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Kein Zickenkrieg bei den Zumselinen

Bergholz-Rehbrücke Kein Zickenkrieg bei den Zumselinen

Seit 16 Jahren besteht in Bergholz-Rehbrücke eine lockere Frauenrunde, die sich „Die Zumselinen“ nennt. 19 Frauen zwischen 52 und 80 Jahren verbringen einmal im Monat gemeinsam ihre Freizeit bei Vorträgen, Theater- und Kabarettabenden, bei Partys und anderem. Ihre Gründung war eine Trotzreaktion auf regelmäßige Runden ihrer Ehemänner.

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Der „harte Kern“ der Zumselinen: Christiane Pozorski, Karin Demel, Annerose Hamisch-Fischer und Karin Baller (v.l.).

Quelle: Claudia Krause

Bergholz-Rehbrücke. Nach den wilden Wendejahren waren Gemeinschaften im Osten wieder gefragt. Und manchmal sind Männer schuld, dass sich Frauen mehr um sich selbst kümmern und sich organisieren. So sammelten sich „Die Zumselinen“ in Rehbrücke. Die muntere Truppe, die seit nunmehr 16 Jahren besteht, vereint 19 Frauen zwischen 52 und 80. „Zusammen sind wir 1379 Jahre alt“, sagt Karin Demel. Die 63-jährige einstige IT-Sachbearbeiterin gehört zum „harten Kern“ und verewigt die Höhepunkte und Anekdoten wortgewandt und witzig („Manchmal muss ein Weinchen dabei helfen.“) in den Jahreschroniken der Zumselinen.

Der lockere Zusammenschluss ohne Vereinsgründung und Beitragspflicht war „eigentlich eine Trotzreaktion“ auf das Verhalten einiger Ehemänner, die meinten, sich ganz selbstverständlich regelmäßig in Sportvereinen, am Biertisch oder wöchentlich zum Kartenspielen zu treffen. „Und wir Frauen haben dann für sie Essen gekocht. Das hatte ich satt“, erinnert sich die frühere Kinderkrankenschwester Karin Baller (74). Ihren alten „Zumseln“ (Zauseln) wollten es die sieben Aktivistinnen zeigen und fanden sich zur „sinnvollen Freizeitgestaltung“ zusammen – bis heute treffen sie sich einmal monatlich! Derweil sind die Männerrunden längst eingeschlafen. „Insgeheim sind die schon bissel neidisch auf uns“, weiß Karin Demel.

Aber „nur so zum Schwatz“ läuft die Chose nicht. „Wir machen unheimlich viel“, betont Annerose Hamisch-Fischer. Die 76-Jährige war über Jahrzehnte als Lehrerin und Direktorin anerkannt, jetzt lenkt sie als ehrenamtliche Vorsteherin noch die Geschicke mit im Ort. „Aber bei den Zumselinen bin ich einfach nur die Annerose“, freut sie sich. Die Zumselinen haben keine Chefin und keine Cliquen, auch wenn sich unter der Woche einzelne noch privat treffen und einander helfen. „Und Zickenkrieg gibt’s bei uns nicht“, sagen die Vier unisono.

Tief blicken lassen die Fotoalben – liebevoll geführt von Christiane Pozorski – in die Unternehmungen. Die 62-jährige gelernte Nachrichtentechnikerin hat auch das „Buch der Zumselinen“ geschrieben, selbst ein Kochbuch mit Rezepten der Frauen ist entstanden. Die Fotoaufnahmen erinnern an Vorträge, Jubiläen, Kabarett- und Theaterbesuche, Wanderungen, Spieleabende, Pyjama- und Poolpartys. Legendär muss die 2015er gewesen sein. „Uschi hab ich doch noch aus der Hecke gezogen“, plaudert Christiane Pozorski aus, und der Hundezwinger diente den Verschämten als Umkleide, heißt es. Es gab schon Tupper-, Schmuck-, Kosmetik- und Küchengeräteabende, wo Fachleute über Vor- und Nachteile fabulierten. Zu Weihnachten wird gebastelt und gefeiert und übers Jahr immer viel gesungen. Eine Zumselinen-Hymne ist gar auf die Musik des Komsomolzenliedes vom DDR-Oktoberklub geschrieben worden. Da grinsen die vier Frauen und stimmen gleich den Refrain an „Wie die Komsomolzen haun wir auf den Bolzen feste, feste, feste“. Es gab Zeiten, da haben die Zumselinen „Die Vogelhochzeit“, fein kostümiert, auf den Dorfstraßen nachgespielt und die Talentiertesten zogen mit einer Miniplayback-Show durch deutsche Lande – bis zum Bodensee waren da Gitte Haenning, Marika Rökk, Andrea Berg und Co. aus Rehbrücke unterwegs. Jährlicher Höhepunkt aber ist die dreitägige Busfahrt. Und dabei „wird Rainer geduldet“. Der 72-jährige Chef von Sommer Tours Elsholz erfüllt den Damen „alle Sonderwünsche“, plant die Reisen perfekt und „muss immer mit uns tanzen“, erzählen sie. Und da „wir Sekt mögen“, müsse jede Reiseteilnehmerin immer 3 Flaschen mit auf die Tour nehmen.

„Uns würde wirklich was fehlen, wenn wir uns nicht hätten“, bilanzieren die Frauen. Keine Chance indes für neue Mitglieder: „Wir sind jetzt eine eingeschweißte Truppe und das soll so bleiben.“

Von Claudia Krause

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