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Potsdam-Mittelmark „Jetzt beginnt die Abgammelphase“
Lokales Potsdam-Mittelmark „Jetzt beginnt die Abgammelphase“
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02:16 28.06.2015
Zeit zum Entspannen: Antonia Roicke aus Schlalach hat ihr Abitur mit Bestnote abgelegt. Quelle: T. Potratz
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MAZ: Herzlichen Glückwunsch zur Bestnote im Abitur. Jetzt steht der Abi-Ball vor der Tür. Wie fühlt sich diese Zwischenphase für Sie an?
Antonia Roicke: Die große Anspannung ist jetzt weg. Es beginnt jetzt ein bisschen die Abgammelphase. (lacht). Es ist zwar gerade alles etwas in der Schwebe, aber ich bin froh, jetzt mal etwas Ruhe zu haben, um mich zu erholen.

Einige Top-Absolventen wie Sie erzählen, dass sie während der Prüfungsphase oft alle Vorhänge zuziehen und sich ohne Ablenkung lange Zeit voll auf den Stoff einlassen müssen. Haben Sie auch im Dunkeln gelernt?
Roicke: Ganz so krass war es bei mir nicht. Ich hatte auch Zeit, mal was mit Freunden zu machen. Ich habe aber beispielsweise für Latein und Mathe schon mal den ganzen Tag gelernt. In anderen Fächern habe ich mir Stoff zwar angeguckt, aber lernen konnte ich da nicht viel. Da musste ich eher die Zusammenhänge verstehen.

Haben Sie in Bezug auf das Lernen einen Geheimtipp?
Roicke: Ich habe mir meistens den Stoff nochmal aufgeschrieben und bin dann stundenlang durch mein Zimmer gelaufen und habe alles laut erzählt, so als würde ich es jemandem erklären. Meine Mutter sagt es hätten sich schon Spurrillen im Boden gebildet, weil ich so viel gelaufen bin.

Welche Fächer haben Ihnen am meisten Spaß gemacht?
Roicke: Vor allem Mathe und Latein. Zahlen haben mich schon immer begeistert. Insgesamt gefallen mir Fächer, wo Logik und Regeln dahinter stecken, wo ich etwas Greifbares habe. Das ist ja auch bei der lateinischen Grammatik so.

Jetzt wird gefeiert

Antonia Roicke (18) wohnt in Schlalach. Am Gymnasium Treuenbrietzen hat sie im Abitur 841 Punkte und die Gesamtnote 1,0 erreicht.
Sehr gut abgeschnitten haben in Treuenbrietzen zudem Jonas Höhne mit einem Schnitt von 1,2 sowie Mara Bibow und Tim Jährig mit 1,3.
Am Fläming-Gymnasium in Bad Belzig erreichten Magnus Birkenfelder und Paul Spiesecke die Bestnote 1,0.
Freitag und Samstag finden nun die Zeugnisausgaben und anschließend die Abiturbälle für die Absolventen beider Gymnasien statt.
In Bad Belzig gibt es die Abitur-Zeugnisse am Freitag um 18 Uhr im Rahmen des Abi-Balls. Der Jahrgangsabschluss findet in der Albert-Baur-Halle statt.
In Treuenbrietzen beginnt das Zeremoniell am Samstag um 17 Uhr in der Aula. Es folgt der Ball in der Stadthalle.

Am Ende des Abiballs geht ja das berühmte Licht an und jeder wird seiner Wege gehen. Wie blicken Sie auf diesen Moment?
Roicke: Ich merke jetzt schon, mit wem ich hinterher noch Kontakt halten werde und mit wem nicht. Der harte Kern im Freundeskreis wird sicher bleiben. Aber es gehen auch einige nach dem Abi ins Ausland und da schaue ich natürlich mit Wehmut drauf. Klar.

Wie sieht Ihre persönliche Planung aus?
Roicke: Ich möchte Medizin studieren. Das war schon immer so in meinem Kopf. Mich interessieren die ganzen komplexen Vorgänge in unserem Körper und ich will gucken, ob es an einigen Stellen vielleicht neue Wege gibt, um Behandlungen zu verbessern. Das will ich alles kennen lernen und später dann den Menschen helfen.

Apropos Zukunft. Vor ein paar Monaten kritisierte eine Schülerin deutsche Bildungsinhalte und postete im Internet mit großer Resonanz, sie könne zwar eine Gedichtinterpretation in vier Sprachen schreiben, aber sie wisse nicht, was Steuern und Versicherungen sind. Fühlen Sie sich ähnlich?
Roicke: Ja, es gibt sehr viele Dinge, auf die wir in der Schule nicht vorbereitet werden. Ich wüsste jetzt auch nicht, wie eine Steuererklärung oder ähnliche Sachen funktionieren. Oft muss ich da meine Eltern um Rat fragen.

Sie selbst sind jetzt zwar fertig mit der Schulausbildung, aber würden Sie sich dennoch eine Änderung im Lehrplan wünschen?
Roicke: Ja, ganz klar. Ich finde es wichtig, dass solche alltäglichen und sehr wichtigen Dinge vermittelt werden. Da wird zu wenig Wert drauf gelegt. Natürlich erklären die Eltern auch vieles, aber in der Schule wäre es einheitlich und für alle besser. Da wäre vielleicht sogar ein eigenes Unterrichtsfach wie „Lebenskunde“ angebracht.

Interview: Tobias Potratz

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