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Keiner will am „Ende der Welt“ arbeiten

Weitzgrund (Bad Belzig) Keiner will am „Ende der Welt“ arbeiten

Weitzgrund (Potsdam-Mittelmark) ist schön gelegen und historisch gesehen ein bedeutender, kleiner Ort – der geografische Mittelpunkt der DDR. Dort eröffnete eine Tierärztin vor 12 Jahren einen Pferdehof samt Pension und Restaurant. Doch weil „am Ende der Welt“ niemand arbeiten will, muss sie den Betrieb fast auf Null fahren.

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Idylle am Rande von Bad Belzig: Die Weiden des Pferdehofs in Weitzgrund bieten ausreichend Platz für Tiere.

Quelle: Andreas Koska

Weitzgrund. „Alle brauchen Azubis, ob Glaser oder Bäcker – und wir brauchen sie auch“, sagt Tanja Schröder. Doch die seien Mangelware, verzweifelt sie förmlich. Gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Steffen Butenschön führt sie den Reiterhof „Reit- und Landhaus“ in Weitzgrund.

Doch es fehlt nicht nur an Lehrlingen, sondern auch an guten Mitarbeitern. Die sind häufig weder in Teil- noch Vollzeit, angelernt oder ausgebildet zu finden. Die 40 Pferde in den Boxen und auf den Weiden wollen trotzdem betreut sein. Deshalb kümmert sie sich um vieles selbst. Eigentlich, meint Schröder, habe sie fast schon einen Gnadenhof. „Viele Besitzer stellen ihre älteren Pferde hier rein und wir sorgen für sie.“ Besser könnten sie es zudem kaum haben. Tanja Schröder ist Tierärztin, ihr Lebensgefährte ein mit der „Graf-von-Lehndorff-Plakette“ ausgezeichneter Pferdewirtschaftsmeister.

Tierärztin Tanja Schröder

Tierärztin Tanja Schröder.

Quelle: Andreas Koska

Angesichts des Mangels an Mitarbeitern mussten sie die integrierte Pension und das Restaurant bereits schließen. Teilen kann sich die 46-Jährige schlicht nicht. „Wenn ich beim Kongress war, passierte es schon, dass die Mitarbeiter aus irgendwelchen Gründen nicht erschienen sind“, erinnert sich Schröder.

Einzig die Reitferien für Kinder werden noch mit Vollverpflegung angeboten. „Aber damit hat es sich.“ In diesem Sommer wird umgebaut und modernisiert. Das Haus soll den neuen Brandschutzvorschriften genügen. Dazu ist viel bürokratischer Aufwand nötig, es zeichnet sich ein monatelanges Prozedere ab.

Das Paar hat das Areal unweit des geografischen Mittelpunktes der DDR in Weitzgrund vor genau zwölf Jahren übernommen. Als der Makler das Objekt anbot, passte alles. „Es war schon toll, die Dorfgemeinschaft intakt“, erinnert sich die Pferdenärrin. Sie lacht, als sie hinterher schießt, dass man wie eine Fußballmannschaft war. „Elf Personen“ in fünf Häusern. Weitzgrund gehört als Gemeindeteil zur Stadt Bad Belzig.

In der Reithalle ist der Betrieb mangels Personal eingeschränkt worden

In der Reithalle ist der Betrieb mangels Personal eingeschränkt worden.

Quelle: Andreas Koska

Inzwischen hat sich das Leben in dem kleinen Fleckchen des Flämings allerdings verändert. Die Gemeinschaft hat sich auseinandergelebt. Die Häuser haben zum Teil die Besitzer gewechselt. Man grüßt sich, geht aber meist seiner eigenen Wege. Außerdem ist der Ort mit dem Wagen nur noch über Verlorenwasser zu erreichen. „Der Weg nach Dippmannsdorf ist unpassierbar“.

Die spezielle Lage, zwar im Mittelpunkt der ehemaligen DDR aber letztlich doch am Ende der Welt, trägt neben dem Fachkräftemangel auch dazu bei, dass der Reitbetrieb zurückgefahren worden ist. „Reitstunden haben wir gänzlich aufgegeben“, bedauert Schröder.

Die Schwalben fühlen sich wohl in Weitzgrund

Die Schwalben fühlen sich wohl in Weitzgrund.

Quelle: Andreas Koska

Um wirtschaftlich überleben zu können, wurde gar ein ganz neuer Geschäftszweig aufgetan und ein weiteres Unternehmen gegründet: Sie vertreiben Airbag-Westen für Reiter. „Ohne den Versand könnten wir den Hof nicht unterhalten“, ist sie sich sicher. Trotz aller Schwierigkeiten, die sich über die Jahre aufgetan haben, fühlt sich die Veterinärin, „am Ende der Welt“ wohl.

Sie genießt die Natur und gegenwärtig den Flug der vielen Schwalben, die in den Stallungen ihre Nester gebaut haben. Nur von dem Traum jemanden auszubilden, der die Natur und Tiere genauso liebt, in den Betrieb hineinwächst und ihn vielleicht perspektivisch übernimmt, hat sie sich verabschiedet.

Von Andreas Koska

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