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„Klarsicht“-Parcours soll Schüler sensibilisieren

Bad Belzig „Klarsicht“-Parcours soll Schüler sensibilisieren

Über den richtigen Umgang mit Alkohol und Zigaretten sind Schüler der Oberschulen Brück und Bad Belzig beim „Klarsicht“-Parcours der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung informiert worden. Dieser hat für zwei Tage in Bad Belzig Station gemacht. Dabei konnten die Schüler auch erfahren, wie es sich anfühlt, 1,5 Promille im Blut zu haben.

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Gar nicht so leicht: David Schmidt (13) aus Niemegk besucht die 8. Klasse der Oberschule Brück. Mit seiner Klasse hat er am Mitmach-Parcours "Klarsicht" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung teilgenommen und probiert hier gerade den "Drunk-Buster". 

Quelle: Josephine Mühln

Bad Belzig. Es ist noch nicht mal Mittagszeit und trotzdem taumeln Lukas Haustein und sein Kumpel David Schmidt schon betrunken durch die Gegend. Sie sind orientierungslos und halten nur mit Mühe die Spur, ihre Beine bewegen sich, als würden sie gar nicht zu ihrem Körper gehören.

Im Fernsehen würde bei so einer Szene der Hinweis „Szene nachgestellt“ stehen. Denn die beiden 13-jährigen Schüler der Oberschule Brück sind nicht wirklich betrunken. Tatsächlich probieren sie gerade den „Drunk-Buster“ aus. Das ist eine sogenannte Rauschbrille, die wie eine Ski-Brille aussieht und den Zustand der Trunkenheit simuliert. Der Träger bekommt einen Eindruck, wie sich 1,5 Promille im Blut anfühlen.

Parcours hat zwei Tage in Bad Belzig Station gemacht

„Den kleinen gelben Ball aufzuheben war schon ein bisschen schwierig“, resümiert Lukas Haustein, als er die Brille wieder abgenommen hat. Klassenkamerad David Schmidt bestätigt: „Das ist irgendwie verwirrend, die Dinge sind weiter weg, als es scheint.“

Der „Drunk-Buster“ ist eine von sieben Stationen des Mitmach-Parcours „Klarsicht“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), der auch zwei Tage in der Puschkin-Turnhalle in Bad Belzig Station gemacht hat. Schüler der Oberschulen Bad Belzig und Brück haben den Parcours durchlaufen und sich mit den Themen Alkohol und Nikotin auseinandergesetzt.

Der erhobene Zeigefinger bleibt draußen

„Beides ist natürlich auch bei uns an der Schule Thema und es werden immer wieder Projekte dazu organisiert“, erzählt Silvana Bröhl. Sie ist seit gut einem Jahr als Schulsozialarbeiterin an der Krause-Tschetschog-Oberschule in Bad Belzig tätig und zufrieden mit der Mitarbeit der Teilnehmer. „Alle sind bei der Sache und ich erlebe nicht, dass sich jemand gegen die Gespräche sperrt. Das gefällt mir sehr gut.“

Der Parcours soll interaktiv und ohne Vorträge oder den erhobenen Zeigefinger funktionieren. Vielmehr sollen die Jugendlichen mit den Moderatoren – bestehend aus Mitarbeitern des „Klarsicht“-Teams sowie regionalen Partnern wie zum Beispiel Schulsozialarbeitern – locker ins Gespräch kommen, sollen Diskussionen auf Augenhöhe angestoßen werden.

Lehrer sollen sich im Hintergrund halten

Zunächst stehen alle Teilnehmer vor dem Tor der Entscheidung. Sie sollen auf die Aussage „Zum Erwachsensein gehören Rauchen und Alkohol trinken dazu“ mit „Ja“, „Nein“ oder „Vielleicht“ antworten. Am Ende des Parcours müssen sich die Schüler erneut entscheiden. Denken sie jetzt anders über Alkohol und Zigaretten?

„Wir wollen die Jugendlichen sensibilisieren und auf kurzfristige Folgen von Alkohol- oder Tabakmissbrauch hinweisen“, erläutert Moderator Max Knospe, der diesmal die Lehrer durch den Parcours führt. Denn sie sollen nicht aktiv bei den Gruppen mitwirken, sondern Abstand wahren – damit die Schüler durch die Anwesenheit der Lehrer nicht gehemmt werden, wenn es darum geht, auch mal heikle Fragen zu stellen.

Rauschtrinken ist weiter problematisch

Den „Klarsicht“-Parcours in Bad Belzig haben insgesamt 300 Jungen und Mädchen durchlaufen. Er richtet sich an Jugendliche von zwölf bis 18 Jahren und findet etwa 15 Mal pro Jahr statt.

Die Schüler bilden zu Beginn der Veranstaltung fünf Gruppen und haben dann pro Station 15 Minuten Zeit für Gespräche und Diskussionen.

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) trinken sich 14,7 Prozent der 12- bis 17-Jährigen mindestens einmal im Monat in einen Rausch.

Der Anteil der rauchenden Jugendlichen ist dagegen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Er befindet sich mit 7,4 Prozent bei den 12- bis 17-Jährigen im Jahr 2016 auf einem historischen Tiefstand.

Der Parcours wird seit 2004 angeboten und ständig aktualisiert – etwa mit Infos über die sich immer weiter verbreitenden elektronischen Zigaretten oder Wasserpfeifen, die Shishas.

Es gehe bei „Klarsicht“ nicht darum, den Alkoholkonsum per se zu verteufeln. Vielmehr werde den Jugendlichen ein kritischer und bewusster Umgang mit Alkohol vermittelt. Ziel sei es, riskanten Alkoholkonsum zu vermeiden.

So werden an der „Talkshow“-Station beispielsweise Geschichten entwickelt, in denen es um Probleme geht, die im Umgang mit Alkohol oder Tabak entstehen können. Gemeinsam überlegen die Jugendlichen, wie die auftretenden Probleme hätten verhindert werden können und wo Betroffene Hilfe finden. Außerdem setzen sich die Schüler beim Parcours mit den Werbeversprechen der Alkohol- und Tabakindustrie auseinander und lernen so, die Versprechen zu analysieren und zu durchschauen.

Von Josephine Mühln

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