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Jugendliche auf Spurensuche im Roederhof

Bad Belzig Jugendliche auf Spurensuche im Roederhof

In einem neuen Projekt begeben sich Jugendliche aus verschiedenen Orten Brandenburgs auf eine Spurensuche, um die Geschichten der KZ-Außenlager zu erforschen. Das Belziger Forum gibt Jugendlichen aus dem Hohen Fläming die Möglichkeit sich an dem Projekt „überlagert“ zu beteiligen und den Roederhof zu erkunden.

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Das Mahnmal für die Opfer des KZ-Außenlagers

Quelle: Danilo Hafer

Bad Belzig. In einem neuen landesweiten Projekt begeben sich Jugendliche aus verschiedenen Orten Brandenburgs in ihrem Dorf oder ihrer Stadt auf eine Spurensuche, um die Geschichten der KZ-Außenlager zu erforschen. So auch in der Kreis- und Kurstadt. Das Belziger Forum gibt Jugendlichen aus dem Hohen Fläming die Möglichkeit sich an dem Projekt „überlagert“ zu beteiligen. Ziel ist es, vorhandene Informationen aufzubereiten und neue Erkenntnisse zu gewinnen und diese zu veröffentlichen.

„Es gibt zwar bereits viele Informationen über das ehemalige Außenlager Roederhof, aber wir möchten diese Informationen auch für Jugendliche ansprechend aufbereiten und besser zugänglich machen“, sagt Benjamin Stamer. Der 26-Jährige ist beim Belziger Forum gegen Rechtsextremismus und Gewalt zuständig für interkulturelle Projekte und betreut auch die neue geschichtliche Spurensuche.

Erstes Treffen im Infocafé in Bad Belzig

Erstes Treffen im Infocafé in Bad Belzig

Quelle: Danilo Hafer

In Workshops, Seminaren und Exkursionen werden sich die Jugendlichen im Laufe des Jahres mit dem System der Zwangsarbeit und den Hintergründen beschäftigen. Es soll um Fragen nach ganz konkreten Auswirkungen vor Ort gehen, aber auch um die Suche nach Zeitzeugen und das Rechercheiren in Archiven. Mit letzterem möchte Benjamin Stamer so schnell wie möglich beginnen. „Am ersten Maiwochenende werden wir die Gedenkstätte Sachenhausen besuchen und dort schon in die Archive gehen“, erklärt er. Und Stamer habe die Hoffnung, schon in Sachsenhausen, dem Konzentrationslager, dem auch der Roederhof später unterstellt war, erste Erkenntnisse zu gewinnen. Vor allem über eine Hauptfigur jener Zeit.

Der Roederhof

Das KZ-Außenlager Roederhof war ab August 1944 ein Außenlager für Frauen des Konzentrationslagers Ravensbrück. Ab Herbst 1944 war es dem KZ Sachsenhausen unterstellt.

Das Außenlager entstand aus einem bereits bestehenden Zwangsarbeiterlager. Die mit einem elektrischen Stacheldrahtzaun gesicherte Anlage war für 750 Häftlinge ausgelegt.

Die Frauen mussten in zwölfstündigen Schichten für die Munitionsfabrik Roederhof arbeiten. Diese gehörte zum Metallwarenwerk Treuenbrietzen des Kopp & Co. Konzerns in Berlin. Hauptprodukte waren Munition für die 2-cm-Vierlingsflak, sowie für Flugzeugbord- und Panzerabwehrkanonen.

Der Lagerleiter Gerhard Lehmann. „Über diesen Mann ist fast nichts bekannt“, sagt Wolf Thieme. Der ehemalige Journalist beschäftigt sich schon seit 15 Jahren mit der Geschichte des Roederhofes und hat auch für die neue Geschichtsaufarbeitung seine Hilfe angeboten. „Im Landesarchiv von Nordrhein-Westfahlen gibt es die Gerichtsakten über den Prozess gegen Lehmann, die möchte ich einsehen“, so Thieme. Gerne würde er zusammen mit Benjamin Stamer und einem Jugendlichen nach Duisburg fahren und an einem oder zwei Tagen im Archiv nach Hinweisen suchen. „Ob wir wirklich was entscheidendes finden, kann man vorher allerdings nicht sagen“, so Thieme.

Info-Tafel an der Gedenkstätte

Info-Tafel an der Gedenkstätte.

Quelle: Danilo Hafer

Noch hat die Projektarbeit nicht begonnen. In der vergangenen Wochen haben sich aber bereits erste Interessenten getroffen, auch um über mögliche Ziele dieser Arbeit zu sprechen. Möglich sei alles, vom Theaterstück, in dem die Geschichte auf eine neue Weise präsentiert wird, oder einer Ausstellung. „Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass wir die Website des Förderkreises Roederhof neu gestalten, da müsste wirklich dringend was passieren“, so Stamer.

Benjamin Stamer vom Belziger Forum

Benjamin Stamer vom Belziger Forum.

Quelle: Danilo Hafer

Darüber würde sich auch Inge Richter, die Leiterin des Förderkreises freuen. „Vielmehr habe ich aber die Hoffnung, dass wir mit diesem Projekt Jugendliche für den Förderkreis gewinnen können, die sich auf lange Sicht mit der Geschichte dieses Ortes befassen“, sagt sie. So wird auch das traditionelle Gedenken am 3. Mai ein Teil des Projektes sein. „Wir werden mit den Jugendlichen daran teilnehmen, das gehört einfach zu diesem Ort dazu“, so Stamer.

Gleich zu Beginn sollen die Jugendlichen daher den Roederhof bei einer Ortsbesichtigung kennen lernen und sich einen ersten Eindruck verschaffen. Danach kann es dann mit der Recherche losgehen.

Von Danilo Hafer

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