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Potsdam-Mittelmark Kinder leiden unter dem Streit der Eltern
Lokales Potsdam-Mittelmark Kinder leiden unter dem Streit der Eltern
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22:06 29.06.2016
Oft müssen Kinder gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den Eltern mit ansehen und können solche Erlebnisse hinterher kaum verarbeiten. Quelle: dpa
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Kleinmachnow

Rund 60 Erzieher, Sozialarbeiter und Vertreter aus Frauenhäusern oder Beratungsstellen im Landkreis Potsdam-Mittelmark nahmen am Mittwoch an einer Fachtagung zum Thema „Häusliche Gewalt“ im Bürgersaal des Rathauses Kleinmachnow teil. Eingeladen hatten die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises, Theresa Arens, und die Kinderschutzbeauftragte Heike Wolff. Mit ihr sprach die MAZ über das Thema.

Was veranlasste Sie, mit dem Thema „Häusliche Gewalt“ an die Öffentlichkeit zu gehen?

Heike Wolff: Wenn Eltern sich streiten, denken sie oft, die Kinder bekommen den Konflikt nicht mit. Das ist falsch. Auch Kinder belastet ein elterlicher Streit, den sie verarbeiten müssen. Meine Kollegin Theresa Arens und ich haben festgestellt, dass es bei den Themen Gleichstellung und Kinderschutz gemeinsame Arbeitsfelder gibt. Darum haben wir uns entschlossen, Lehrer und Erzieher, Sozialarbeiter und Vertreter von Frauenhäusern und Beratungsstellen im Landkreis zu einer Fachtagung einzuladen, um sie auf den Zusammenhang von Gewalt gegen Frauen und Auswirkungen auf Kinder hinzuweisen.

Wie reagieren Kinder auf einen Streit der Eltern?

Wolff: Wenn Kinder unter Konflikten ihrer Eltern leiden, können sie Konzentrationsschwierigkeiten haben, häufig müde sein, sich mehr als sonst zurückziehen oder besonders aggressiv reagieren. Kleinere Kinder nässen plötzlich wieder ein, verlangen nach dem Nuckel oder sind besonders anhänglich. Mitunter geben sich die Kinder sogar selbst die Schuld am Streit der Eltern und schämen sich, ihren Freunden von zuhause zu erzählen.

Wo liegen die Ursachen für häusliche Gewalt?

Wolff: Das kann unterschiedliche Gründe haben. Oft ist es eine schwierige Kindheit des Mannes, der selbst von seinen Eltern geschlagen wurde. Männer schlagen ihre Frauen auch, weil sie nicht wissen, wie sie ein Problem lösen sollen. Oder sie wenden – oft aus übertriebener Eifersucht – psychische Druckmittel wie Geldentzug, erniedrigende Kontrollen oder soziale Isolierungen vom Freundeskreis an.

Wann und wo beginnen solche harten Auseinandersetzungen?

Wolff: Die häusliche Gewalt beginnt meist schleichend, in 40 Prozent aller Fälle nach der Hochzeit, zu 20 Prozent während der Schwangerschaft der Frau und zu zehn Prozent nach einer Kindsgeburt. Dann glauben die Männer meist, dass die Frauen sie nicht mehr verlassen können, und fühlen sicher. Auch die erste gemeinsame Wohnung hat schon zur Gewalt in der Ehe geführt. Häusliche Gewalt galt lange als Privatsache. Erst seit Mitte der 1990-er Jahre ist sie juristisch ein Straftatbestand.

Was können die Opfer solcher Gewalt tun?

Wolff: Wenn sich Frauen überhaupt dazu durchringen, sich gegen die Gewalt zu wehren, sollten sie sich an die Frauenhäuser in Potsdam oder in Brandenburg an der Havel oder an die entsprechenden Beratungsstellen im Landkreis wenden. Im vergangenen Jahr haben 20 Frauen und 30 Kinder in Potsdam-Mittelmark die Frauenhäuser aufgesucht. In Potsdam gibt es die einzige Pädagogin im Land Brandenburg, die auch speziell auf Kinder eingehen kann. Für die Männer, die meist nicht vorsätzlich, sondern aus einer Verunsicherung heraus gewalttätig werden, gibt es bislang in Brandenburg keine therapeutischen Angebote.

Kommt es auch vor, dass Frauen Männer schlagen?

Wolff: Ja sicher. Doch da ist die Hemmschwelle, sich dagegen zu wehren, noch größer. Welcher Mann zeigt schon an, von einer Frau verprügelt worden zu sein.

Wie sollen sich Erzieher oder Sozialarbeiter bei auffälligen Kindern verhalten?

Wolff: Das kommt jeweils auf das Vertrauensverhältnis an. Sie können versuchen, mit den Eltern zu sprechen. Sie sollten dran bleiben, sich nicht von ihrem Gefühl abbringen lassen und immer wieder Hilfe anbieten.

Sind bestimmte soziale Schichten besonders anfällig für häusliche Gewalt?

Wolff: Nein. Das zieht sich durch alle Bildungsschichten und Altersgruppen. Sogar im hohen Alter kann es noch Gewalt in der Familie geben.

Von Heinz Helwig

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