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Kartoffeln selber ernten boomt

Für einen Tag Bauer sein in Schlunkendorf Kartoffeln selber ernten boomt

Landwirt Bernhard Falkenthal ist der einzige Landwirt in der Beelitzer Region, der seinen Acker zur Kartoffelselbsternte freigibt – und damit einen Nerv bei den Leuten trifft. Für einen Tag Bauer sein und mit den eigenen Händen ernten, das ist am Wochenende in Schlunkendorf wieder möglich.

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Anstellen zum Kartoffelwiegen: Vor allem auf die rote Laura – sie hat eine rötliche Schale und gelbes Fleisch – sind die Leute scharf.

Quelle: Günther Habenicht

Schlunkendorf. „Es war verrückt. Die Massen kamen mit einem Mal. Wir haben 500 Puffer verkauft und ein paar hundert Würste.“ Auch das Bier floss in Strömen... Die Rede ist nicht von irgendeinem Oktoberfest. Nein, die Menschen, die da an einem Tag hunderte Puffer und Würste verdrückten, trieb es aufs Feld von Bernhard Falkenthal. Essen und Trinken waren Nebensache. Der Schlunkendorfer ist der einzige Landwirt in der Beelitzer Region, der zur Kartoffelselbsternte einlädt und damit einen Nerv bei den Leuten getroffen hat, die Feldarbeit nur aus Filmen oder von Erzählungen der Großeltern kennen. In Schlunkendorf haben sie jetzt sogar an zwei Wochenenden im Jahr die Chance, für einen Tag Bauer zu sein und die Knollen mit eigenen Händen aus der Erde zu wühlen.

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Die Kartoffelselbsternte in Schlunkendorf hat schon Tradition. Am vergangenen Wochenende nutzen viele Besucher die Möglichkeit, Bauer für einen Tag zu sein – und am kommenden Wochenende stellt Bernhard Falkenthal sein Feld erneut zur Verfügung. Damit trifft er einen Nerv.

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„Es nimmt langsam Volksfestcharakter an“, sagt Falkenthal, der seine ganze Familie aufbieten muss, um den Ansturm zu bewältigen. Wer auf dem Acker schuftet, bekommt schließlich Hunger. Die Falkenthals haben Kartoffelpuffer, Kartoffelsuppe, Grillwürste, Bier und hausgebackenen Pflaumen- und Heidelbeerkuchen zu bieten. Und sie haben ihren Kartoffelacker auf mehr als einen Hektar vergrößert, damit die Erdäpfel für zwei Wochenenden reichen. So wird die Scholle des Landwirts an der B 246 am Abzweig nach Schlunkendorf auch am Samstag und Sonntag jeweils ab 10 Uhr noch einmal zum Tummelplatz für Sammler und zu einem Ort, an dem harte Arbeit als Vergnügen gilt. Mit dabei sind zum Beispiel Juristen einer Berliner Anwaltskanzlei, die sich seit Jahren den Freitag vor dem großen Ansturm reservieren, um Kartoffeln und ein Kontrastprogramm zum Büroalltag zu suchen, der den Geist, aber selten den Körper fordert. Die 30 Mitarbeiter der Kanzlei, die dieses Jahr als Stoppelkommando über den Acker zogen, haben sich laut Falkenthal gut geschlagen. Inzwischen sind die Juristen auch richtig ausgerüstet – mit Stiefeln, Handschuhen und Schürze. „Beim ersten Mal trug manche Anwältin noch Stöckelschuhe.“ Die Juristen ziehen nach der Kartoffelernte weiter in eine Schlunkendorfer Gaststätte – zum gemeinsamen Schnitzelessen. Falkenthal bringt die Kartoffeln in die Gaststätte. „Sie wollen die Kartoffeln vom Feld haben“, sagt er.

Dieses Jahr sind die Knollen durch den Regen besonders groß. Fast ein Kilogramm bringen die größten Kartoffeln auf die Waage. Falkenthal hat extra die Sorte Quarter und die rote Laura auf seinem Feld angepflanzt. „Sie neigen zu Übergrößen und zu skurrilen Formen“, sagt er. Sie passen deshalb nicht in die Supermark-Regale, dafür umso besser auf das Feld der Falkenthals, wo Normvorgaben keine Rolle spielen. Vor allem für Kinder sind Knollen mit Formen jenseits der Normen ein gefundenes Fressen. Ihr Blick ist noch unverstellt und sie haben viel Fantasie. In den besonders schiefen Exemplaren sehen sie Dinge, die Erwachsene meist erst nach dem vierten Bier erkennen können. Der Landwirt hört von Kindern jedenfalls häufiger solche Sätze: „Herr Falkenthal, gucken Sie mal, die sieht aus wie ein Dinosaurier.“

Der Kinderanteil unter den Kartoffelsammlern habe deutlich zugenommen. „Kinder sind auch besonders eifrig.“ Im Grunde genommen sind sie auch ein bisschen dafür verantwortlich, dass der Schlunkendorfer Landwirt inzwischen seit sieben Jahren zur Kartoffelselbsternte ruft. Das erste Mal war es nur eine fixe Idee aus dem Bauch heraus, sagt er. Mit dabei: Eine Oma aus Berlin und ihre zwei Enkelkinder. Die beiden Kinder glaubten ihrer Großmutter nicht, dass die dreckigen Dinger auf dem Feld irgendetwas mit den beliebten Pommes zu tun haben könnten. Bernhard Falkenthal verkündete danach in seiner Familie: „Wir müssen das jedes Jahr machen, damit die junge Generation eine Verbindung zur Erde hat.“ So entstand mitten im Spargelland eine Kartoffeloase, in der die Selbsternte manchmal zum Bildungsunterricht gerät.

Kartoffelselbsternte am Samstag und Sonntag

Für einen Tag Bauer sein und die Kartoffeln selbst ernten – diese Gelegenheit bietet sich am 30. September und am 1. Oktober noch einmal auf dem Schlunkendorfer Acker.

An dem Samstag und Sonntag kann der Kartoffelsammler jeweils ab 10 Uhr bis in die Abendstunden die Ärmel hochkrempeln und Erdäpfel ernten, soviel es ihm beliebt.

„Es ist egal, wie das Wetter wird. Wir sind da“, sagt Landwirt Bernhard Falkenthal.

Am Feldrand wurden Zelte aufgestellt, damit hungrige Sammler bei Regen die frischen Kartoffelpuffer oder Grillwürste im Trockenen essen können – auch das Bier ist besser, wenn nicht vom Regen verdünnt.

Das Kartoffelfeld ist einen guten Hektar groß und befindet sich an der B 246 zwischen Beelitz und Zauchwitz direkt am Abzweig nach Schlunkendorf. Ein Kilo Kartoffeln kosten 75 Cent.

Die Kartoffeloase gehört zum Spargelhof Märkerland der Familie Falkenthal. Seit 1. Juli 2017 ist René Falkenthal Betriebsinhaber, der Sohn von Bernhard Falkenthal. Weitere Informationen unter Telefon 0171/97 43 188 oder 0160/96 96 96 70.

Von Jens Steglich

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