezimmer und eine große Küche. „Ich vermiete keine einzelnen Zimmer, sondern den ganzen Hof oder die Gebäude für Hochzeiten, Familienfeiern, Musikbands oder Theatergruppen“, sagt Jan Tilman Schade. Den Hof zu mieten, ist nicht günstig. 500 Euro kostet er pro Tag. An Feiertagen wie Silvester ist der Preis noch etwas höher, was aber offenbar nicht abschreckt. Denn für den übernächsten Jahreswechsel ist der Hof schon ausgebucht. Den Preis bestimmen auch die Betriebskosten. Geheizt wird im Winter ausschließlich mit zwei großen Holzvergasern.

Unzählige Film- und Bühnenmusiken

Jan Tilman Schade wuchs in der Nähe von Aachen auf, wo er 1982 sein Abitur machte.

Neben dem Studium an der Hochschule der Künste in Berlin (Hauptfach Violoncello) war er Mitglied verschiedener Rock- und Popgruppen in West-Berlin.

Ab 1995 studierte er Religionswissenschaften und Kommunikationstechnik in Berlin und schloss von 2007 bis 2010 eine Ausbildung zum Musiktherapeuten an einem Institut in Berlin an.

Er war als Arrangeur, Musiker und Darsteller für diverse Film-, Theater- und Kunstprojekte tätig.

Von 1986 bis 1995 komponierte er etwa 30 Bühnenmusiken für Theaterproduktionen, etwa von Peter Carp, Hans Neuenfels oder Peter Wittenberg. Viele weitere Musikstücke für Fernsehfilme folgten.


Seit 2009 ist er Geschäftsführer und Gesellschafter der Artwaren GmbH, einer Gesellschaft für „artgerechtes Handeln“ mit Sitz in Bochow. Sein Tonstudio befindet sich in Berlin.

Der Seminarhof bietet neben Betten auch Räume für Seminare, Studioaufnahmen sowie Kino- und Tanzveranstaltungen.

„Es ist eine richtige Marktlücke und etwas unorthodox, da es kein reiner Hotelbetrieb ist. Ich biete sozusagen nur die Basis“, so der Musikproduzent. Eine Haushälterin und ein Hausmeister kümmern sich um die anfallenden Aufgaben. Der ganze Hof biete den Gästen eine ganz andere Form des Lebenskonzeptes, raus aus der Arbeitsmühle. Die Familien, die sich beispielsweise hier einbuchen, würden aus ganz Deutschland zusammenkommen, gemeinsam kochen und einfach Zeit miteinander verbringen, erzählt Schade. Er selbst will die Räume auch nutzen, um Seminare in Musiktherapie oder Teambuilding zu geben. Der Prozess des Bewusstwerdens spiele auf dem ganzen Hof eine entscheidende Rolle, sagt er. Auf dem Flyer wirbt er außerdem mit freier Sicht, gutem Essen und Abgeschiedenheit ohne Einsamkeit.

Schon als Kind sehr naturverbunden

Als Jugendlicher hat Jan Tilman Schade selbst bei einem Bauern auf dem Feld gearbeitet. Die Natur bedeutete ihm schon als Kind viel. Die Wendezeit verbrachte er in West-Berlin und über Bekannte aus Berlin kam er um die Jahrtausendwende auf den alten Hof in Bochow. „Ich passe hier ganz gut hin und sage immer: Der Hof hat mich gekauft.“ Die Liebe zu alten Gemäuern erklärt Schade damit, dass er ursprünglich aus der Hausbesetzerszene stammt. Das Wohnen in Ruinen und diese aufzuarbeiten, liege gewissermaßen in seiner Natur.

Schafherde auf der Streuobstwiese Quelle: Luise Fröhlich

Teil des Kindheitstraumes ist mittlerweile auch eine fast drei Hektar große Streuobstwiese. Zwischen den noch jungen Bäumen grasen derzeit 21 Schafe. Am späten Vormittag ist Fütterungszeit. „Ich muss meinen Hut aufsetzen, sonst erkennen mich die Schafe nicht“, scherzt Jan Tilman Schade und holt etwas Hafer aus dem Schuppen. Zwischen den beiden Häusern des Seminarhofs geht es an der Feuerstelle und dem alten, zur Band-Bühne umgebauten Feuerwehrauto vorbei hin­auf zur Streuobstwiese. „Langfristig sollen es noch mehr Schafe werden“, sagt er. Die vielen Plantagen, die Bochow einst ausmachten, sind vor vielen Jahren gerodet worden. „Ich habe auf den Weg gebracht, dass hier eine neue Plantage entsteht“, so Schade. Geschafft hat er das in Zusammenarbeit mit der Flächenagentur Brandenburg. Das Obst dieser alten Sorten ist reine Bio-Ware und soll an Geschäfte und Restaurants in Berlin und Potsdam gehen. Potenzielle Abnehmer hat der Musiker bereits gefunden. Letztlich soll ein Verein aber in Zukunft die Streuobstwiese bewirtschaften.

Info: Erntedankfest auf der Streuobstwiese am 1. Oktober mit einem Gottesdienst ab 10.30 Uhr und einem Konzert der Bochower Kirchenklänge.

Von Luise Fröhlich

Brandenburg A 10 Nuthetal - Michendorf (Potsdam-Mittelmark) - Achtung: A 10 kurzfristig eingeengt

Autofahrer aufgepasst: Ab Montagabend 20 Uhr wird die A 10 zwischen Dreieck Nuthetal und Anschlussstelle Michendorf (Potsdam-Mittelmark) in Richtung Potsdam auf eine Fahrspur eingeengt. Der Grund: Die Verkehrsführung wird in diesem Bereich umgestellt.

19.09.2017

Ein unter Drogen stehender Mann hat am Freitag auf der Kreisstraße zwischen Schenkenberg und Damsdorf randaliert. Das wurde am Montag bekannt. Dabei kam es zu einer gefährlichen Situation.

18.09.2017

Die Arbeiten des Malers Werner Reister (74) sind häufig doppeldeutig. Vor 13 Jahren hat es den Künstler aus Berlin auf das Land verschlagen, nach Baitz, wo er sich heimisch fühlt. Er hat nie aufgehört, politisch aktiv zu sein und sich zu engagieren. Das strahlen viele Arbeiten aus.

21.09.2017
Anzeige