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Kampf gegen Abholzung in der grünen Oase

Güterfelde/Kienwerder Kampf gegen Abholzung in der grünen Oase

Engagierte Einwohner der Stahnsdorfer Waldsiedlung Kienwerder gehen mit einer Website an der Start – es geht um die aktuelle Bedrohung des idyllischen Ortes. Rund 50 Baugrundstücke gibt es noch und es besteht die Gefahr, dass viele Bäume abgeholzt werden. Nun sollen die Einwohner aufgerüttelt werden.

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Quelle: Jürgen Stich

Güterfelde/Kienwerder.  Hilf Dir selbst – dann helfen vielleicht Gemeinschaft und Gemeinde. So könnte man die Initiative überschreiben, die Regina Schwarz und Günter Mielke in der Stahnsdorfer Siedlung Kienwerder gestartet haben. Um Sorgen und Nöte des „grünen Ortsteils“ öffentlich zu machen und gleichzeitig mit Nachbarn und Interessierten ins Gespräch zu kommen, haben die beiden Ur-Kienwerderaner die Website www.unser-kienwerder.de ins Leben gerufen.

„Warum wohnen Sie hier?“, sei die zentrale Frage, die sie an die Nachbarn zwischen Alter Trift und Am Wiesengrund haben, sagen Schwarz und Mielke. „Mitarbeit an der Website ist ausdrücklich erwünscht.“ Vor allem seien Erinnerungen der Älteren wichtig, um der doch ziemlich rasanten Veränderung in der Siedlung Bewährtes entgegensetzen zu können.

Schwarz und Mielke betonen ihre Unabhängigkeit bei diesem Projekt. „Die Finanzierung der Website läuft völlig losgelöst von der Gemeinde Stahnsdorf ausschließlich über Spenden.“ Politisch engagiert sind beide Akteure seit vielen Jahren. Regina Schwarz ist Gemeindevertreterin und Mitglied der Fraktion „Die Neuen“, Günter Mielke ist Ortsbeirat in Güterfelde. Bei ihrem Engagement für Kienwerder gehe es aber um das ganz persönliche Umfeld, um den Ort, in dem sie seit Jahrzehnten leben. So sitzt die Familie von Regina Schwarz seit 1934 „Im Wiesengrund“, Günter Mielke zog 1972 nach Kienwerder.

Die Kienwerder-Website

Auf der Website geht es um das aktuelle Geschehen in Kienwerder, aber auch um Geschichte und Geschichten aus der bewegten Vergangenheit der Waldsiedlung.

Unter „Persönlichkeiten werden derzeit der Schauspieler Günter Schubert sowie die Künstler Johannes Pösen-ecker, Lutz Werner, Herbert Enke und Mario Enke vorgestellt.

Alles Weitere mit Kontakten, Inhalten und der Möglichkeit zum Mitmachen unter www.unser-kienwerder.de

Entstanden ist die klassische Waldsiedlung in den 1920er-Jahren, als die „Friedhofsbahn“ Stahnsdorf und Güterfelde verkehrstechnisch näher an Berlin heranbrachte. Nun war es plötzlich attraktiv, ins Grüne zu ziehen und nicht weit von der S-Bahn-Endhaltestelle am Südwestkirchhof entstanden die ersten Lauben und Wege. Nach und nach wurden die Parzellen mit festen Häusern bebaut, die Siedlung wuchs. Auch Künstler zog es nach Kienwerder, auf der Website werden einige von ihnen vorgestellt.

Seit der Wende wird es merklich unruhiger unter den Schatten spendenden Bäumen. Die neu gebaute Landesstraße 40 hat Kienwerder von Güterfelde abgeschnitten. „Verkehrslärm“, sagt Günter Mielke, „ist hier natürlich ein Thema.“ Gravierender dürfte aber die Bautätigkeit sein, die in den vergangenen Jahren viele Einwohner auf die Barrikaden trieb. Parzellen werden mit neuen Häusern bebaut und dafür müssen uralte Eichen und andere Bäume weichen. „Es ist ein regelrechter Kahlschlag, den manche Bauherren und Investoren veranstalten“, sagt Mielke, der außerdem die bislang verpönte und jetzt aber durchgeführte Bebauung in der zweiten Reihe anprangert.

Stück für Stück, so befürchten die Initiatoren von „Unser Kienwerder“, verliert die Siedlung ihren Charakter. „Im Grunde haben wir hier ein ähnliches Problem wie zum Beispiel in Wilhelmshorst und Borkwalde“, so Regina Schwarz. Mit beiden Gemeinden soll der Austausch vertieft werden, um insbesondere den Druck auf den Landkreis Potsdam-Mittelmark zu erhöhen. Dessen Baubehörde und die zuständige Forstbehörde könnten Einfluss auf die Entwicklung nehmen. Der Gemeinde sind dagegen in vielerlei Hinsicht die Hände gebunden.

Letztlich geht es nach Schätzungen von Günter Mielke noch um rund 50 Grundstücke, die bebaut werden könnten. „Wir hoffen einerseits auf sensible Bauherren, aber wir wollen uns andererseits nicht einfach in das Schicksal ergeben, dass hier massiv Natur zerstört wird.“ Was in Kienwerder seit fast hundert Jahren gewachsen ist, „sollte gepflegt und geachtet werden“. Die Website mit viel Geschichte, Fotos und aktuellen Informationen soll diesem Ziel dienen und die Menschen zusammenbringen – die Neuen und die Alten. Regina Schwarz und Günter Mielke sind zuversichtlich: „Es war hier in Kienwerder immer so. Wenn es wirklich um etwas ging, dann waren die Leute zur Stelle.“

Von Jürgen Stich

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