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Pläne ad acta gelegt: Kein Späti für Neuseddin

Investor gibt Pläne auf Pläne ad acta gelegt: Kein Späti für Neuseddin

Die Ex-Kaufhalle in Neuseddin galt als eine der letzten Schandflecke im Ort. Inzwischen ist die Fassade renoviert und auch innen einiges saniert worden. Und doch sieht es danach aus, dass der Plan, das alte Haus zu neuem Leben zu erwecken, scheitert. Der Inhaber will sein Vorhaben, dort einen Spätladen mit Café zu betreiben, wegen hoher Brandschutzauflagen aufgeben.

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Die Werbung für den Spätladen, der als erstes öffnen sollte, hängt bereits am Haus. Auch die Fassade ist schon renoviert.

Quelle: Jens Steglich

Neuseddin. Der Plan, Neuseddins alte Kaufhalle zu neuem Leben zu erwecken, ist vorerst geplatzt. Der Berliner Khodr Saadou, der die Immobilie in der Kunersdorfer Straße 2015 gekauft hat, will das Projekt wegen zu hoher Brandschutzauflagen aufgeben. Zum Knackpunkt ist eine Brandschutzdecke geworden, die laut einem Gutachter im Gebäude neu eingezogen werden müsse. „Wenn die Decke auch noch gemacht werden muss, rechnet sich das nicht mehr“, sagte Saadou der MAZ. So viele Einnahmen könne man hier nicht erzielen, um die Investitionen auf absehbare Zeit wieder hereinzuholen. Der gebürtige Libanese wollte aus dem leerstehenden Gebäude ein Haus mit Spätkaufladen, Kioskverkauf und einem Café mit Billardtisch und Dartspiel machen.

Er hat in die frühere Kaufhalle bereits investiert. So wurden Damen- und Herrentoiletten erneuert und ein behindertengerechtes WC eingebaut. Auch die Kabel sind neu verlegt worden, die Fassade ist renoviert. Die Reklame hängt auch dran. Kurzum: Die alte Kaufhalle sieht schon jetzt nicht mehr wie der Schandfleck aus, der sie vorher war. „Nun kommt aber etwas oben drauf, was nicht eingeplant war“, sagte Saadou. Er spricht von mehreren zehntausend Euro, die es kosten würde, die alte Decke herauszunehmen und durch eine neue Brandschutzdecke zu ersetzen. „Schon allein der Brandschutzgutachter und der Brandschutzprüfer, der die Arbeit des Gutachters überprüft, kosten mich fast zehntausend Euro.“ Die Nachricht, die seinen Plan über den Haufen wirft, erhielt er von einem Gutachter bei einem Vorabtermin im Haus. Die Bauaufsicht war in der Frage noch gar nicht involviert, so Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert. Das Konzept sei der Brandschutzdienststelle vorgestellt worden, ein offizielles Bauantragsverfahren gebe es aber noch nicht.

Neuseddins Kaufhalle

Die Kaufhalle in der Kunersdorfer Straße entstand zu DDR-Zeiten mit dem Bau des dortigen Wohngebiets.

Die Konsumgenossenschaft, die bereits zu DDR-Zeiten die Kaufhalle führte, betrieb den Markt nach der Wende im Konzessionsverkauf für Spar weiter.

2003 wurde die Kaufhalle schon einmal geschlossen. Im Haus verblieb eine Filiale der Bäckerei Exner. Nach sechs Jahren eröffnete der Markt unter dem Namen „nah & gut“ wieder. Später zog ein Groschen-Markt ein, der aber im Sommer 2013 wieder schloss.

Fachleute gehen davon aus, dass bei dem Bautyp bei einer Nutzungsänderung – etwa für einen Café-Betrieb – neueste Brandschutzauflagen greifen. Im Dorv-Zentrum in Seddin, das früher auch eine Kaufhalle war, mussten laut Seddiner-See-Bauamtsleiter Detlef Kloos F-30-Brandschutzdecken eingebaut werden. Sie müssen Bränden 30 Minuten standhalten.

Obwohl Saadou nicht verstehen kann, wieso die bisherige Decke im Haus, das bis vor zwei Jahren als Groschen-Markt genutzt wurde, nun nicht mehr gut genug sein soll, verliert er über die Behörden kein böses Worte. „Es kann sein, dass es rechtens ist. Aber diese Investition ist zu viel für den Standort.“ Bürgermeister Axel Zinke will die Hoffnung, das wieder Leben in die Ex-Kaufhalle einzieht, noch nicht aufgeben. „Durch Herrn Saadou ist das Haus außen wie innen weitgehend wieder in Ordnung, das ist eine wesentliche Wertsteigerung“, so Zinke. Saadou will ab Januar 2016 nach einem Mieter oder Käufer suchen. „Irgendwann kommt einer und hat eine andere Idee“, sagte er.

Von Jens Steglich

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