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Potsdam-Mittelmark Keine Sonnendaten mehr aus Tremsdorf
Lokales Potsdam-Mittelmark Keine Sonnendaten mehr aus Tremsdorf
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20:03 14.07.2014
Die Antennen werden demontiert und verschrottet. Wichtige Messgeräte sind bereits am Stammsitz in Babelsberg. Quelle: MAZ-Archiv
Tremsdorf

Jetzt ist es Gewissheit: Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) hat sein Observatorium in Tremsdorf aufgegeben. Die letzten vier verbliebenen Parabolspiegel-Antennen der AIP-Außenstelle werden gerade demontiert. Damit geht eine 60-jährige Ära zu Ende, in der das Tremsdorfer Observatorium wichtige Daten von der Sonne lieferte - unter anderem auch an die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa und die US Air Force.

Die Außenstelle wird aus Kostengründen abgewickelt. "So schwer wie es ist, sollte man es auch positiv sehen - das Wichtigste ist: Das Forschungsgebiet für solare Radiotechnologie bleibt am Institut erhalten", sagte Professor Gottfried Mann vom AIP der MAZ. Der Physiker verweist auf die vor etwa fünf Jahren neu aufgebaute Außenstelle in Potsdam-Bornim, die mit dem vom Bund finanzierten moderne Instrumentarium "Lofar" ausgerüstet wurde, das noch mehr könne. "Mit Lofar wird ein neues Fenster der solaren Radioastronomie geöffnet", sagte er.

Die leistungsfähigsten Antennen

Als erste Abwicklungspläne 2011 öffentlich bekannt wurden, hatte Klaus G. Strassmeier, Direktor für kosmische Magnetfelder am AIP, freilich keinen Hehl daraus gemacht, dass die Wissenschaftler eigentlich gegen einen Rückzug aus Tremsdorf sind. Damals lieferte auch die Sonne Argumente gegen eine Schließung. Die Sonnenaktivität war zu der Zeit die schwächste, die in der modernen Zeit je registriert wurde. Und die Antennen in Tremsdorf würden in ihrem Frequenzbereich zu den leistungsfähigsten gehören, um dieses Phänomen zu beobachten, argumentierte Strassmeier. Er verwies aber auch auf den Druck, Kosten zu reduzieren, der von den maßgeblichen Geldgebern komme - von Bund und Land.

Laut Professor Mann wurde in Tremsdorf eines der weltbesten Instrumentarien zur Erforschung der Radiostrahlung entwickelt und gebaut. Zu DDR-Zeiten arbeiteten an dem Observatorium 21 Menschen, darunter Entwicklungsingenieure. Erst ab 1994 war Tremsdorf eine "unbemannte" Station, an der die Antennen vollautomatisiert der Bahn der Sonne folgten. Am Standort mitten in der Landschaft etwa drei Kilometer vom Ort entfernt beobachteten die Wissenschaftler seit dem 30. Juni 1954 die Sonne. An jenem Tag, der als Geburtsstunde des Observatoriums gilt, schob sich der Mond vor die Sonne und warf einen Schatten auf die Erde - eine Sonnenfinsternis. Die Messinstrumente in Tremsdorf registrierten damals, dass sich in dem Moment nicht nur die Lichtstrahlung verringerte, sondern auch die Radiostrahlung. Diese Strahlung, die von hochenergetischen Teilchen ausgeht, die von der Sonne mit unterschiedlicher Intensität in Richtung Erde geschleudert werden, ist der eigentliche Forschungsgegenstand der AIP-Wissenschaftler. Die solare Radiostrahlung kann auf der Erde oder in der Luft etwa bei Flugzeugen oder Raumschiffen die Elektronik von Geräten stören oder gar zerstören.

Vorhersage von Sonnenstürmen

Mit Hilfe der Messdaten aus Tremsdorf entstanden Vorhersagen, wann mit starkem "Beschuss" von der Sonne zu rechnen ist. Drohen Sonnenstürme, werden zum Beispiel Flugsicherheitssysteme gewarnt. Melden die Wissenschaftler eine Verschlechterung des Weltraumwetters, schalten Astronauten empfindliche Geräte aus. Deshalb interessierte sich auch die US-Raumfahrtbehörde Nasa für die Tremsdorfer Sonnendaten. Die AIP-Wissenschaftler haben für ihre Arbeit einen Preis von der Nasa bekommen, sagte Professor Mann, der 1982 als junger Physiker nach Tremsdorf kam und jetzt im Stammhaus in Potsdam arbeitet. Die US Air Force, die amerikanischen Luftstreitkräfte, gaben sogar Geld für den Betrieb des Tremsdorfer Observatoriums, mit dem Antennentechnik modernisiert werden konnte. Die neue Technik in Potsdam-Bornim könne aber mehr: "Mit ihr können wir auch sagen, von welchem Ort der Sonne die Radiostrahlung gerade ausgeht", so Professor Mann.

Sonnenobservatorium in Tremsdorf

  • Tremsdorfs Observatorium nahm 1954 seinen Betrieb auf. Mit den Antennen wurden Radiowellen empfangen, die Sonne konnte also wetterunabhängig beobachtet werden.
  • Die Parabolspiegel der Antennen hatten einen Durchmesser zwischen 10,5 und 7,5 Metern und sammelten den Gesamtstrahlungsfluss der Sonne in verschiedenen Frequenzbereichen von 800 bis 100 Megaherz.
  • Die Antennen des Observatoriums standen mitten in der Landschaft ein ganzes Stück von Tremsdorf entfernt, weil in der Nähe von Städten und Orten die Radiowellen gestört werden.
  • Die Radiostrahlung, die in Tremsdorf beobachtet wurde, stammte aus der äußeren Atmosphäre der Sonne, Korona genannt, und zwar aus einem Höhenbereich von 10 000 Kilometer bis etwa 1,5 Millionen Kilometer über der sichtbaren Sonnen-Oberfläche.
  • gehört, ist eine Stiftung bürgerlichen Rechts des Landes Brandenburg. Das AIP wird vom Land Brandenburg, der Ländergemeinschaft und vom Bund gefördert.

Von Jens Steglich

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