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Kindersegen bei den Fläming-Weißstörchen

Naturschutz Kindersegen bei den Fläming-Weißstörchen

Eigentlich bringen sie doch den Menschen Nachwuchs – im Hohen Fläming jedoch konnten sich die Weißstörche selbst über reichen Kindersegen freuen. Der letzte frisch aufgezogene Storch startete allerdings mit heftiger Verspätung gen Süden: er war bei Flugversuchen abgestürzt.

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Das Nest muss passen: Storch im Anflug auf einen Schornstein in Wiesenburg. Zweig für Zweig wird es was

Quelle: Dirk Fröhlich

Mittelmark. Die Hauptstadt heißt ganz eindeutig Brück – zumindest, wenn es um die Störche geht. Auf den drei Horsten in der Stadt sind insgesamt acht Nachwuchs-Adebare flügge geworden. Es hätten sogar mehr sein können, denn in der Lindenstraße sind insgesamt fünf Jungstörche geschlüpft. Allerdings sahen sich die Altvögel nicht in der Lage, alle hungrigen Schnäbel zu stopfen. Zwei der Küken verschwanden aus dem Nest.

Zum ersten Mal war in Brück das Nest auf dem Schornstein der alten Bäckerei gegenüber dem Ärztehaus besetzt, drei Weißstorchkinder wurden hier groß, während es in der Straße des Friedens zwei waren. Insgesamt war das Storchenjahr 2016 im Fläming durchschnittlich, allerdings – anders als im restlichen Land Brandenburg – besser als das Vorjahr. 27 der 36 Nester waren mit Paaren belegt, 43 Jungvögel wuchsen hierzulande auf. 2015 waren es 38 aufwachsende Störche gewesen.

Ein schwieriges Jahr

Nach Einschätzung des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) ist 2016 „ein schwieriges Jahr für Deutschlands Störche“. Im Frühjahr ließen anhaltende Regenfälle im Südwesten viele Storchenküken an Unterkühlung sterben. Im Norden und Osten herrschte dagegen trockenheitsbedingter Futtermangel, teilt der Nabu mit.

Viele Nester in Ostdeutschland blieben zunächst verwaist und zurückgekehrte Paare begannen aufgrund ihrer späten Ankunft gar nicht erst zu brüten. Einige Störche gingen aufgrund der späten Rückkehr sogar dazu über, belegte Storchennester anzugreifen, um sie für sich zu besetzen. Dabei warfen sie Eier oder Jungvögel aus den Nestern.

Insgesamt, so schätzen die Nabu-Storchenschützer, ging in Ostdeutschland die Zahl an Brutpaaren um fünf bis zehn Prozent zurück, während die Zahl im Südwesten Deutschlands sogar zunahm.

Großen Anteil am Babyboom unter den Schreitvögeln hatte ein Brutpaar in Ragösen, alle vier Eier im Gelege wurden großgezogen: ein Spitzenwert im Hohen Fläming. In Alt Bork, Linthe, Mörz und Neschholz waren es jeweils drei Eier, wie die ehrenamtliche Storchbetreuerin Doris Block auf MAZ-Anfrage mitteilt. In Neuendorf bei Brück und auf einem Niemegker Schornstein verloren die Rotschnäbel die erste Brut und versuchten es ein zweites Mal, diesmal erfolgreich.

Störche auf einem Kirchdach

Störche auf einem Kirchdach.

Quelle: Eva Loth

Allerdings ging die Geschichte um einen der Niemegker Vögel dramatisch weiter. Bei seinem ersten Flugversuch stürzte der Jungstorch ab, er wurde in die Storchenstation nach Loburg gebracht. Erst Anfang September konnte er Süden abfliegen, da waren seine Artgenossen schon seit zwei Wochen unterwegs.

Einen Zwischenfall gab es auch in Schlalach. Dort stürzte ein ganzes Nest ab. Nachdem mit Hilfe der Unteren Naturschutzbehörde der Horst wieder errichtet wurde, konnte das Paar erfolgreich ein Jungtier aufziehen. Nicht selbstverständlich, wie Christian Kurjo von der Naturschutzbehörde erklärt: „Die Alttiere verlieren irgendwann ihren Fütterungstrieb“, nach etwa drei tagen ohne festen Wohnsitz wäre das Storchenkind wohl nicht mehr zu retten gewesen. Deshalb drängte in Schlalach die Zeit, das Nest musste wieder aufgebaut werden. „Wir hatten hier richtig Glück“ sagt Kurjo, „wir haben zwar drei Tage gebraucht, das Jungtier wurde aber danach weiter versorgt.“

Feuerwehr konnte helfen

In Ragösen hingegen wurde mangelnder Umweltschutz einem Tier zum Verhängnis. Durch Zufall bemerkte ein Anwohner eine atypische Haltung bei einem der Störche. Mit Hilfe der Ziesaraner Feuerwehr konnten die Vögel erreicht werden. Kurjo, der auch als Storchenbetreuer fungiert, fand zwei Störche, die sich mit Bindegarn umwickelt hatten. „Einer der Störche hatte Garn verschluckt und es sich um die Beine gewickelt“, erinnert sich Christian Kurjo. Der Storch starb. „Bindegarn und ähnliche Materialien haben in der Landschaft nichts verloren“, appelliert Kurjo an seine Mitmenschen, „denn es wird von den Störche gern mit fatalen Folgen für den Horstbau genutzt.“

Doch es gab nicht nur traurige Zwischenfälle. So brütete in Golzow ein Storchenpaar in einer Kastanie – nicht nur für die Golzower bot sich ein ungewohnter Anblick. „Früher brüteten die Weißstörche hauptsächlich auf Bäumen“, erklärt Experte Christian Kurjo, „als Kulturfolger bevorzugen sie jedoch inzwischen Schornsteine, Mäste und Bruthilfen.“

Ein Schornstein als Nistplatz

Zwar gebe es im Spreewald noch mehrere Baumbrüter, im Fläming sei dieses Verhalten jedoch äußerst ungewöhnlich. „Mal schauen was nächstes Jahr passiert“, ist Kurjo schon gespannt, schließlich steht in Golzow auch ein Nest auf einem Schornstein zur Verfügung.

Und schließlich gab es im Frühsommer einen besonderen Blickfang zwischen Brück und Hackenhausen. Regelmäßig versammelten sich dort im Juni etwa 20 Störche, offenbar Junggesellen, auf den Feldern. Wenn das mal keinen Kindersegen unter den Menschen auslöst.

Von Andreas Koska

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