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Potsdam-Mittelmark Kindheitstage in der Windmühle
Lokales Potsdam-Mittelmark Kindheitstage in der Windmühle
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16:38 17.10.2017
Bertram Sommer aus Lehnin mit dem Mühlenbild, gemalt von Emil Willmann. Der vorletzte Lehniner Müller schenkte das Bild Hildegard und Bertram Sommer 1958 zur Hochzeit.
Lehnin

Bertram Sommer ist ein Mann, der manches Mal das Wort erhebt in Lehnin. Nicht laut, aber doch mit Nachhall. Er ist seit Jahrzehnten ein häufiger Gast in der Gemeindevertretung und auch dort erhob er jetzt das Wort und hielt in seinen Händen dazu ein Bild. Es zeigt die frühere Windmühle am Lehniner Mühlenberg. Gemalt hat es der vorletzte Müller dort, Emil Willmann. Mit diesem Bild erinnerte Bertram Sommer an das Mühlenwesen in Lehnin. „Das Bild schenkte mir der Müller zur Hochzeit 1958.“

Nicht ohne Grund: Bertram Sommer wuchs neben der Mühle auf. Oft kletterte er in dem Bauwerk, in dem sich immer etwas drehte, das knarzte und arbeitete und für einen Jungen hochspannend war, herum. Und als Emil Willmann eines Tages zum Mittagessen nach Hause ging, schloss er die Mühle ab, ohne bemerkt zu haben, dass Bertram Sommer dort gerade mal wieder die Räume erkundete. „So rief ich um Hilfe und er kam zurück und schimpfte ziemlich mit mir.“

Die beiden letzten Müller am Mühlenberg

Vor Willmann war Karl Scherling der Müller am Mühlenberg. Doch er verunglückte jung. Beim Abladen eines mit Holz beladenen Fuhrwerks schlug ihm 1934 ein Stamm in den Nacken und starb. Seine Witwe heiratete später Emil Willmann, den Müller von Busendorf. Willmann war es auch, der seinen Stiefsohn Richard Scherling in dem Handwerk des Müllers ausbildete. Wenige Jahre nach dem Krieg musste Willmann seinen Beruf an den Nagel hängen. Mehlstaub hatte seine Lunge ruiniert. Er wurde arbeitsunfähig. Statt Getreide zu mahlen, malte er von da an Bilder. Von dem, was sich in seinen Erinnerungen noch immer im Wind drehte, von seiner Mühle. 1973 starb Emil Willmann.

Eines seiner Mühlenbilder hängt in Ursula Scherlings Wohnzimmer. Sie ist die Witwe Richard Scherlings, der im Mai verstarb. Die heute 83-Jährige erlebte die letzte Zeit der Mühle mit, die bis in die 50er Jahre hinein Getreide zu Mehl mahlte. Heute sagt Ursula Scherling: „Mit dem Ding war kein Geld mehr zu verdienen.“ Erhalten konnten sie die Mühle auch nicht mehr. So riss Richard Scherling sie Mitte der 50er Jahre ab. „Ich weinte und mein Mann weinte auch“, erinnert sich die Lehninerin. „Aber die Mühle lebt auf den Bildern meines Schwiegervaters weiter. Er malte so schön.“

Die Wassermühle auf einem historischen Foto in der heutigen Kurfürstenstraße in Lehnin. Quelle: privat

All das findet Harry Grunert auch. Der stellvertretende Ortsvorsteher von Grebs und Vorstandsmitglied im Tourismusverein Kloster Lehnin zeigte sich in der jüngsten Gemeinderatssitzung sehr interessiert an Bertram Sommers Mühlenbild. Er bat diesen, das Bild der Heimatstube im Dreiseitenhof in Grebs zur Verfügung zu stellen.

„Das will ich mir nun mit meinen Kindern überlegen“, sagt dazu Bertram Sommer. Seiner Heimat Lehnin und deren Entwicklung fühlt sich der gelernte Rundfunkmechaniker-Meister verbunden. Vor 16 Jahren, bei einer Sitzung der Lehniner SPD noch unter dem damaligen Landrat Lothar Koch, mahnte Bertram Sommer die 20 anwesenden Kommunalpolitiker als Zuschauer nach zwei Stunden: „Zur Arbeitslosigkeit habe ich bis jetzt kein Wörtchen gehört. Was wird getan, um die Wirtschaft anzukurbeln?“ 2001 war das und die Arbeitslosigkeit lag bei 23,3 Prozent.

Der Mühlenstein ist nun Teil eines Ratplatzes für Wanderer und Ausflügler in Lehnin. Quelle: JACQUELINE STEINER

Heute würde Bertram Sommer am liebsten das Mühlenwesen wieder ankurbeln in Lehnin. Erhalten geblieben als Bauwerk ist einzig noch die Wassermühle am Mühlenfließ. Sie ist in Privatbesitz. Eine Windmühle am Schäfersberg am Abzweig zum Traumsee ist längst verfallen. Auch von ihr ist nichts mehr übrig geblieben.

19 Windmühlen in den 64 Klosterdörfern

Wie Lehnins Heimatforscher Jürgen Back berichtet, gab es laut einer Aufzeichnung aus dem Jahr 1540 in den 64 Dörfern, die damals zum Lehniner Kloster gehörten, 19 Wind- und Wassermühlen. 1662 wurde eine Wassermühle erwähnt zwischen Mühlenteich und Herrenteich, dem heutigen Klostersee. 1746 und 1823 war von jeweils einem Müller in zeithistorischen Dokumenten die Rede. „1858 gab es fünf Mühlen in Lehnin“, berichtet Jürgen Back. Zu ihnen zählt er auch die Mühlen am Mühlenberg und am Schäfersberg.

Die Geschichte der Lehniner Mühlen

Das Mühlenwesen in Lehnin war nach Angaben von Heimatforscher Jürgen Back nicht von sehr großer Bedeutung. „Lehnin liegt halt doch eher in einer Senke.“ Aber einige Mühlen gab es doch. In der Hochzeit 1858 zählte der Ort zwei Getreide-Windmühlen, eine Wassermühle, eine Sägemühle, vermutlich am Standort des heutigen Instituts für Kunst und Kultur am Klostersee, und eine Ölmühle.

Die Wassermühle in der heutigen Kurfürstenstraße 26/ 28 wurde noch zur Stromerzeugung umgebaut von der damaligen PGH Bahnbrecher und mit Turbinen ausgestattet.

Die Mühle am Schäfersberg, auch Schäfersmühle genannt, brach nach einem Sturm zusammen. Sie wurde anschließend abgetragen.

Am Mühlenberg ist der schwere Mühlenstein noch zu sehen. Er bildet den Tisch an einem Rastplatz für Wanderer. Vom Mühlenberg aus gibt es einen herrlichen Blick auf das Kloster. „Und von dort konnte man auch die Mühle am Schäfersberg sehen“, berichtet Bertram Sommer, der sich oft noch an die Mühle erinnert. Richard Scherling, der letzte Müller von Lehnin, war sein Klassenkamerad.

Von Marion von Imhoff

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