Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
Kaum Internet, aber ganz viel Natur

Werbig Kaum Internet, aber ganz viel Natur

In den Werbiger Gemeindeteilen Hohenspringe, Egelinde und Verlorenwasser gibt es kaum Handyempfang und Internetversorgung. Dennoch wollen Elke Gravelmann, Andre Baruth und Arnold Feuerherdt ihren Wohnsitz mitten in der Natur nicht tauschen. Doch fehlt den „Fürstentümern“ der Nachwuchs.

Voriger Artikel
Alle am Ziel – verlaufen war nicht möglich
Nächster Artikel
Ohne Milchkühe in die Kreisgebietsreform

Werbigs Ortsvorsteherin Kerstin Zurek mit Andre Baruth, Arnold Feuerherdt, Udo Schulze und Elke Gravelmann (von links), die gern in den „Fürstentümern“ zu Hause sind.

Quelle: foto: Christiane Sommer

Werbig. Elke Gravelmann, André Baruth und Arnold Feuerherd sind in den „Fürstentümern“ zu Hause - mitten in der reizvollen Natur des Hohen Flämings. Warum Werbigs drei Gemeindeteile Verlorenwasser, Hohenspringe und Egelinde im Volksmund diese Bezeichnung tragen, wissen sie allerdings nicht.

„Ich auch nicht“, sagt Ortsvorsteherin Kerstin Zurek, die seit zwei Wahlperioden an der Spitze von Werbig steht und damit für die drei Siedlungen verantwortlich zeichnet. Der 81-jährige Arnold Feuerherd bemerkt: „Das ist schon immer so“.

Er weiß aber zu berichten, dass es ehemals in Verlorenwasser, Hohenspringe und Egelinde jeweils eine Mühle gab, diese durch den Verlorenwasserbach getrieben wurden und die Menschen einst in sehr einfachen Verhältnissen lebten. So wurden die drei abseits gelegenen Orte beispielsweise erst 1954 an das Stromnetz angeschlossen – während im nur wenige Kilometer entfernten Werbig die elektrischen Lampen schon 1929 brannten.

Auch die Größe der drei Orte hat sich in der Vergangenheit kaum geändert. „In Verlorenwasser leben neun Einwohner“, erzählt Elke Gravelmann. Sie ist eine davon. 1998 verlegte die heute 53-Jährige ihren Lebensmittelpunkt von Berlin dorthin, wo vor allem Wald ist. Sie sagt: „Ich vermisse hier nichts. Wenn ich Abwechslung suche, weiß ich, wo ich sie finde.“ Lachend ergänzt sie: „Dass einzige, was für mich anfangs gewöhnungsbedürftig war, war die gute Nachbarschaft. Hier passt man nämlich noch aufeinander auf.“ Die 14 Kilometer zu ihrem Arbeitsort nach Bad Belzig sind für sie kein Hinderungsgrund, sich gegen ein Leben mitten in der Natur zu entscheiden. „Mit dem Auto ist das doch überhaupt kein Problem“, bemerkt die 53-Jährige Pflegedienstleiterin.

Im zwölf Einwohner zählenden Gemeindeteil Egelinde ist André Baruth zu Hause. Er pendelt ebenfalls täglich zur Arbeitsstelle nach Bad Belzig. Dort ist er technischer Leiter bei der Verkehrsgesellschaft. Dass sein Wohnort nur durch den Schulbus angefahren wird, stört ihn nicht sonderlich. Wer sich heutzutage für ein Leben in den „Fürstentümern“ entscheidet, hat dafür andere Beweggründe. „Das Haus, in dem ich wohne, ist rechts und links von Wasser umgeben. Die Abgeschiedenheit entschädigt für vieles“, bemerkt Baruth.

Vor elf Jahren zog er von Werbig nach Egelinde. Bereut hat auch er es bis heute nicht. Im Gegenteil. „Dort zu leben, ist für mich der absolute Ausgleich zum Beruf“, sagt der 55-Jährige.

Arnold Feuerherd wiederum lebt in Hohenspringe. „Ich habe nie etwas anderes kennen gelernt“, erklärt der 81-Jährige um im nächsten Satz zu erklären, dass er sich auch keinen anderen Ort zum Leben vorstellen könne. „Vermisst habe ich auch nie etwas“, erzählt der Ruheständler.

Dass der Handyempfang zu wünschen übrig lässt und die Internetversorgung nicht zufrieden stellt, stört ihn nicht. Sorgen macht ihm nur, dass im zehn Einwohner zählenden Gemeindeteil der Nachwuchs fehlt. „Die Bewohner sind zwischen 51 und 90 Jahren“, weiß Ortsvorsteherin Kerstin Zurek. Der viel zitierte demografische Wandel macht eben auch vor Fürstentümern keinen Halt.

Dennoch scheinen die Prognosen zur Zukunft der Dörfer im Hohen Fläming nicht schlechter geworden zu sein. Trotz fehlender Einkaufsgelegenheiten und nicht immer optimaler Infrastruktur gibt es vielerorts kaum noch Leerstand in den Orten. „In Werbig ist das derzeit kein Problem“, weiß Kerstin Zurek. Udo Schulze nickt zustimmend. Er ist dort zu Hause.

Der 68-Jährige liebt das Landleben, die direkte Nähe zur Natur und bewohnt in dritter Generation eine Hofstelle. Den Hintergrund der Bezeichnung „Fürstentümer“ glaubt er zumindest in der Vergangenheit der drei Orte ganz weit draußen zu wissen, als dieselben tatsächlich noch herrschaftlicher Besitz waren.

Von Christiane Sommer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg