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Jüdischer Junge in Kleinmachnow versteckt

Lesung zum Holocaustgedenktag Jüdischer Junge in Kleinmachnow versteckt

Es ist die unglaubliche Geschichte einer Rettung in höchster Not: Ein jüdischer Junge wurde zur Nazi-Zeit in einer Kleinmachnower Gärtnerei versteckt. Erzählt wird die Geschichte von Eva Zeller, die einst als Pfarrfrau in der Gemeinde lebte. Der Junge überlebte nur deshalb, weil es eine geheime Liebesaffäre gab.

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Eva Zeller und ihre Enkel Dietrich Rudorff (l.) sowie Joachim Zeller.

Quelle: Christel Köster

Kleinmachnow. Zwei Tage nach ihrem 92. Geburtstag wurde die Lesung Eva Zellers aus „Das versiegelte Manuskript“ anlässlich des Holocaustgedenktags am Mittwoch in der Auferstehungskirche in Kleinmachnow auch zu einem verspäteten Geburtstagsdefilee. Unter denen, die der von ihrer Familie begleiteten Schriftstellerin gratulieren, oder ein paar Worte wechseln wollten, befand sich auch der Nestor der deutschen Porträtkünstler, der Grafiker Harald Kretzschmar. Er hatte Zeller bereits früher gezeichnet und skizzierte sie nun, mitten im Trubel, in Sekundenschnelle erneut.

Würdigung vom Chef der „Aktion Stolpersteine“

Begleitet von der ältesten Tochter Zellers, Maren Rudorff und vom Enkelsohn Dietrich Rudorff, begab sie sich dann aufs Podium und lauschte dort den Begrüßungsworten von Martin Bindemann von der Aktion Stolpersteine. Zeller, die zu DDR-Zeiten in Kleinmachnow als Pfarrfrau lebte, begann ihre Lesung mit einem Gedicht. Wunderbar klar und mit fester Stimme war ihr „Christophorus der Christusträger“ gesprochen und bis in die letzten Reihen der gut gefüllten Kirche zu vernehmen.

Geheime Liebesbeziehung rettete den jüdischen Jungen

Danach las dann Zellers Tochter Maren, die auf Tatsachen beruhende Geschichte vom jüdischen Jungen Jakob, der in einer Kleinmachnower Gärtnerei versteckt die Nazizeit überlebte. Jacobs Mutter wurde durch einen Zufall Zeugin einer Liebesbeziehung der Gärtnerin mit dem französischen Zwangsarbeiter Auguste. Da ihre Deportierung absehbar war, erpresste sie das Paar. Sie erzwang, ihren Jungen in der Gärtnerei zu verstecken, und drohte selbst aus dem Lager noch das verbotenes Verhältnis der beiden aufzudecken. Der verzweifelte Rettungsversuch gelang und so blieben der siebenjährige Junge und der Schmuck der Mutter anderthalb Jahre lang in der Gärtnerei verborgen.

Eva Zeller erzählt auch von Katharina von Bora, „der Lutherin“

Auguste und „ petit Jacob“ wurden sogar Freunde. Jakobs Mutter aber überlebte das Lager nicht. Frauenschicksale nehmen in Zellers Werk einen besonderen Platz ein. So erzählte die Schriftstellerin auch von ihrer Suche nach Spuren von Katharina von Bora für ihr Buch „Die Lutherin“, aus dem anschließend ihr Enkel las. Darin schildert sie die unglaubliche Chuzpe, mit der sich die geflohene Nonne den berühmten Reformator, gegen dessen Widerstand angelt. Den ihr vom Herrn Professor Luther zugedachten Heiratskandidaten gab das „hochmütig Ding“ einen Korb und sagte, dann wolle sie lieber den Luther selbst. Immerhin verletzte Katharina damit gleich diverse gesellschaftliche Normen, trotzte selbstbewusst allen Anfeindungen und eroberte schließlich sogar Luthers Herz.

Kleinmachnower Besucher bestürmten die Schriftstellerin mit Fragen

„Sie ist mir sehr nah gekommen, diese Frau“ kommentierte Zeller und man sah ihr die immer noch wache Begeisterung für diese erstaunlich emanzipierte Katharina förmlich an. Zum Abschluss des Abends las dann Zellers Enkel Dietrich noch einmal aus dem Schlusskapitel von „Das versiegelte Manuskript“. Kaum aber war der Beifall verebbt, drängten die Besucher an den Lesetisch und bestürmten die Schriftstellerin und ihre Begleitung mit Fragen und kauften die ausgelegten Bücher. Nachhaltiger kann Gedenken nicht stattfinden.

Von Lothar Krone

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