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Potsdam-Mittelmark Kabarettist lässt Waldpilze eine Oper singen
Lokales Potsdam-Mittelmark Kabarettist lässt Waldpilze eine Oper singen
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18:50 15.08.2016
Unter anderem als rauchender Rentner tritt Kabarettist Jens Heidtmann im Bad Belziger Kleinkunstwerk meist kostümiert auf. Quelle: Tobias Potratz
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Bad Belzig

Es ist so ätzend. Immer, wenn dieses Verlangen nach einer Zigarette in ihm aufkommt, muss der frustrierte Rentner vor die Tür. Jacke an, Treppe runter. In hohem Alter ist das eine Qual. Denn seit kurzem herrscht Rauchverbot im Altersheim, erzählt der Pensionär. Er steht am Sonntagnachmittag auf der Bühne im Bad Belziger Kleinkunstwerk. Er ist eine rauchende Rentner-Puppe. Die Zuschauer erinnert sie etwas an die fröhliche Muppets-Show. Doch lachen kann der Rentner schon lange nicht mehr. Im Gegensatz zum Publikum.

Hinter der Puppe verbirgt sich Jens Heidtmann, ein Kabarettist, der dem Bad Belziger Publikum bekannt ist. Der 59-Jährige gewann vor einem Jahr die erste Bad Belziger „Bachstelze“ beim gleichnamigen Festival. Damals musste er mit einem 20-Minuten-Auftritt die Zuschauer im Kleinkunstwerk überzeugen. Jetzt durfte er dort fast anderthalb Stunden ran. Sein Gesicht bleibt dabei die meiste Zeit verborgen.

Fast immer versteckt sich Heidtmann hinter Puppen oder dunklen Leinwänden und lässt lieber kuschlige Kaninchen oder Kasper und Seppel sprechen. Meistens hüllt er sich komplett in schwarz, damit sich der Blick nur auf die Figur richtet. In einer weiteren Szene lässt er sogar Waldpilze eine Oper singen. „Wer zwischen diesen ganzen Szenen einen Zusammenhang sucht, kann es vergessen“, sagt Heidtmann dem Publikum. Das einzige, das alle Szenen verbindet, ist sein norddeutscher Akzent, den der Hamburger nie ganz verbergen kann. Er würfelt aus drei verschiedenen Kabarettprogrammen unterschiedliche Szenen zusammen und brettert durch die Vielfalt der Bühnenkomik. Sein Motto: Humor mit allen Mitteln.

Es sind alltägliche Gegebenheiten wie Dialoge im Einkaufsladen oder auf der Baustelle, die Heidtmann witzig aufarbeitet. Doch zwischenzeitlich wird er auch ernst. Er beschäftigt sich genauso mit den unangenehmen Themen. Als er eine schwarze Strumpfmaske überzieht, um sich hinter seiner Rentner-Puppe zu platzieren, sagt er: „Das ist im Augenblick wohl die einzige Möglichkeit, in der Türkei Kritik an der Regierung zu üben.“ Im MAZ-Gespräch vor der Veranstaltung sagt er außerdem: „Ich finde das sehr erschreckend, was da in der Türkei passiert.“ Immer wieder schwingt politische Kritik in seinen Szenen mit. So spielt er mithilfe zweier Hasen auf ernsthafte Probleme wie Rassismus und Ausgrenzung an. Kurz danach springt Heidtmann aber wieder in den Alltagshumor und referiert über den ganz speziellen Telefonzellengeruch aus Urin und altem Papier, den Frischverliebte vor dem Handyzeitalter bei langen Gesprächen ertragen mussten. Schließlich sollte ja am Festnetzapparat zu Hause keiner zuhören.

Mit dem Mix aus Ernsthaftigkeit, Witz und nostalgischen Anspielungen trifft er die Nerven der Zwerchfelle von etwa 120 Zuschauern, die das Kleinkunstwerk komplett ausfüllen.

info: Am 26., 27. und 28. August findet das zweite komische Festival „Bachstelze“ im KKW Bad Belzig statt. Es sind wieder sechs Künstler geladen, die an drei Tagen jeweils um eine Bachstelze streiten. Eine für Damen, eine für Herren und eine Ehren-Bachstelze werden verliehen.

Von Tobias Potratz

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