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Kampf um den Geschichtsunterricht

Petition gegen neuen Rahmenlehrplan Kampf um den Geschichtsunterricht

Es gibt ein Ritual, das seine Schüler besonders schätzen: Robert Rauh beginnt seinen Geschichtsunterricht immer mit Verweis auf ein aktuelles politisches Thema. Auch deswegen hatte ihn sein Leistungskurs Geschichte 2013 für den Deutschen Lehrerpreis vorgeschlagen.

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Wenn der Geschichtsunterricht immer mehr ausgedünnt wird, wissen die Schüler in Zukunft vielleicht nicht mehr wie man diese mystischen Bauwerke nennt.

Potsdam. Der 47 Jahre alte Rauh, der am Barnim-Gymnasium in Berlin-Hohenschönhausen unterrichtet, wurde vor zwei Jahren zu Deutschlands bestem Lehrer gekürt. Das, findet er, verpflichtet. Der Lehrer kämpft um den Geschichtsunterricht in Brandenburg und Berlin, der nach dem neuen gemeinsamen Lehrplan an Gewicht verliert.

Rauh hat eine Petition gegen die Pläne der Ministerien gestartet, die ab heute auf der Plattform openpetition steht. „Geschichte darf nicht Geschichte werden!“ lautet der Aufruf. Thomas Brechenmacher, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Potsdam, und der Vorsitzende des Brandenburger Geschichtslehrerverbandes Günter Kolende gehören zu den Erstunterzeichnern. Aber auch Eltern, Schüler und Lehrer aus beiden Ländern schließen sich an. Der Geschichtslehrerverband hatte schon im Vorfeld Kritik an dem Rahmenlehrplan geübt, der ab 2016/17 für die Jahrgangsstufen 5 bis 10 gelten soll. In den Klassen 5 und 6 soll es keinen gesonderten Geschichtsunterricht mehr geben. Geschichte geht im neuen dreistündigen Sammelfach Gesellschaftswissenschaften auf, zu dem auch Geografie und Sozialkunde zählen. Bisher haben die Schüler je eine Stunde Fachunterricht.

Die Unterzeichner der Petition fordern die Überarbeitung des Lehrplan-Entwurfs, „weil er kein schlüssiges Gesamtkonzept darstellt und eine Entwertung des Faches Geschichte bedeutet“. Problematisch sei etwa, dass im neuen Fach Gesellschaftswissenschaften „die historischen Epochen Ur- und Frühgeschichte, Antike und Mittelalter kaum noch auftauchen“. Den Schülern fehle später dann das historische Basiswissen, um vorgegebene Themen angemessen beurteilen zu können. Zudem würden Gesellschaftswissenschaften dann auch Lehrer unterrichten, die keine universitäre Ausbildung in Geschichte absolviert haben. „Die Folge ist eine Entprofessionalisierung des Faches Geschichte“, heißt es. Robert Rauh, der ein Schul-Geschichtsbuch geschrieben hat, kennt die Bedenken seiner Kollegen. „Überall stieß ich nicht nur auf Unverständnis, sondern auch auf großen Unmut“, beschreibt er die Reaktion auf die Pläne. „Eine Geschichtslehrerin meinte wörtlich: ’Ich verstehe nicht, was uns hier zugemutet wird. Meine Motivation, dieses Fach zu unterrichten, ist im Keller.’“, erzählt Rauh.

Er und seine Mitstreiter sind nicht die Ersten, die sich gegen die Politik wenden: Bereits im November wurde eine Petition aus Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) ins Netz gestellt. „In Brandenburg soll der ohnehin schon dürftige Geschichtsunterricht noch weiter in den Hintergrund gedrängt werden. Als Eltern und Bürger erfüllt uns das mit großer Sorge“, heißt es da.

Auch auf der vom Ministerium eingerichteten Plattform werden die Pläne heftig diskutiert. „Es gibt eine starke Beteiligung am Anhörungsverfahren. Das freut uns“, sagt Florian Engels, Sprecher von Bildungsminister Günter Baaske (SPD). Insgesamt habe es 110 000 Zugriffe gegeben. 240 Fragebögen seien bislang zurückgesandt worden. Die meisten Rückmeldungen betreffen die Gesellschaftswissenschaften. info: Unter http://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/anhoerungsportal.html stehen die Pläne bis 27. März.

Von Marion Kaufmann

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