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Kein Paar wie wir

Ein Paar ist zusammen 200 Jahre alt und feiert 75. Hochzeitstag Kein Paar wie wir

Alte Liebe rostet nicht -ein Sprichwort, das kaum besser zutreffen könnte als auf das Ehepaar Hesener. Nicht weil bei den beiden eine unglückliche Jugendliebe wieder aufflammte - die Heseners haben sich nie getrennt - sondern, weil ihre Liebe schon sehr, sehr alt ist. Am Freitag tragen sie seit 75 Jahren den Ehering.

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Hildegard und Karl-Heinz Hesener begrüßen sich jeden Morgen mit einem Küsschen.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Stahnsdorf. Zusammengerechnet sind die Heseners 200 Jahre alt, verheiratet seit 75 Jahren. Heute ist ihre Kronjuwelenhochzeit. Als gäbe es damit nicht genug zu feiern, standen dieses Jahr bereits zwei große Feste für das Ehepaar an: Am 17. August feierte Hildegard Hesener ihren 99., einen Tag später ihr Mann, den 101. Geburtstag. Die Terminnähe passt zu dem freundlichen Ehepaar, denn die beiden verbindet eine Nähe, die von außen betrachtet schon etwas Besonderes ist. "Wir haben immer zusammengehalten, viel gemeinsam unternommen und nicht gezankt", sagt sie.

Hildegard Hesener sitzt auf einem Stuhl in ihrem Wohnzimmer, ihr Mann Karl-Heinz, den sie liebevoll "Kalle" nennt, ist wie immer an ihrer Seite. Hildegard Hesener - er sagt zu ihr "Hildchen" - ist im Kopf so fit wie eine 80-Jährige. Im Gespräch ist sie diejenige, die erzählt, weil ihr Mann inzwischen eine Weile länger braucht, um rasch zu antworten.

Vor zwei Jahren zog das Ehepaar in die betreute Wohneinrichtung "Haus Sonneneck" an der Potsdamer Allee 123 in Stahnsdorf. Ein "tolles Paar, sehr rege und dankbar" seien die beiden, sagt die Einrichtungsleiterin Cornelia Kruse. Auch der Pflegehelfer Sebastian Suhrmann ist jedes Mal aufs Neue überrascht, wenn er die beiden älteren Herrschaften so anschaut. Hildegard Hesener steht auf und zieht ein paar Fotoalben aus der Schublade. Für ihre 99 Jahre sei sie extrem fit, sagt der Pfleger. Besonders mag er die kleinen Rituale, die das Ehepaar auch nach all den Jahren pflegt. "Es ist süß, wie sie sich morgens mit einem Küsschen begrüßen und dann gemeinsam frühstücken."

Warum sich das Ehepaar so gern hat, wird schnell klar, wenn man Hildegard Hesener zuhört, wie sie und ihr Mann sich kennengelernt haben. Karl-Heinz Hesener ist ein waschechter Rheinländer, geboren in Mönchengladbach, aufgewachsen in Düsseldorf. Mitte der 30er- Jahre ging er als Fernmeldeingenieur zu Siemens nach Berlin. Dort arbeitete auch der Bruder von Hildegard Hesener. Eines Nachmittags brachte ihr Bruder eine Gruppe von Arbeitskollegen mit nach Potsdam. Dort lebte Hildegard mit ihren drei Schwestern, dem Bruder und der Mutter in einer kleinen Zweiraum-Wohnung. Die Familie des Mädchens war aus einer Eisenbahner-Wohnung in Stahnsdorf nach Potsdam gezogen, weil der Vater früh starb. In der neuen Wohnung begrüßten Hildegards Mutter, ihre Schwestern und der Bruder am besagten Nachmittag die Gäste aus dem Rheinland zum Kaffee. Es war eine lustige Runde, die gemeinsam sang und irgendwann beim "Pfänderspiel" herumalberte. An ihren Pfand kann sich Hildegard noch gut erinnern: Sie sollte ihrem Tischnachbarn einen Kuss geben. Neben ihr saß, man ahnt es schon, Karl-Heinz, der bezaubernde Rheinländer. "Er war nicht so'n oller Draufgänger, hatte eher die feinere Art", sagt sie über den jungen Kalle.

Zur ersten Verabredung brachte er ihr Schokolade mit, die, wohl vor Aufregung, in seiner Hand schmolz und seinen Mantel beschmierte. Hildegard war das egal, schließlich war auch sie längst vor Glück dahingeschmolzen.

Im Jahr 1938 läuteten die Hochzeitsglocken in der Potsdamer Sankt-Peter-und-Paul-Kirche. "Sehr hübsch" habe seine Hildegard in ihrem schwarzen Hochzeitskleid ausgesehen, erinnert sich Karl-Heinz Hesener. Den dunklen Stoff trug die Braut, weil die Farbe praktisch war. "Ich konnte das Kleid so noch einmal im Theater tragen."

Die Kriegsjahre überstand die Familie weitestgehend gut. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg hatte Hildegard Hesener in der Charlottenstraße in einem Kindermodegeschäft gearbeitet. Der Besitzer, ein Jude, floh, als Hitler die Macht ergriff. Hildegard Hesener verlor ihren Job, behielt aber etwas viel Wertvolles: ihren Mann. Denn als Siemens-Mitarbeiter wurde er nicht von der Wehrmacht eingezogen. Ein Glück - auch für die weitere Familienplanung. Im Jahr 1940 bekam das Ehepaar ihren ersten Sohn, der zweite folgte zum Kriegsende.

Die Kinder sind heute 69 und 73 Jahre alt. Über die Jahre hinweg sind zwei Enkel und drei Urenkel hinzugekommen. Mit der Familie will das Kronjuwelenpaar heute feiern. Morgens hält ihr früherer Pfarrer Erwin Probst, der selbst weit über 90 Jahre alt ist, die katholische Messe. Nachmittags will Stahnsdorfs Bürgermeister zum Gratulieren vorbeischauen. Die Heseners nehmen den Rummel gelassen, im Feiern haben sie Routine. "Kommen Sie doch vorbei, nächstes Jahr, da werd' ich 100!", sagt Hildegard Hesener zum Abschied und lacht.

Von Diana Bade

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