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Nach 40 Jahren noch immer eine Berufung

Stahnsdorfer Hortleiterin feiert ein Dienstjubiläum Nach 40 Jahren noch immer eine Berufung

Dieser Dienstag ist für die Stahnsdorfer Hortleiterin Jutta Möser ein ganz besonderer. Die Erzieherin arbeitet seit 40 Jahren mit Kindern und sieht ihre Arbeit noch immer als eine Berufung an. Doch der Berufstand der Erzieherin hat in der Öffentlichkeit an Bedeutung verloren, stellt sie fest. Jutta Möser wäre froh, wenn die Erzieherin wieder mehr gesellschaftliches Ansehen bekäme.

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Hier fühlt sie sich noch immer am wohlsten: Jutta Möser inmitten „ihrer“ Kinder.

Quelle: H. Helwig

Stahnsdorf. Wie an jedem Morgen schließt Jutta Möser die Tür zu ihrem Büro auf. Doch dieser Tag ist ein ganz besonderer für sie. Die Leiterin des Lindenhof-Hortes in Stahnsdorf arbeitet seit 40 Jahren als Erzieherin. „Die Arbeit mit Kindern ist kein Beruf, das ist eine Berufung“, sagt Möser. Sicher werden ihr die Kollegen und Kinder ein kleines Ständchen zum Jubiläum bringen. Bürgermeister Bernd Albers (Bürger für Bürger) kommt mit Blumen vorbei, um sich für die unermüdliche Arbeit der Pädagogin zu bedanken.

„Sie lässt uns viel freie Hand, eigene Ideen mit den Kindern auszuprobieren und hat viel Verständnis für private Probleme, die auch mal geklärt werden müssen“, sagen Mösers Kolleginnen. Auch die Kinder lieben ihre Hortleiterin: „Sie pustet uns die Luftballons auf und gibt uns bunte Federn, mit denen wir andere kitzeln können.“

Schon als Kind wollte Jutta Möser Lehrerin werden. Alternativ hätte sie sich auch für Schneiderin entschieden, doch ihre Unterstufenlehrerin war sich sicher: „Das Mädchen wird mal eine gute Lehrerin werden.“ Anfang der 1970-er Jahre werden in der DDR dringend Erzieher gesucht. Das üblicherweise vierjährige Studium wird zu einer dreijährigen Ausbildung verdichtet, die Möser wegen der Spezialisierung Heimkinder im Institut für Lehrerbildung (IfL) in Kyritz absolviert. 1975 ist sie „Erzieherin für Heim und Horte mit der Lehrbefähigung Musik und Kunst“ und beginnt ihre Arbeit am 1. August im Kinderheim auf dem Geltower Franzensberg. Fünf Jahre lang ist sie in der Früh- und Spätschicht auch am Wochenende und an Feiertagen für die Kinder da. 1980 wird ihr eigener Sohn geboren, und sie muss den Schichtdienst aufgeben. Jutta Möser wechselt zur Tagesoberschule „Heinrich Zille“, wie die Stahnsdorfer Grundschule damals noch heißt. 35 Jahre wird sie dort arbeiten, auch Musik und Kunst unterrichten und es nach der Wende bis zur stellvertretenden Leiterin des Zille-Hortes bringen.

Die Wende bringt Erleichterung und Freude in den Hort. Endlich können die Erzieherinnen mehr mit den Kindern unternehmen, endlich gibt es mehr Material für die Bildungs- und Freizeitarbeit, glauben sie. Die Ernüchterung folgt schnell: Die Marktwirtschaft lässt Personal und wöchentliche Betreuungsstunden schrumpfen. Statt 40 Stunden in der Woche bekommen die Erzieherinnen jetzt nur noch 32 Stunden bezahlt. „Durch die Stundenreduzierung und die schlechte Bezahlung hat der Berufsstand des Erziehers in der Gesellschaft an Bedeutung verloren“, stellt Jutta Möser etwas verbittert fest. Sie wünscht für sich und ihre Kollegen, dass ihre Arbeit wieder mehr öffentliche Anerkennung findet.

Der Stress, den viele Eltern haben, erhöht auch den Druck auf die Kinder und hat sie manchmal auch aggressiver gemacht, sagt die Hortleiterin. Abenteuerserien, die am Vorabend im Fernsehen liefen, spielen die Kinder am nächsten Tag szenengenau im Hort nach. Die naturwissenschaftliche Arbeit trägt unter anderem dazu bei, dass sie jetzt wieder friedlicher geworden sind, stellt Jutta Möser erleichtert fest.

Seit 2007 arbeitet sie im Lindenhof-Hort. In vier Jahrzehnten hat die Stimme etwas gelitten und auch der Kinderlärm hinterließ einige Spuren. Zu Hause werden Radio und Fernseher leise gestellt. Jutta Möser kann den Lärm aber auch zuweilen einfach ganz wegstecken. Trotzdem will sie bis zur Rente nicht darauf verzichten. „Ich möchte ein Haus voller lachender Kinder haben“, lautet noch immer ihr sehnlichster Wunsch.

Von Heinz Helwig

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