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Jugendtreff „Pogo“ vor ungewisser Zukunft

Bad Belzig Jugendtreff „Pogo“ vor ungewisser Zukunft

Im Jugendfreizeitzentrum „Pogo“ hat man Angst vor dem letzten Tanz. Um Brandschutzauflagen zu erfüllen, müsste die Stadt Bad Belzig tief in die Tasche greifen. Außerdem läuft der Vertrag mit dem Träger SPI bald aus. Schließlich ist sich die Stadtpolitik nicht im Klaren, wie sie sich überhaupt die offene Jugendarbeit vorstellt. Entscheidungen fehlen und die Zeit rennt.

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Der Pogo-Jugendfrezeittreff steht vor dem Aus.

Quelle: Christiane Sommer

Bad Belzig. Die Jugend in Bad Belzig hat womöglich bald kein Clubdach mehr über den Kopf. Zudem ist die Betreuung ab 1. Januar 2018 allgemein ungewiss. Der für drei Jahre gültige Betreibervertrag mit der Stiftung Sozialpädagogisches Institut „Walter May” (SPI) endet Silvester. Politik und Verwaltung haben augenscheinlich keinen Plan, ob, wie und von wem die offene Jugendarbeit fortgeführt werden soll.

Eigentlich sollte schon eine parlamentarische Arbeitsgruppe nach der Kontroverse zum Jahresbericht 2015 im vorigen Jahr die jetzt anstehende Entscheidung vorbereiten. Es gab jedoch mangels Konsens und daher nachlassender Mitarbeit kein greifbares Ergebnis. Nun hat sich die Lage noch verschlechtert.

200.000 Euro Kosten für Brandschutzauflagen

Die aus einer Brandschau resultierenden Auflagen sorgen dafür, dass die Möglichkeiten schon jetzt eingeschränkt werden. In beiden Obergeschossen dürfen sich derzeit maximal 32 Personen aufhalten. Die Kapazität für das Gebäude ist auf 80 Personen begrenzt. Das reicht eigentlich für den Tagesbetrieb. Allerdings stehen mit der Sperrung des Keller ausgerechnet der Fitnessraum sowie Probedomizil und Tonstudio für Musikbands nicht zur Verfügung.

Beim Musikertag im Pogo ließen sich Merlin Abramovich (l) und Lucas Ringer aus Bad Belzig von Thomas Klebsch verschiedene DJ-Kniffe zeigen

Beim Musikertag im Pogo ließen sich Merlin Abramovich (l.) und Lucas Ringer aus Bad Belzig von Thomas Klebsch verschiedene DJ-Kniffe zeigen.

Quelle: Josephine Mühln

Ob die von der Bauaufsicht geforderten Modernisierungen im Wert von rund 200.000 Euro erledigt werden sollen, ist noch nicht entschieden. Die CDU-Fraktion plädiert seit langem dafür, das kommunale Gebäude zu veräußern. „Aber nicht ohne Ersatz“, sagt Fraktionschef Wolfgang Terp. Doch die ursprüngliche Idee der Union, Jugendsozialarbeit in der ehemaligen Geschwister-Scholl-Grundschule am Busbahnhof zu etablieren, erscheint wie ein Luftschloss.

Ausrichtung der Arbeit in der Kritik

Nicht umsonst hat die Stadtverwaltung Geld aus dem Ausgleichsfonds des Landkreises für strukturschwache Kommunen beantragt, um die Backsteinvilla herrichten zu können. „Doch dort wird vor der gewiss nur schrittweisen Bewilligung ebenfalls erst die Frage gestellt, wie es langfristig weiter geht“, erklärte Baumatsleiter Christoph Grund. Er erwartet bei dem Umfang ein Bekenntnis der Stadtverordneten.

Doch gibt es – ausgerechnet bei Linken und Bündnisgrünen – von jeher Zweifel an der Ausrichtung der Arbeit von Peter Lehmann und seinen zehn SPI-Kollegen. Dabei haben jene versucht zu zeigen, dass sie nicht nur einen Freizeittreff mit Kulturprogramm unterhalten, sondern Bildungs-, Medien- und Sozialarbeit sowie aktuell Integration leisten. Ein Antrag von Lothar Lehmann (Freie Wählergemeinschaft), deshalb den Vertrag zumindest noch um ein Jahr zu verlängern, ist aber im Hauptausschuss wegen vergaberechtlicher Bedenken nicht zur Abstimmung gekommen.

2018 wäre Jubiläum

Das Jugendfreizeitzentrum Pogo gibt es in Bad Belzig gibt es seit 1993.

Bald nach der Eröffnung, bei der die Ministerpräsidenten Manfred Stolpe und Johannes Rau dabei waren, hat der Kreis Belzig das Prestigeobjekt in die Hände der Kommune gegeben.

Seit 2010 ist die Stiftung SPI „Walter May“ für den Betrieb verantwortlich. Derzeit sind bei ihr elf feste Mitarbeiter in den verschiedenen Sparten beschäftigt. Die Stadt sichert für die Hälfte des 195000 Euro-Jahresetats auf. Neben Geld der Stiftung kommen Projektförderungen zum Zuge.

Rund 11 000 Besucher pro Jahr sind zuletzt beim Tagesbetrieb und den Veranstaltungen gezählt worden.

Ob es zeitgemäße Alternativen dazu gibt, soll in einer Ausschreibung ermittelt werden. Was genau gefragt sein wird, soll laut Bürgermeister Roland Leisegang (parteilos) erst nach einer Beratung mit Experten des Kreisjugendamtes festgelegt werden. Leisegang erklärt, in der Sache noch nicht hinreichend Kenntnisse zu haben. Jedoch regte er an, dezentrale Lösungen zu prüfen.

Kommune will 100.000 Euro pro Jahr investieren

Etwa 100.000 Euro –zumindest das scheint Fakt – ist die Kommune wieder bereit, pro Jahr investieren. Im Sozialausschuss hat Stiftungsgeschäftsführer Andreas von Essen bereits die Gefahr dargestellt, die sich in der aktuellen Situation ergibt. „Mit der allemal rechtmäßigen Kündigung, aber ohne sich abzeichnende Perspektive suchen die Mitarbeiter ihre Wege.“ Und: „Dann erhält man womöglich den Zuschlag, aber die Kollegen sind weg.“

Klare Worte hat er zur Standortfrage, wobei er die Stadt in der Pflicht sieht. „Einen Träger, der sein Domizil mitbringt, wird es wohl nicht geben und ohne Gebäude geht es nicht!“ In einem Brief an die Abgeordneten wird jedenfalls vor einem fatalen falschen Zeichen gewarnt, wenn Bad Belzig als erste brandenburgische Kreisstadt solche Lücke in der kommunalen Infrastruktur zulassen würde.

Von René Gaffron

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