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Jhaza und Fatwa im Wunderland

Teltow Jhaza und Fatwa im Wunderland

In jedem Jahr können sich 20 Kinder aus der Westsahara für zwei Wochen während der Schließzeit der Kita „Käferland“ in Teltow erholen. Spenden des Stadtverbandes der Linken sowie des mittelmärkischen Kreisverbandes ermöglichen diesen Aufenthalt. Initiator dieser Ferienaktion ist der Verein „Salma“ In Thüringen, wo die Kinder sechs weitere Wochen verleben.

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In Teltow erholen sich in jedem Jahr 20 Kinder aus der Westsahara. Die Kinder verleben zwei Wochen in der Kita „Käferland“ während der Schließzeit. Der Aufenthalt wird vom thüringischen Verein „Salma“ und den Teltower Linken ermöglicht.

Quelle: H. Helwig

Teltow. „Für uns ist das eine völlig andere Welt. Hier gibt es viele große Gebäude und viele Autos“, erzählen Jhaza und Fatwa. Die beiden zehnjährigen Mädchen verleben gemeinsam mit 18 weiteren etwa gleichaltrigen Kindern aus fünf Flüchtlingscamps in der Westsahara zwei erholsame Wochen in der Teltower Kita „Käferland“. Solch eine grüne Landschaft wie in der Region haben sie noch nie in ihrem Leben gesehen, und mit solch einem „großen weißen Schiff“ sind sie das erste Mal auf einem Fluss gefahren. Sie haben eine Zirkusvorstellung besucht und im Teltower Zoo die Tiere gestreichelt. Das Schönste für die Kinder war das Ponyreiten, und wer aus einem Land kommt, in dem Wasser fast so kostbar wie das eigene Leben ist, konnte es einfach nicht fassen, wie herrlich man in einem Pool planschen kann.

Bereits zum 13. Mal hatte der thüringische Verein „Salma“ eine Kindergruppe aus der „Republik im Exil“ für zwei Monate nach Kehmstedt im Landkreis Nordhausen geholt, um ihnen einen erholsamen Aufenthalt zu ermöglichen. Über den Bürgermeister der französischen Stadt Gonfreville, die die saharawische Stadt J’Refia unterstützt, hatten die Teltower vor Jahren den Kontakt zu den Flüchtlingslagern aufgenommen. Seitdem unterstützen der Stadtverband der Linken sowie der mittelmärkische Kreisverband alljährlich mit Spenden die Versorgung der Kinder mit Mahlzeiten, Kleidung und anderen Dingen und bieten ihnen den Aufenthalt während der offiziellen Schließzeit in der Kita. „Wir haben nicht viele Unterstützer, die sich schon so lange an unserer Aktion beteiligen“, unterstreicht Vereinsinitiatorin Margot Keßler den Wert des Engagements der Teltower.

Nach fünf Jahren im EU-Parlament gründete die frühere SPD-Abgeordnete 2004 ihren Verein, weil sie sah, dass sich niemand für das Leid und das Elend der Saharawis interessierte. Bei einer Tombola auf dem Mai-Fest der Teltower Linken kamen in diesem Jahr knapp 2800 Euro zusammen. Auch Familienministerin Diana Golze (Linke) hatte ein Los gezogen und eher zufällig von der Hilfsaktion erfahren. Beim Kinderfest am Dienstag ließ sie sich in der Teltower Kita ausführlich darüber berichten. „Wir waren mit den Kindern auf fast allen Spielplätzen der Stadt, auf denen sie sich richtig austoben konnten. Ein Fußall oder ein Fahrrad – mehr brauchen sie nicht, um glücklich zu sein“, sagt Keßler.

Nach dem Rückzug der Spanier besetzte Marokko 1975 die letzte Kolonie Afrikas, die Westsahara, und vertrieb die Einwohner aus ihrem Siedlungsgebiet. Seitdem campieren die Saharawis in der Geröllwüste Algeriens in einfachen Lehmbauten und in Zelten und kämpfen für ihre Unabhängigkeit, sagt Nadjat Hamdi von der Frente Polisario in Deutschland, dem militärischen und politischen Arm ihres Volkes. Mehrere Uno-Sonderbeauftragte und etliche geplante Volksabstimmungen scheiterten am Widerstand Marokkos. Deutschland könnte sich viel stärker für das Flüchtlingsvolk einsetzen, doch es hat enge Beziehungen zu Frankreich, das wiederum Marokko schützt, erläutert Hamdi den politischen Interessenkonflikt.

Die Energie, die die Kinder in Deutschland tanken, reicht „für ein gutes Jahr“, sagt ihr Betreuer Khalil El-Haj. Nach ihrer Rückkehr könnten die Kinder in den provisorischen Schulen besser lernen. „Es ist hart, wieder zurückgehen zu müssen“, bedauern Jhaza und Fatwa am Endes ihres Aufenthaltes. „Doch wir haben gesehen, dass es in der Welt auch gute Menschen gibt.“

Westsahara liegt zwischen Marokko, Mauretanien und Algerien

Die Westsahara ist so groß wie die alte Bundesrepublik und liegt zwischen Marokko, Mauretanien und Algerien an der westafrikanischen Küste.

In den fünf Flüchtlingscamps leben mehr als 160 000 Menschen. Die Zahl der im gesamten Gebiet der Westsahara lebenden Sahrauis wurde zuletzt im Juli 2013 auf etwa 539 000 Einwohner geschätzt.

Eine Mauer mit einer Länge von knapp 2800 Kilometer teilt das Gebiet der Westsahara. Das entspricht der 60-fachen Länge der ehemaligen Berliner Mauer. Die Grenze wird von 160 000 marokkanischen Soldaten bewacht.

Der Verein „Salma“ hat seinen Sitz in 99752 Kehmstedt, Schulstraße 1. Er ist unter Tel. 036338/4 29 05 zu erreichen.

Von Heinz Helwig

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