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Kleine Käfer kommen groß raus

Borkheide Kleine Käfer kommen groß raus

Roland Gerhardt aus Berlin interessiert sich von jeher für Insekten. In aller Welt hat er kleine Käfer fotografiert, um sie – zum Tag des offenen Ateliers im Künstlerdomizil „Waldparadies“ n Borkheide – in großem Stil zu präsentieren. Nicht das Format ist ungewöhnlich, sondern auch die Arbeitsweise des Fotografen.

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Ringo Wülzt und Jannis Pieper aus Borkwalde betrachten die außergewöhnlichen Bilder.

Quelle: FOTOS: Andreas Trunschke (2)

Borkheide. Zwei große Leidenschaften in Kombination, hohe handwerkliche Kunst, eine über 50 Jahre währende Freundschaft und der Tag des offenen Ateliers mussten zusammenkommen, um eine eindrucksvolle Fotoausstellung in das Waldparadies nahe dem Bahnhof zu bringen.

Der Berliner Ronald Gerhardt hatte einst das Fotohandwerk von der Pike auf gelernt. Schon als 13jähriger besuchte er die Westberliner Insektenbörse. Die Beschäftigung mit den kleinen Tieren hat ihn nicht mehr losgelassen. Jetzt, im Rentenalter, bringt er beides zusammen und fabriziert Käferfotos in bestechender Detailschärfe auf das Großformat A0. Es sind seine eigenen Käfer, die er prachtvoll in Szene setzt. Sie stammen aus Madagaskar, Mexiko. Malaysia, Zentralafrika, kurz, aus der ganzen Welt.

Gastgeber und Fotograf schon lange befreundet

Klaus Herrmann, der gemeinsam mit seiner Partnerin Marlies Langrock das Künstlerdomizil „Waldparadies“ betreibt, kennt er seit Kinderjahren. „Er saß mit 17 praktisch bei mir in der Dunkelkammer. Später ist er Maler geworden, ich Fotograf“, so Gerhardt. „Wir haben uns nie aus den Augen verloren.“

Die Ausstellung findet Zuspruch. Gäste kommen vor allem aus der Umgebung und aus Berlin. Langrock freut sich besonders über Eltern mit Kindern, die gekommen sind. Sie alle erleben nicht nur Käfer, wie sie sie wohl noch nie gesehen haben, sondern erfahren auch manches Detail über die Insekten. Das Schillern einiger Käfer entsteht etwa durch die Reflexion sowohl auf dem hochglänzenden Chitinpanzer der Tiere als auch an einer darüberliegenden, hauchdünnen transparenten Schicht.

Verwalter bei Karl Bröhan

Ronald Gerhardt ist Jahrgang 1951, und freischaffender Fotograf.

Sein Handwerk hat er von 1971 bis 1973 im Lette-Verein in Berlin, einer Stiftung für schulische Berufsausbildung, erhalten. Er hat bei Foto-Wegert und später als Industrie-Fotograf gearbeitet.

Als er den bedeutenden Kunstsammler Karl H. Bröhan kennenlernt, erkennt jener sofort Ordnungssinn und Geduld und macht Gerhardt zum Depoverwalter, Konservator.

Als Bröhan den Großteil seiner Sammlung anlässlich seines 60. Geburtstages an das Land Berlin gibt, wechselt Gerhardt mit in den öffentlichen Dienst. Seit Juni 2016 ist er Rentner.

Bernd-Uwe Wienecke aus Borkheide ist überrascht davon, wie abstrakt die Käfer in der Größe wirken: „So sieht man sie sonst nicht.“ Er lässt sich erklären, wie man solche Fotos hinbekommt: „Im Nahbereich gibt es kaum Tiefenschärfe, so dass man nicht mit einem Bild auskommt. Aber mit einer „stacking“ genannten Methode lassen sich schichtweise Fotos der einzelnen Schärfeebenen aufnehmen und dann am Computer kombinieren.“ Gerhardt geht dazu in Viertelmillimeter-Schritten vor. Für die Kombination der Fotos am Rechner verlässt er sich auf entsprechende Programme, auf sein handwerkliches Geschick und auf seine ausgeprägte Geduld. Für jedes Endfoto braucht er 30 bis 40 Einzelaufnahmen sowie durchschnittlich drei Wochen Bearbeitungszeit. Für die Wiedergabe des Schillern eines Käfers sind gar mehrere Stacking-Reihen mit unterschiedlichen Ausleuchtungen erforderlich. Am erstaunlichsten ist, dass Gerhardts gesamtes Fotoequipment nicht mehr als eintausend Euro kostet: „Ich möchte den Amateurfotografen ermuntern, sich ebenfalls in den Makrobereich zu wagen.“ Die Verfahren hat Gerhardt allerdings weitgehend selbst entwickelt.

Kunstscheune soll noch vielfältiger genutzt werden

Ringo Wülzt und Jannis Pieper aus Borkwalde sind wie wohl alle Besucher von der Detailtreue der Fotos fasziniert. Pieper bewundert die „viele Arbeit, die detailreichen Strukturen der Käfer“. Wülzt überzeugt nicht nur die Ausstellung, sondern das Waldparadies samt Kunstscheune.

Herrmann und Langrock wollten nicht nur mit einem alten Freund tolle Fotos präsentieren. Für sie ist der Tag der offenen Ateliers auch Gelegenheit zur Werbung. Sie haben mit der Scheune von 1938 noch viel vor. Hier soll es künftig nicht nur Kunst geben. Beiden planen eine Begegnungsstätte im Grünen. Tatsächlich wird die liebevoll restaurierte und umgestaltete Scheune bereits für Musikproben, für Seminare und für Hochzeiten genutzt.

Von Andreas Trunschke

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