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Irissee verliert Wasser

Wilhelmshorster Gewässer ist Teil eines Gartendenkmals Irissee verliert Wasser

Der Pegel des Irissees in Wilhelmshorst hat nach Angaben von Anwohnern in den vergangenen Wochen einen historischen Tiefstand erreicht. Der Schrumpfprozess hat Brisanz – der See, der in der letzten Eiszeit entstand, ist Bestandteil eines Gartendenkmals, das unter Schutz steht.

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Heinrich Hagen lebt seit vielen Jahren am Irissee. Am Zollstock zeigt er mit der Hand, bis wohin der Wasserpegel früher reichte.

Quelle: Jens Steglich

Wilhelmshorst. Früher sind die Leute auf dem Irissee noch Boot gefahren. Und im Winter, erinnert sich die Wilhelmshorsterin Claudia Krentz, „konnten wir bis in die 1980er Jahre mit Schlittschuhen vom Irissee fast bis zum Herthasee in Michendorf fahren“. Die Zeiten sind vorbei. Der Irissee, der Teil einer Eiszeitrinne ist, zu der auch der Herthasee gehört, hat dramatisch an Wasser verloren. Oberirdische Verbindungen Richtung Michendorf und Bergholz-Rehbrücke sind längst versiegt. Inzwischen hat der Pegel des Irissee einen historischen Tiefstand erreicht, sagt Heinrich Hagen, der seit 1952 am See wohnt. Er macht die Feststellung am kleinen Fluss fest, der Irissee und Blanken Teich verbindet und über den eine Brücke führt. „Unterhalb der Brücke ist kein Wasser mehr.“ Gut einen Meter habe der Irissee in den vergangenen Jahren verloren, so Hagen. Der Pegel schwanke zwar, der Trend aber zeige nach unten.

Das ist auch ein Thema im Beschwerdeportal Maerker. Der See droht auszutrocknen, schreibt dort ein Wilhelmshorster und fragt, warum die Pumpe nicht zum Einsatz kommt, mit der in Notzeiten Wasser aus 35 Meter Tiefe ins Gewässer befördert wird. „Die Pumpe kann derzeit wegen der niedrigen Temperaturen nicht eingesetzt werden“, so Michendorfs Bauamtsleiter Christopher Gerhard. Wenn es nachts Frost gibt, gefriere das Wasser in den Rohren und zerstöre sie. „Wir beobachten den See, zurzeit können wir an der Situation aber nichts ändern.“

Seenkette entstand nach der letzten Eiszeit

Irissee und Blanker Teich in Wilhelmshorst sind Teil einer Gewässerkette, die von Michendorf bis nach Bergholz-Rehbrücke reichte.

„Sie entstand als subglaziale Schmelzwasserrinne der letzten Eiszeit, führte also das abschmelzende Eiswasser in Richtung Nuthe und Havel und zum Urstrom Elbe ab“, schreibt Willi Lau in einem Beitrag im Buch „100 Jahre Wilhelsmhorst. Eine Waldsiedlung vor den Toren der Hauptstadt“, das der Verein der Freunde und Förderer der Ortsgeschichte zum 100-jährigen Bestehen der Waldgemeinde 2007 herausgab.

Mit zu der Gewässerkette gehören unter anderem der Herthasee in Michendorf und auf der anderen Seite das Lange Fenn und das Teufelsfenn in Bergholz-Rehbrücke.

„Wir sind Ende der 1950er Jahre noch mit Schlittschuhen auf der Eiszeitrinne bis Bergholz-Rehbrücker gefahren und haben dort Eishockey gespielt“, erzählt der Wilhelmshorster Heinrich Hagen. Heute geht das nicht mehr.

Die Ursachen für das Schrumpfen des Sees sind vielfältig. Der Regen, der in der Region fällt, reicht in normalen Jahren nicht aus, um Defizite auszugleichen. „Und das Laub der Erlen, das hineinfällt, trägt zur Verschlammung bei“, sagt Heinrich Hagen. Für ihn begann der Schrumpfprozess aber bereits Ende der 1950er Jahre, als beim Bau der Bahnstrecke zwischen Saarmund und Golm der Grundwasserspiegel abgesenkt worden sei. „Davon hat sich der See nie richtig erholt.“ Und vor etwa zehn Jahren sei mit dem Ausbau des Irisgrunds die alte Eiszeitrinne als Zufluss unterbrochen worden, sagt Hagen, der sich mit Wassersystemen auskennt. Er arbeitete im Meliorationskombinat in Potsdam, stieg dort aus, als zu DDR-Zeiten riesige Landwirtschaftsflächen geschaffen „und damit die Natur zerstört wurde“.

Die Verbindung zwischen Irissee und dem Blanken Teich ist versiegt

Die Verbindung zwischen Irissee und dem Blanken Teich ist versiegt.

Quelle: J. Steglich

Beim Irissee hat die Gemeinde durchaus versucht, gegenzusteuern. Neben dem Pumpensystem, das in Trockenzeiten Nachschub liefert, wird auch Regenwasser aus dem Irisgrund und Teilen benachbarter Straßen in den See geleitet. Vorher filtert eine Sedimentationsanlage Schadstoffe heraus. Gereicht hat das zusätzliche Wasser nicht, um den Abwärtstrend zu stoppen. Ein weiteres Schrumpfen des Sees kann sich die Gemeinde freilich nicht leisten. Er bildet samt einiger Häuser am Ufer, die Architekt Albert Gessner entwarf, und der Straße Am Irisgrund ein Ensemble, das als Gartendenkmal unter Schutz steht.

 

Von Jens Steglich

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