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Potsdam-Mittelmark Keine Flüchtlingsunterkunft in Lagerhalle
Lokales Potsdam-Mittelmark Keine Flüchtlingsunterkunft in Lagerhalle
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11:51 03.03.2016
Rund hundert Rietzer waren zur Versammlung gekommen. Quelle: MaloszykVolkmar
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Rietz

Rietzer, Ortsbeirat und Gemeinde Kloster Lehnin wollen keine Notunterkunft für 300 Flüchtlinge im Rietzer Gewerbegebiet. „Denn die Unterbringung in einer Lagerhalle ist schlichtweg menschenunwürdig.“ Das brachten Volksvertreter und Einwohner unmissverständlich zum Ausdruck, die am Dienstagabend zur gemeinsamen Sitzung von Hauptausschuss und Ortsbeirat in die Gaststätte „Zum Seeblick“ strömten. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt.

Um es vorwegzunehmen: Beide Gremien stellen ihr Einvernehmen im laufenden Bauantragsverfahren nicht her. Die Begründung wird auf sechs Seiten dargelegt. Um dem Nachdruck zu verleihen, wollen die Rietzer zusätzlich Unterschriften sammeln und an den Landkreis Potsdam-Mittelmark schicken. Dies kündigte Ortsvorsteherin Petra Gorgas an. Ein Vertreter der Kreisverwaltung war trotz Einladung nicht erschienen, statt dessen wurde ein Schreiben verlesen.

Verwundert über Bauantrag

Für Verwunderung und neuen Zündstoff im 430-Seelen-Dorf sorgte die Tatsache, dass man vor drei Wochen aus der MAZ erfahren hatte, dass das Gewerbegebiet Rietzer Berg vorerst als Flüchtlingsunterkunft vom Tisch sei und nun plötzlich der Bauantrag des Landkreises für die leer stehende Gewerbeimmobilie des Fahrzeugteile-Logistikers Hofmeister und Meincke, der den Standort im vorigen Jahr überraschend aufgegeben hatte, in Lehnin auf den Tisch flatterte. Er trägt den sperrigen Arbeitstitel „Nutzungsänderung einer Lagerhalle mit Bürotrakt in eine temporäre Notunterkunft für Flüchtlinge sowie Aufstellung von Dusch-, Sanitär- und Küchencontainern“.

Demnach sollen 21 solcher Container im Einfahrtsbereich und die 300 Betten in der ehemaligen Lager aufgestellt werden. Weder eine Aufteilung der Halle, noch Gemeinschaftsräume wie Speise- oder Aufenthaltsraum sind laut Vorlage vorgesehen. Ganz zu schweigen von der fehlenden Infrastruktur mitten im Gewerbegebiet und der schlechten Anbindung. Individuelle Aktivitäten wären nahezu ausgeschlossen. „Dass kann man doch niemandem zumuten. Auch in Rietz wurden Unterschriften gegen Massentierhaltung gesammelt, doch was man hier mit Menschen vorhat, ist eine Sauerei“, echauffierte sich CDU-Fraktionschef Harry Grunert, der hier stellvertretend genannt sei.

Wie es in der ablehnenden Begründung heißt, sei die beantragte Nutzungsänderung städtebaulich nicht vertretbar und verletze nachbarliche Interessen. Große Brandschutz-Bedenken hat die Feuerwehr, die Heiko Brandt vom benachbarten Zigarettenhersteller GRE teilt. Außerdem gebe es im Gewerbegebiet Probleme mit der Stromversorgung und Kanalisation. Sowohl Rietzer als auch Bürgermeister Bernd Kreykenbohm betonten, dass man sich nicht gegen die Aufnahme von Flüchtlingen sträube, aber die Unterbringung müsse menschenwürdig sein. So gebe es in der Gemeinde inzwischen drei Standorte, mit der Damsdorfer Kaserne liege ein Angebot für 200 Asylsuchende mit Integrationskonzept vor.

Kreis will Verfahren zu Ende führen

„Der Landkreis will in Rietz keine Notunterkunft für Asylsuchende aufmachen, sondern lediglich das förmliche baurechtliche Verfahren zu Ende führen, um im Notfall etwas in der Tasche zu haben“, erklärt Fachbereichsleiter Thomas Schulz der MAZ. Ein Mietvertrag sei nicht unterzeichnet. Der Bauantrag sei Ende vorigen Jahres angeschoben worden, als im Landkreis 800 Plätze fehlten. Inzwischen habe sich die Situation entspannt. Man sei nun dabei, die Notquartiere langsam leer zu ziehen und sich auf vernünftige Gemeinschaftsunterkünfte, besser noch Wohnungen, zu konzentrieren. „Ob wir an der Damdorfer Kaserne festhalten ist noch offen und hängt vom Angebot ab“, so Schulz. Der Betreiber Kubus sei angeschrieben worden, es zu überarbeiten.

Von Claudia Nack

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