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Potsdam-Mittelmark Werder setzt Jugendliche auf die Straße
Lokales Potsdam-Mittelmark Werder setzt Jugendliche auf die Straße
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17:12 15.06.2015
Die Jugendlichen in Werder fordern ein Begegnungshaus, in dem sie sich möglichst bald wieder treffen können. Quelle: Julian Stähle
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Werder

Die Jugendlichen in Werder und Umgebung haben seit Monatsbeginn keinen Treffpunkt mehr. Die Stadtverwaltung schloss das Jugendhaus „Club 01“ im Hohen Weg 156, weil sie die Räume für Kita-Plätze braucht. Die Ausstattung des Klubs konnte der Teltower Job e. V., der den Jugendklub betreibt, vorerst im Keller des Hauses unterstellen, der nicht für die Kinderbetreuung genutzt werden soll. Etwa 20 bis 30 Jugendliche im Durchschnitt besuchten täglich den Klub, um sich mit anderen zu treffen. Bei Veranstaltungen an den Wochenenden waren es mindestens noch einmal soviel Gäste. Nun sind die Jugendlichen sauer, weil der Rausschmiss ziemlich plötzlich kam.

„Das betrifft fast alle Jugendlichen in Werder. In dieser Woche wollen wir an die Ostsee fahren. Das wird dann wohl unsere Abschlussfahrt werden“, resigniert beispielsweise Tilo. Es ist nicht einfach, in Werder Plätze zu finden, wo sich die Jugendlichen ungestört unterhalten können, ohne dass Fremde unfreiwillig mithören. Sie treffen sich derzeit an der Regattastrecke auf der Insel oder im Gutshof in Werder. „Wir brauchen einfach wieder ein Rückzugsgebiet, in dem wir auch mal mit Freunden unsere Probleme besprechen können“, fordert Christina. Die häufigste Freizeitbeschäftigung sei jetzt das Kartenspielen. Fitness und Bandproben müssen ausfallen, auch Disco und die Theaterabende sind unter freiem Himmel nicht möglich. Bei einem zwanglosen Treffen mit Musik sollen neulich Anwohner die Polizei gerufen haben, weil sie sich in ihrer Ruhe gestört fühlten, berichten einige Jugendliche.

Für Thomas Lettow, geschäftsführender Vorstand des Job-Vereins, ist die Situation „alles andere als optimal“. Er versteht, dass die Stadt ihren Familien den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz gewährleisten muss, hält andererseits aber auch an einem Treffpunkt für Jugendliche in Werder fest. „Wir arbeiten mit der Stadtverwaltung mit Hochdruck an einer Lösung“, sagt Lettow. Nach Möglichkeit soll es nicht erst ein Provisorium, sondern eine neue feste Bleibe sein. Die Stadt sei wohl auch bereit, notfalls private Grundstücke anzumieten. Bis zum Herbst lasse sich einiges im Freien organisieren. Danach sollte aber ein Quartier zur Verfügung stehen, meint der Sozialpädagoge.

Den beiden Sozialarbeitern des Klubs hat der Job e.V. erst einmal einen Schreibtisch in seiner Geschäftsstelle für Erziehungshilfen in Werder freigemacht. Von dort aus koordinieren sie per Facebook oder WhatsApp so gut wie es geht das Freizeitangebot mit den Jugendlichen. Einige Veranstaltungen könnten vielleicht mit Hilfe des Familienzentrums durchgeführt werden, hofft Lettow. Doch das Zentrum wird sein nächstes Problem. Wenn das Pflegeheim der Awo ab Mitte 2016 saniert wird, in dem auch das Familienzentrum mit untergebracht ist, müssen Stadtverwaltung und Freier Träger auch für diese Einrichtung ein neues Domizil finden. Der Job e. V. will außerdem bei Werderaner Vereinen nachfragen, inwieweit dort Räume für die Jugendarbeit gemietet werden können.

In der Stadtverwaltung Werder ist man sich der Situation schon bewusst und empfindet sie ebenfalls als „unschön“, wie die zuständige Fachbereichsleiterin Ulrike Paniccia versichert. Doch mit Blick auf das bevorstehende neue Schuljahr, für das die Stadt nach dem Rechtsanspruch auch Kitaplätze bereitstellen muss, sei Werder zum Handeln gezwungen gewesen. Im Objekt „Stadtstrolche“, wie das Haus offiziell heißt, seien neben dem Jugendklub auch der Hort der Carl-von-Ossietzky-Schule sowie eine Kita untergebracht. Da habe es nahegelegen, die Kita zu erweitern. Ein sofortiges Ausweichquartier für den Jugendklub habe es nicht gegeben. „Wir sind allerdings mit mehreren Investoren im Gespräch, wovon sich in einem Fall eventuell eine Lösung abzeichnen könnte“, deutet Paniccia an.

Der Werderaner Jugendklub ist kein Einzelfall. Auch Michendorf hatte vor einigen Jahren den Wilhelmshorster Jugendlichen einen Neubau anstelle des alten Klubgebäudes versprochen. Dann hatte Michendorfs Bürgermeister Reinhard Mirbach (CDU) vorgeschlagen, anstelle des Jugendklubs eine neue Kinderkrippe zu bauen. Den Jugendlichen wurde seinerzeit empfohlen, die Angebote auf dem Schulcampus zu nutzen oder in den Klub ins benachbarte Michendorf zu fahren.

Von Heinz Helwig

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