Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
Kleider nach Maß für die Spargelkönigin

Schneiderinnen aus Beelitz Kleider nach Maß für die Spargelkönigin

 Silke Jakobs und Michaela Strauß schneidern den Beelitzer Spargelköniginnen ihre Roben auf den Leib.

Voriger Artikel
Neuendorfer wollen Tempo 30
Nächster Artikel
Streit um Ausrüstung der Feuerwehr Wiesenburg

Die Schneiderinnen: Silke Jakobs (l.) und Michaela Strauß.

Quelle: Claudia Krause

Eine Nähstube wie beim tapferen Schneiderlein! Inmitten von Stoffen, Decken, Kissen, vollen Kleiderstangen, Bügel- und Nähmaschinentischen sowie einer riesigen Garnrollen-Tafel werkelt Michaela Strauß über dem Büro vom Jakobs-Hof in Beelitz. Mit Blick auf eine grüne Wiese, auf der sich Esel und Pferde gütlich tun.

Die 49-Jährige hat ihr Handwerk von der Pike auf in Fürstenwalde gelernt: „Es war mein absoluter Traumberuf. Die Faszination des Nähens besteht darin, etwas zu kreieren, was wirklich gefällt.“ Und das galt damals, als es zu PGH-Zeiten in der DDR nicht eben besonders schöne Bekleidung gab und es gilt heute, weil auch trotz des überbordenden Angebotes nicht jeder das Passende in der gewünschten Qualität für sich findet. Besondere Stoffe, Farben, Schnitte – es soll nichts „0815“ sein bei der Schneiderin.

Damit liegt sie auf gleicher Wellenlänge mit Silke Jakobs. Die 43-jährige Potsdamerin ist als Ehefrau von Spargelbauer Jürgen Jakobs für den Gastronomiebereich der Familien-Höfe in Schäpe und Beelitz zuständig – und sie ist ebenfalls ausgebildete Schneiderin. Bevor sie sich nach der Wende selbstständig gemacht hat, fertigte sie im Dienstleistungskombinat (DLK) Potsdam-Babelsberg, Maßarbeit für die Damen. 2004 hat sie ihre Kollegin aus Felgentreu (Teltow-Fläming) in der Hof-Schneiderei angestellt. Dort entsteht, was die Frauen sich ausdenken, um das Angebot an Heimtextilien und Tischwäsche in den Hofläden attraktiv und einzigartig zu halten und die textile Gestaltung in den Lokalen nicht langweilig werden zu lassen. Die Chemie zwischen den Frauen stimmt „und Michaela ist flexibel – ganz in meinem Sinne“, lobt die Chefin, die für den Zuschnitt zuständig ist und sich quasi als Einstellungsprüfung das eigene Brautkleid von der Kollegin hat nähen lassen.

Höhepunkt eines jeden Jahres aber bleibt das Kleid für die Spargelkönigin. Die wird im März vom Beelitzer Spargelverein gewählt und bis zur Saisoneröffnung im April muss das Kleid sitzen. „Aber keiner außer uns dreien sieht es vorher“, versichert Jakobs. Und Strauß ergänzt: „In der Zeit des Nähens habe ich immer auffallend viel Publikumsverkehr in der Schneiderstube. Manch einer hofft, wenigstens den Farbton erhaschen zu können.“ Seit 2004 kreieren die beiden Frauen die Roben. „Es ist immer eine Herausforderung und wie Bildhauerei“, schwärmt Strauß.
Denn Farbe und Schnitt müssen zum Typ der Frau und zur Spargelzeit passen. Polyesterseide oder reine Seide werden wegen des Glanzes und des Standes gewählt. „Besondere Knallfarben, wie ich sie mag, gehen eigentlich nicht“, sagt Jakobs. Weshalb für die meisten der inzwischen zehn fabrizierten Kleider Pastelltöne passten. Nicht jede der Königinnen habe bereits eigene Vorstellungen. Aber „die meisten wollen ein Prinzessinnenkleid“, so die Schneiderinnen. Da solches Teil aber viel Platz braucht und nicht unpraktisch fürs Gehen, Sitzen, Reiten sein darf, muss genau geschaut und entworfen werden. Jakobs und Strauß blättern Zeitschriften und Bücher durch, diskutieren, wägen ab und finden mit der Königin immer einen Mittelweg. „Nicht jeder steht Rosa oder manche ist eher geeignet für den Landhausstil“, meint Jakobs. Völlig daneben gelegen haben sie noch bei keiner. Einen Favoriten unter ihren Kleidern hat Strauß nicht. Jakobs käme wegen des knalligen Lila das Kleid von Cindy Demko entgegen. Das war mit Farbe und Dekolleté ziemlich gewagt. Aber es funktionierte.

„Wir haben den Luxus, das machen zu können, was wir wollen“, freut sich Jakobs. Und mit einem Budget von 1000 Euro vom Spargelverein „können wir uns austoben“. Über den Wunsch von Michaela Kranepuhl, ein enges Kleid tragen zu wollen, freuten sich die Frauen: „Endlich mal wieder!!!“ Sie redeten der großen Blondine das Rosa aus und nahmen einen dunkleren Pflaumenton. Als extravagantes Detail gab’s den Puschel auf den Po. Und zur Überraschung rückt Michaela Strauß als „persönliche Beigabe“ immer noch ein kleines Täschchen heraus.

Von Claudia Krause

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg