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Kein Durchkommen: Feuerwehr bricht Einsatz ab

Beelitz (Potsdam-Mittelmark) Kein Durchkommen: Feuerwehr bricht Einsatz ab

Das gab es noch nie: Erstmals in ihrer Geschichte musste die Freiwillige Feuerwehr Beelitz einen Einsatz abbrechen, noch ehe er begonnen hatte. Auf ihrem Weg zu einem brennenden Auto auf der A 10 versperrten andere Fahrzeuge den Rettern den Weg. Nach 40 Minuten im Stau ohne Rettungsgasse ordnete der Beelitzer Ortswehrführer den Abbruch an.

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Unfassbar! Autofahrer auf der A 10 missachten nicht nur die Rettungsgasse. Sie missbrauchen sie auch als „Geisterfahrer“, um über eine freie Ausfahrt dem Stau zu entfliehen.

Quelle: Julian Stähle (Archivfoto)

Potsdam-Mittelmark. Erstmals in ihrer Geschichte hat die Freiwillige Feuerwehr Beelitz einen Einsatz abbrechen müssen, noch bevor dieser begonnen hatte. Mit vier Fahrzeugen war sie am vergangenen Sonntagabend auf der A 10 unterwegs, um zwischen dem Dreieck Potsdam und der Abfahrt Ferch ein brennendes Auto zu löschen. Doch den Einsatzort erreichen die Feuerwehrleute nicht. Die geforderte Rettungsgasse – wenn es sie überhaupt je gegeben hat – ist nach dem Eintreffen der ersten Rettungsfahrzeuge sofort wieder dicht. Lastwagen und Busse stehen im Baustellenbereich über alle drei Fahrspuren verteilt. Dabei sind das Feuer und der Rauch voraus deutlich zu sehen und die nachrückenden Einsatzkräfte aus Beelitz mit Blaulicht und Martinshorn nicht zu übersehen beziehungsweise -hören.

Tatenlos mussten die Beelitzer Feuerwehrleute im Stau mit ansehen, wie Kameraden aus anderen Wehren das brennende Auto löschen

Tatenlos mussten die Beelitzer Feuerwehrleute im Stau mit ansehen, wie Kameraden aus anderen Wehren das brennende Auto löschen.

Quelle: Julian Stähle

Rund 40 Minuten lang quält sich das Einsatzleitfahrzeug des Beelitzer Ortswehrführers Felix Wilksch durch den Stau. Für die letzten 500 Meter brauchen die Retter neun Minuten. Dann stecken sie hoffnungslos fest. Wilksch entscheidet, den Einsatz abzubrechen. „Als wir auf die A 10 auffuhren, hatten wir schon die leichte Staubildung erkennen können. Dann wurde es immer schwieriger, sich einen Weg zur Unfallstelle zu bahnen“, beschreibt der Ortswehrführer die Anfahrt zur Unglücksstelle.

Feuerwehrleute versuchen selbst, sich eine Rettungsgasse zu bahnen

Die Feuerwehrleute schalten das Martinshorn aus fordern zunächst über Lautsprecher die Autofahrer vor ihnen auf, die Rettungsgasse zu bilden und auch zu halten. Doch das ist kaum noch möglich. Im engen Baustellenbereich fehlt der Standstreifen, auf den die Fahrzeuge ausweichen könnten, und die provisorisch angeordneten Fahrspuren sind schmaler als die üblichen Fahrbahnen. Die Autofahrer haben den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug nicht eingehalten, sind ihm dicht auf die Pelle gerückt und können ihre eigenen Wagen jetzt nicht mehr manövrieren. Trotzdem steigen Wilksch und seine Leute aus, gehen nach vorn, klopfen an die Fenster der Fahrertüren und weisen die Fahrer ein, ihr Fahrzeug nachzuregulieren und die Seitenspiegel einzuklappen. Meter für Meter erkämpfen sich die Retter. Doch bei den größeren Fahrzeugen, die auf allen drei Spuren stehen, müssen sie doch aufgeben. Trotz mehrerer Einweiser reicht der Platz nicht aus.

„Es ist schon in einer regulären Rettungsgasse eine Herausforderung, schnell an den Einsatzort zu kommen, ohne Passanten zu gefährden und Schäden anzurichten“, sagt Wilksch. Für die Spezialfahrzeuge der Feuerwehr braucht er einen mindestens 2,50 Meter breiten Korridor. „In der Dunkelheit ist zudem oft schwer zu erkennen, wo sich die Spiegel genau befinden“, bestätigt Maschinist Gordon Schade von der Beelitzer Feuerwehr.

 Etwa 2,50 Meter Breite brauchen Ortswehrführer Felix Wilksch (r) und Maschinist Gordon Schade, um mit ihrem Fahrzeug durch die Rettungsgasse an

Etwa 2,50 Meter Breite brauchen Ortswehrführer Felix Wilksch (r.) und Maschinist Gordon Schade, um mit ihrem Fahrzeug durch die Rettungsgasse an den Einsatzort zu kommen.

Quelle: Julian Stähle

Tatenlos und fast ohnmächtig müssen die Beelitzer Feuerwehrleute im Stau mit ansehen, wie Kameraden aus anderen Wehren das brennende Auto löschen. Zum Glück gibt es bei der Feuerwehr das so genannte „Rendezvous-System“, bei dem die Wehren aus verschiedenen Richtungen zum Einsatzort eilen. Die Feuerwehren aus Fichtenwalde und Seddiner See kamen zur Unglücksstelle durch. Bloß gut, dass in diesem Fall kein Menschenleben gerettet werden muss. Wilksch mag sich gar nicht ausmalen, wie es ausgegangen wäre, hätten noch Fahrer und Insassen aus dem Auto befreit werden müssen.

Missachtung der Gasse wird empfindlich teuer

Für die Missachtung einer Rettungsgasse hat der Bundesrat die Geldbuße Mitte Oktober des vorigen Jahres empfindlich erhöht. Dafür können Kraftfahrer jetzt mit mindestens 200 Euro belangt werden. Vorher waren es nur 20 Euro.

Werden Dritte dabei gefährdet, erhöht sich das Bußgeld auf 280 Euro.

Kam es dabei zu einem Schaden, erhöht sich die drohende Geldbuße auf 320 Euro.

In den letzten beiden Beispielen kommt ein Fahrverbot von einem Monat hinzu.

Als die Beelitzer mit anderen Autofahrern auf der Autobahn ins Gespräch kommen, sehen diese auch ein, wie lebensnotwendig die Rettungsgasse ist. Warum sie dann auf der A 10 nicht funktioniert hat, können sich die anderen nicht erklären. Erst vor etwa zwei Wochen hatten Notfallsanitäter ebenfalls auf der A 10 ihre Rettungswagen verlassen müssen, um sich den Weg zu ihrem Einsatzort freizubrüllen.

Von Julian Stähle und Heinz Helwig

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