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Jubel auf dem Michendorfer Boulevard

Volksbühne spielt Ohnsorg-Klassiker Jubel auf dem Michendorfer Boulevard

Ein verknallter Hauswirt, eine alte Giftspritze, eine hübsche Untermieterin – da gibt’s jede Menge zu lachen. Das Theaterstück „Tratsch im Treppenhaus“ gehört seit der TV-Übertragung am Silvesterabend des Jahres 1966 zum deutschen Kulturerbe. Die Michendorfer Volksbühne feierte jetzt eine umjubelte Wiederauferstehung des Ohnsorg-Klassikers.

Michendorf, Potsdamer Straße 42 52.31321 13.03097
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Urkomisch: Tratsch im Treppenhaus.

Quelle: Promo

Michendorf. Jens Exlers „Tratsch im Treppenhaus“ gehört in der Fassung des Hamburger Ohnsorg-Theaters seit der Fernsehliveübertragung am Silvesterabend des Jahres 1966 zum deutschen Kulturerbe. Mit der genialen Heidi Kabel als alte Tratschtante Boldt und dem knorrigen Herrn Brummer, gespielt vom unvergleichlichen Henry Vahl, flimmerte sich diese Inszenierung in weniger als zwei Stunden von den Nord- und Ostsee-Küsten bis hinauf auf die Kammlagen der Gebirge ins Innerste der gesamtdeutsche Seele. Eine solche Ikone der volkstümlichen Unterhaltung ein halbes Jahrhundert später auf die Bretter zu holen, verlangt viel Mut. Die Volksbühne Michendorf und die Regisseurin Astrid Straßburger gingen das Wagnis ein und haben alles gewonnen.

Die Premiere am Freitagabend endete mit stehenden Ovationen. Dabei gelang dem Ensemble das Kunststück, einerseits an die tradierte Stückvorlage anzuknüpfen und andererseits mit moderaten Auffrischungen den in die Jahre gekommenen Wirtschaftswunderhumor aufzupolieren. Einziger Spielort ist noch immer besagtes Treppenhaus mit den vier handlungsbestimmenden Wohnungstüren (Bühnenbild Holger Hanewacker). Hier ist das Reich der skandalsüchtigen alten Tratsche Meta Boldt (Anna Haack), die mit ihrer Giftschleimspur das ganze Haus verunreinigt. Aufregung verursachen die neuen jungen Untermieter Silke Seefeld (Mareike Jäger) und Markus Brummer (Gianni von Weitershausen), die sich beide aus ihren Elternhäusern in zwei Kammern des Hauses geflüchtet haben.

Silke bezieht ihre winzige Fluchtburg mit Einwilligung der liebenswert warmherzigen Witwe Knoop (Aloisia Zöller) und Markus flüchtet sich zum Onkel, dem pensionierten Steuerinspektor Ewald Brummer. Das Bühnenpersonal vervollständigen ein grobschlächtiger Fleischer sowie Hauswirt Tramsen und der Papa der geflüchteten Silke, die beide von Thomas Komman gespielt werden. Die dramaturgischen Zutaten für ein furioses Finale sind gleich zwei sich anbahnende Amoren und jede Menge Situationskomik. Dabei gelingt es sowohl den beiden spontanverknallten Jungspunden Silke und Markus wie auch ihren sonnigen spätherbstlichen Untervermietern, identifikationsfähige Pärchen zu kreieren. Hochromantisches tränenfließendes Glück pur als Markus mit der Gitarre die plattdeutsche Liebesballade schlechthin intoniert, um in Silkes Kammer zu gelangen.

Nachdem das ewig junge „Dat du min Leevsten büst“ gesungen ist, ist nicht nur kammertechnisch der Bann gebrochen, sondern auch im Publikum Kammerflimmern angesagt. So wechselten diese Momente der Rührung mit solchen der Komik, wenn der biedere Rentner und einstige Steuerbeamte Brummer von Amors Pfeil getroffen, plötzlich sein Outfit wechselt und in Turnschuhen, karierter Hose, Lederjacke und Basecap gewandet das Treppenhaus rockt. Urkomisch auch der ebenfalls vom Liebespfeil getroffene Wurstliebhaber und Hauswirt Tramsen, der mit seinen Grimmassen und Tollpatschereien ein ums andere mal das Zwerchfell des Publikums strapaziert. Überhaupt gibt es nur einen Grund das Stück zu meiden. Wem immer der Arzt das Lachen verboten hat, der sollte zu Hause bleiben.

Von Lothar Krone

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