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Jäger fürchten Wolfsplage und wollen handeln

Unterschätzte Gefahr Jäger fürchten Wolfsplage und wollen handeln

Die Jäger in Potsdam-Mittelmark schlagen Alarm: Fünf Wolfsrudel gibt es ihrer Darstellung nach rund um Bad Belzig – das soll nicht so bleiben. Rehe, Hirsche, aber auch Kühe stehen auf dem Speiseplan Isegrims. Der Wolf sei schon jetzt eine „Plage“, hieß es auf einer Jägerversammlung in Werbig. Einmal in Rage, fallen deutliche Worte und scharfe Vergleiche.

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Jäger in Potsdam-Mittelmark fürchten die Wölfe.

Quelle: dpa

Werbig. Die Jäger aus Bad Belzig und Umgebung sind sich einig: Die Entwicklung der Wolfspopulation in der Mark ist dramatisch. Allein rund um Bad Belzig leben fünf Wolfsrudel, sagen die Waidgenossen. Für Horst Battig, Wolfsbeauftragter der Hegegemeinschaft Nonnenheide/Hagelberg, ist die Lage klar: „Es sind zu viele Wölfe. Ein gesunder Bestand wären zwei, höchstens drei Wölfe im gesamten Landkreis Potsdam-Mittelmark. Wir haben es hier mit einer Plage zu tun.“ Jeder Jäger im Fläming hat schon Wölfe gesehen, täglich finden sie Isegrims Spuren.

Der Dahlener Jäger Falko Bärmann hat unzählige Fotos von gerissenem Wild auf seinem Handy. Die Bilder zeigen Rehe und Hirsche, aber auch Kühe, deren Kehle durchgebissen wurde. Die Wölfe hinterlassen lediglich Haut und Skelett ihrer Beute, alle Fotos zeigen sauber abgenagte Knochen.

Ganz nah dran am Wolf

Was die Jäger besonders beängstigend finden: die als scheu bekannten Wölfe haben anscheinend keine Angst mehr vor Menschen. „Die kommen mittlerweile so nah an uns heran, dass wir sie streicheln könnten“, berichtet Falko Bärmann.

Das sagt der Experte

Torsten Fritz, Wolfsbeauftragter der Unteren Jagdbehörde, sieht die Angaben der Jäger skeptisch. „Ich sage, dass es keine fünf Wolfsrudel rund um Bad Belzig gibt.“ Wölfe haben laut Fritz ein großes Einzugsgebiet, so dass die Rudel immer wieder in verschiedene Richtungen ausstrahlten.

Der Wolfsbeauftragte sieht keinen Grund, die Raubtiere zum Abschuss freizugeben. „Die Mitteleuropäische Tieflandpopulation, das heißt alle Wölfe in Deutschland und Westpolen, müsste 1000 erwachsene Tiere umfassen, bevor am Schutzstatus etwas geändert werden kann“, erklärt Torsten Fritz.

Dennoch versteht Fritz die Sorgen der Jäger. „Sie haben durch die Wölfe eine starke Konkurrenz und wir müssen die Abschusszahlen bei Wild drastisch senken. Sonst werden Mensch und Wolf zusammen dafür sorgen, dass es kein Wild mehr gibt. Der Wolf kann das nicht regulieren – daher müssen wir Menschen das tun“, so der Experte.

Ein ausgewachsener Wolf braucht, so Horst Battig, am Tag mehr als fünf Kilogramm Futter. Dem widerspricht Torsten Fritz scharf. Er ist ehrenamtlicher Wolfsbeauftragter der Unteren Jagdbehörde, in Fritz’ Augen übertreiben die Jäger bei der Wolfsproblematik. „Sowohl die Anzahl der Rudel als auch die Futtermenge ist überzogen“, so Fritz auf Anfrage der MAZ. Höchstens drei Kilogramm Fleisch fräßen erwachsene Wölfe Fritz zufolge.

Die Jäger rund um Horst Battig bleiben bei ihrem Angaben. „Unsere Zahlen sind anerkannt, sie stammen von Wissenschaftlern und der Hegegemeinschaft Zauche“, sagt Horst Battig. Er rechnet vor: „ Auf ein Jahr betrachtet, frisst ein erwachsener Wolf knapp 2000 Kilo Fleisch - das sind 445 Rehe und 115 Hirsche.“

Wölfe sollen dezimiert werden dürfen

Der Hunger der Raubtiere macht den Wildbeständen zu schaffen. „In manchen Wäldern gibt es nur noch ein Viertel des ursprünglichen Wildbestands“, spitzt Horst Battig zu. Deshalb will er bei einer Zusammenkunft in Umweltministerium im November fordern, Wölfe durch Abschuss dezimieren zu dürfen. „Es müssen endliche Entscheidungen gefällt werden“, so Battig, „unsere Beobachtungen sind eindeutig. Der Wolf ist eine unterschätzte Gefahr.“ Die Jäger im Flämig fürchten sogar, dass die Raubtiere irgendwann auch Menschen anfallen könnten, um ihren Hunger zu stillen.

Wölfe stehen in Deutschland unter starkem Schutz, ein Jäger beschreibt den Schutzstatus der Tiere mit einem drastischen Vergleich: „Wenn ich meine Ehefrau erschießen würde, wäre meine Strafe wahrscheinlich geringer, als wenn ich einem Wolf etwas antue.“

Von Saskia Popp

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