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Potsdam-Mittelmark Kirchturmuhr defekt: In Zitz steht die Zeit still
Lokales Potsdam-Mittelmark Kirchturmuhr defekt: In Zitz steht die Zeit still
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11:09 18.05.2016
Uwe (l.) und Bernhard Schlimm mit den neuen Zifferblättern vor der Zitzer Kirche. Quelle: Claudia Nack
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Zitz

Bis auf das Hähnekrähen steht die Zeit still im 265-Seelen-Dorf. Die um 1900 eingebaute Zitzer Kirchturmuhr wird seit zwei Jahren restauriert. „Diesen Sommer wollen wir fertig werden“, sagt Uwe Schlimm aus Ziesar und wirbt bei den Zitzern um Verständnis, dass es nicht so schnell vorwärts geht wie bei einer professionellen Firma. Denn der 52-Jährige macht mit tatkräftiger Unterstützung seines Sohnes Bernhard (26) alles ehrenamtlich nach Feierabend. „Dabei fallen unvorhergesehene Arbeiten an und es sind viele Zwischenschritte nötig“, erklärt Schlimm, der das Uhrmacher-Handwerk von der Pike auf gelernt hat und nach der Wende zum Elektroniker umschulte. Früher von ihm reparierte Turmuhren betreut er bis heute hobbymäßig. Zum Beispiel in Ziesar, Karow, Steinberg, Butzow oder Bagow.

Wann immer das Vater-Sohn-Gespann Zeit hat, fährt es nach Zitz. Für die Kirchengemeinde haben beide den von der damaligen Uhrenfabrik Rochlitz aus Berlin-Spandau hergestellten Zeitmesser zerlegt, die Teile mit dem Strick aus der Luke gelassen, sie zu Hause gereinigt und lackiert sowie das Uhrwerk unter Erhalt der historischen Substanz elektrifiziert. Vorher musste die Kirchturmuhr Woche für Woche mit der Hand aufgezogen werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sie der letzte Zitzer Stellmacher Walter Friedrich wieder in Gang gesetzt, gewartet und gepflegt. Ab 1985 stieg Lehrer Wolfgang Tietz fast 20 Jahre lang die 80 Stufen mit dem letzten waghalsige Stückchen Anstellleiter zum Turm hinauf, dann übernahm der pensionierte Berufsfeuerwehrmann Eberhard Paasch dieses Amt, der es mit 70 an den Nagel hängte.

Schlimm wunderte sich, dass die Uhr nicht mehr ging und bot der Kirchengemeinde seine Hilfe an. Material und Fahrkosten werden ersetzt. „Beide machen es ordentlich und geben sich richtig viel Mühe, aber die Leute warten sehnsüchtig darauf, dass sich die Zeiger wieder drehen“, sagt Kirchenälteste Ulrike Schlieper. Dass die Uhr wunderbar läuft, zeigte eine längere Funktionsprobe. „Über eine Spendenaktion kamen 4700 Euro für Zifferblätter und Elektrifizierung zusammen“, freut sie sich. Allein der aus Münster stammende Pfarrer Günter Neuhaus habe 1000 Euro beigesteuert.

„Demnächst demontieren wir die vier verrosteten Zifferblätter, denn die neuen aus seewasserfestem Aluminium sind da“, sagen Uwe und Bernhard Schlimm, dessen Domäne als Mechaniker vor allem Schweißen und grobe Schlosserarbeiten sind. Die Leipziger Uhrenfirma Zachariä fertigte die Zifferblätter im Auftrag des Kirchspiels an. Ebenso die originalgetreu nachgebauten Zeiger, die an die alten Zeigerwerke angebaut werden. Eine große Hilfe sei der Zitzer Modellbautischler Blaschke, der vier neue wetterfeste Holzluken herstellte.

Von Claudia Nack

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