Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Notunterkunft: Kälte und Abgeschiedenheit

Flüchtlingsnotunterkunft Hohenspringe Notunterkunft: Kälte und Abgeschiedenheit

Der Ferienpark Hohenspringe dient seit September vergangen Jahres als Notunterkunft für Flüchtlinge. Kälte und Abgeschiedenheit machen den Bewohnern dort zu schaffen. Der Kreis Potsdam-Mittelmark bemüht sich daher, einige der Asylsuchenden – vorrangig Familien – kurzfristig im Bad Belziger Übergangswohnheim unterzubringen.

Hohenspringe 52.2081001 12.4523314
Google Map of 52.2081001,12.4523314
Hohenspringe Mehr Infos
Nächster Artikel
Flüchtlinge beziehen Soldatenstuben

Sozialarbeiter Franz Meißner (2.v.r.) hofft, dass auch für Alleinreisende eine alternative Unterbringungsmöglichkeit gefunden wird.

Quelle: Josephine Mühln

Hohenspringe. Der Weg durch den verschneiten Wald scheint endlos. Eine Kurve, noch eine Kurve – dann endlich die Einfahrt zum Ferienpark Hohenspringe. Hochsaison herrscht hier gerade nicht: Der Parkplatz ist leer, im Schwimmbecken wurde das Wasser vor langer Zeit abgelassen. Die Bungalows sind trotzdem bewohnt. Denn dort, wo im Sommer Jugendgruppen und Familien Urlaub machen, warten derzeit 59 Asylbewerber auf die Bearbeitung ihrer Anträge. Der Ferienpark dient seit September vergangenen Jahres als Notunterkunft für Flüchtlinge aus Syrien, Pakistan und dem Iran.

„Die Kälte und die Abgeschiedenheit machen den Bewohnern hier am meisten zu schaffen“, stellt Sozialarbeiter Frank Meißner fest. Der 34-jährige Lüttener ist froh, dass wenigstens die Installation eines Internetzugangs vergleichsweise schnell geklappt hat. „Es war eine Odyssee, weil das Gelände mitten im Wald liegt“, sagt der studierte Politologe und Pädagoge. Am Ende habe aber auch der Einsatz vieler ehrenamtlicher Helfer – beispielsweise von der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Belzig und dem Arbeitsförderverein Kuhlowitz – dazu geführt, den Zugang ins weltweite Netz an den Start zu bringen.

Auf 24 bis 36 Quadratmetern leben im Schnitt sechs Menschen

Die nächste Bushaltestelle befindet sich gut anderthalb Kilometer entfernt – in Egelinde. Nach Gräben sind es über zwei Kilometer. Mit dem Bus kommen die Männer und Frauen nach Brandenburg/Havel und mit dem Zug weiter nach Berlin. „Viele besuchen Freunde oder Bekannte in den Unterkünften in Berlin oder Frankfurt/Oder“, weiß Meißner. „Aber wenn sie dann wieder zurückkommen ist ihre Stimmung teilweise noch angespannter.“

In den 24 bis 36 Quadratmeter großen Bungalows auf dem Gelände leben im Schnitt sechs Menschen. Sie schlafen in Einzel- und Doppelstockbetten. Die Holzhäuser lassen sich nur bedingt heizen. Zwar habe Jürgen Krüger, Betreiber des Ferienparks, bereits Heizkörper ausgetauscht und auch Heizlüfter zur Verfügung gestellt – „wenn draußen aber beispielsweise minus fünf Grad sind, dann knacken wir die 18 Grad-Marke drinnen meist nicht“, sagt Betreuer Meißner. Auch Ines Baptist von der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Belzig findet, „dass die Unterbringung von Flüchtlingen in einem so abgelegenen Objekt, das sich im Winter nicht hinreichend beheizen lässt, mehr Probleme schafft als löst“.

2 163 Flüchtlinge im vorigen Jahr

Bis Ende März soll der Ferienpark Hohenspringe noch als Notunterkunft genutzt werden, dann muss eine andere Lösung für die Unterbringung der Flüchtlinge gefunden werden.

Die Familien sollen laut Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert auch langfristig im Raum Bad Belzig/Brück bleiben, damit die Kinder nicht die Schule wechseln müssen. Alleinreisende sollen in den Übergangswohnheimen in Neuseddin und Beelitz untergebracht werden.

2 163 Flüchtlinge hat der Landkreis Potsdam-Mittelmark im vergangen Jahr aufgenommen.

Für die ersten beiden Kalenderwochen 2016 hat der Kreis mit 200 neuen Flüchtlingen gerechnet. 26 sind es bisher tatsächlich. In den letzten beiden Januarwochen soll es nach aktueller Information und Lage keine Zugänge geben, sagt Schwinzert.

Unabhängig davon erwarte der Landkreis die Zuweisung von unbegleiteten minderjährigen Ausländern. Für diese Personengruppe werde parallel ebenfalls nach geeigneten Unterkünften gesucht, sagt Schwinzert. In Lehnin stehen derzeit 31 Plätze zur Verfügung, in Damsdorf 20. Weitere Plätze könnten im Hotel „Goldener Anker“ in Caputh entstehen.

Familien können ins Übergangswohnheim Bad Belzig umziehen

Primär für die fünf Familien, die derzeit noch in Hohenspringe leben, sollen daher jetzt kurzfristig Plätze im Übergangswohnheim Bad Belzig bereitgestellt werden. So konnte Ende vergangener Woche bereits eine Mutter mit ihren fünf Kindern umziehen – sie bewohnte in Hohenspringe einen Bungalow ohne Nasszelle, musste immer erst zum Gemeinschaftsduschraum laufen.

Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert teilte der MAZ am Mittwoch außerdem mit, dass inzwischen weitere freie Plätze in Bad Belzig verfügbar seien, die anderen Familien also ebenfalls verlegt werden können. „Für die Einzelpersonen gilt: Wer angesichts der Witterung nicht länger in der Notunterkunft Hohenspringe bleiben möchte, kann dies kundtun. Es wird dann kurzfristig eine individuelle Lösung für denjenigen gefunden“, versicherte Schwinzert.

Der Damen-Waschraum im Ferienpark

Der Damen-Waschraum im Ferienpark.

Quelle: J. Mühln

„Dass die Familien verlegt wurden, führte bei den anderen Bewohnern natürlich zu der Frage ‚Was passiert mit uns?’“, weiß Franz Meißner. „Den Leuten fehlt die Perspektive, sie sind unzufrieden.“ Einmal sei das so weit gegangen, dass manche Flüchtlinge nichts mehr essen wollten. „Aber die Situation konnten wir gerade noch mal abwenden“, erzählt Meißner weiter.

Tischtennis und Billard zum Zeitvertreib

Um zumindest etwas Struktur in die langen Wintertage zu bringen, gibt es seit Mitte Dezember fünf Mal pro Woche Deutschunterricht - „je zwei Unterrichtseinheiten am Vormittag und noch mal zwei am Nachmittag“, erklärt Meißner das System. Die beiden ehrenamtlichen Lehrer kommen aus Potsdam und Wiesenburg.

Außerdem seien die Zeiten für Frühstück, Mittag und Abendessen festgelegt. In der restlichen Zeit spielen die Bewohner Tischtennis – sie haben dafür sechs kleine Tische zusammengeschoben, in die Mitte wird ein Netz gespannt – Billard oder sehen fern. „Aber die Menschen hoffen natürlich, dass sie später in einer Gegend mit besserem Zugang zur Gesellschaft untergebracht werden“, sagt Meißner.

Von Josephine Mühln

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg