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Potsdam-Mittelmark Keine Angst vor dem Gefängnis
Lokales Potsdam-Mittelmark Keine Angst vor dem Gefängnis
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00:17 01.03.2017
Irmela Mensah-Schramm hat mehr als 130.000 Hasskommentare kreativ übermalt und nennt es selbst „Sachbeschädigungen beschädigen.“   Quelle: Christel Köster
Kleinmachnow

 Der Jugendclub Carat in Kleinmachnow besitzt alles, was ihn für Jugendliche interessant macht. Vor allem aber hat er ausgebaute Kellerräume, in die auch eine kleine Bar eingebaut ist, in der man unbehelligt Krach machen kann. Für den vergangenen Freitagabend hatte das Netzwerk Tolerantes Teltow Kleinmachnow Stahnsdorf (NTTKS) mit Irmela Mensah-Schramm (72) eine Ikone des Widerstands gegen rechte Hetze angekündigt und Punk, Metal und Rap versprochen.

Bereits vor der Lesung Mensah-Schramms schoss der Geräuschpegel im Keller steil in die Höhe, als die Punkband „Max.Antikrist“ ihren Song „Heime“ probte. Ekstatisch legten sich die vier jungen Männer ins Zeug und der Sänger schrie „Für das Vaterland hör ich sie schrei´n, für das Vaterland brennt ein Heim“. Am Vortragstisch versuchte derweil eine Sprachlehrerin ihren drei unbegleiteten jungen Syrien-Flüchtlingen über Verständnis- und Lärmbarrieren hinweg das Tun der hochdekorierten, mit Bundesverdienstmedaille und Göttinger Friedenspreis geehrten, 1945 in Stuttgart geborenen Frau zu erklären.

75.000 rechte Aufkleber entfernt

Kurze Zeit später verschaffte sich der junge Sprecher des NTTKS, Conrad Wilitzki, Gehör und es wurde still. Kaum aber hatte er die bekannte Hassparolen-Killerin Mensah-Schramm vorgestellt, klatschte sich das jugendliche Publikum zum ersten Mal die Hände heiß. Noch bevor die agile Dame aus dem Buch „Mein Kampf“ mit der Unterzeile „gegen Rechts“ las, redete sie einfach drauflos.

Mensah-Schramms Augen leuchteten, als sie den wie artige Schüler Lauschenden erklärte, wie man den Spruch „Merkel muss weg“ in „Merke! Hass weg“ verwandelt. Mehr als 75.000 Aufkleber entfernte sie bisher und über 130.000 Hasskommentare wurden von ihr kreativ übermalt. „Wisst ihr, das macht mir richtig Spaß, Sachbeschädigung zu beschädigen“, rief sie den faszinierten jungen Leuten zu.

Irmela Mensah-Schramm beseitigt ehrenamtlich Nazi-Schmierereein von Hauswänden und Mauern. Hier in Potsdam im Wohngebiet Am Stern Juni 2005. Quelle: Rebecca Weicht

Eine offene Geldstrafe

Ein Mädchen mit dem Shirt-Aufdruck „Schöner Leben ohne Nazis“ auf der Brust presste aufgeregt die Hände ineinander und strahlte ohne Unterlass, während Mensah-Schramm redete. Sie war nicht die einzige, der man die Begeisterung ansah.

Aber die Rentnerin sorgte nicht nur für regelmäßigen Beifall, sondern sprach auch über ihr laufendes Gerichtsverfahren und von der Geldstrafe, die sie nicht zahlen wolle. Der Staatsanwältin, so erzählte sie, habe sie entgegnet: „Ich werde weitermachen. Notfalls gehe ich ins Gefängnis. Ich hatte schon lange keinen Urlaub mehr und habe im Gefängnis bestimmt einiges zu tun“. Auch für die jungen Leute hatte sie etliche praktische Hinweise. So sollten sie sich auf keinen Fall vom Hass anstecken lassen, denn der würde krank machen. Sie habe sogar mehrfach Hasskommentare gegen Rechte entfernt.

Spenden gesammelt

Nach dem stürmischen Schlussapplaus im Jugendclub wandte sie sich noch mit einer Bitte an die MAZ: „Bitte schreiben Sie doch, dass mir zwei Luxemburger Geschäftsleute eine 4190 Euro teure Bahncard 100 geschenkt haben, mit der ich jetzt ein ganzes Jahr lang kostenlos durch ganz Deutschland reisen kann, um meine Arbeit fortzusetzen“.

Das Schlusswort aber hatte der Sprecher des Netzwerks, Conrad Wilitzki, der mitteilte, dass an diesem Abend bereits 150 Euro für die umjubelte Gastrednerin und ehemalige Heilpädagogin gespendet worden waren.

Info: Aktuell läuft eine Online-Petition, in der Unterstützer sich mit der Menschenrechtsaktivistin solidarisieren.

Von Lothar Krone

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