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Kleiner Mann für großen Pfarrsprengel

Schlalach Kleiner Mann für großen Pfarrsprengel

Der Theologe Dirk Matthies hat in Schlalach seinen neuen Wirkungskreis gefunden. Bleiben möchte der 56-Jährige dort nun mindestens bis zur Rente. Als Pfarrer ist der kleinwüchsige Mann mit der Statur eines Zwölfjährigen sowie seiner Liebe für Blumen und Fotografie dort herzlich aufgenommen worden.

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Der Theologe Dirk Matthies hat in Schlalach seinen neuen Wirkungskreis als Pfarrer gefunden.

Quelle: Andreas Koska

Schlalach. Sein Revier ist höchstwahrscheinlich größer, als das seines bekannten Namensvetters im „Großstadtrevier“ der ARD-Fernsehserie aus Hamburg. Dirk Matthies ist seit April vorigen Jahres als Pfarrer in Schlalach tätig und kürzlich fest auf der zuvor vakanten Stelle bestätigt worden. Zu seinem Sprengel gehören sieben Kirchen in sieben Dörfern, die in sechs Gemeinden zusammengeschlossen sind. Dafür darf der neue Pfarrer 70 Prozent seiner Arbeitskraft verwenden, der Rest ist für die Kirchengemeinde Treuenbrietzen reserviert, wo Matthies ebenfalls noch tätig ist.

Schon vor 40 Jahren – als 16-Jähriger – wusste er, was er will: „Mit Menschen arbeiten und die Bibel im Original lesen“, erzählt der 56-Jährige. Die Bibel gehörte damals neben dem Kommunistischen Manifest zu seinen Lieblingsbüchern. Vielleicht wollte Matthies deshalb zuerst Volkswirtschaft studieren, bevor er sich für Theologie entschied. Philosophie an sich ist ihm sehr wichtig.

„Auch wenn die Grundidee der Menschlichkeit in beiden Büchern durchaus ähnlich ist, ist mir der Atheismus zu aufgesetzt“, sagt der Geistliche. Er selbst geht nachdenklich aber auch humorvoll durchs Leben. Was sicher nicht immer einfach war und ist. „Ich bin nie gehänselt worden“, betont er ausdrücklich. Allerdings wurde im Elternhaus nie über sein Handicap, nämlich seine Größe, gesprochen. „Einzig beim Sport stand ich außerhalb und die Mädels heulten sich bei mir aus, da hatten wir gute Gespräche und ich war der Sorgeneimer, als Partner kam ich nicht in Frage“, erzählt der erwachsene Mann mit der Figur eines Zwölfjährigen. Er ist kleinwüchsig, mit den Proportionen eines Knaben.

„Ich sah einen Jungen durch unsere Kirche gehen und wollte ihn schon fragen, was er hier zu suchen hat, da sah ich, dass es der Pfarrer war“, erinnert sich Linthes Ortsvorsteher Ottheiner Kleinerüschkamp an seine erste Begegnung. Matthies übernahm im April 2016 die Vertretung in den verwaisten Gemeinden. Danach folgte die Bewerbung um das Amt, die Gemeinden sollten jede für sich entscheiden und entschieden sich für ihn. Im Frühjahr 2017 ist Matthies bestellt worden und hielt seinen Einführungsgottesdienst.

Den Fläming und seine Umgebung kannte Matthies schon. So hat er sich vor einigen Jahren den Gemeindekirchenräten in Golzow-Planebruch vorgestellt und war einige Monate als Krankenhausseelsorger in den Johanniter-Kliniken Treuenbrietzen tätig. Seine Kindheit verbrachte Matthies in Berlin-Charlottenburg, genauer gesagt im noblen Viertel Westend. „Da wohnten wir aber nicht in einer Villa, sondern in einer Laube in einer Kleingartenkolonie“, erzählt der Geistliche schmunzelnd.

In Berlin besuchte er die Grundschule und das Herder-Gymnasium. Im Jahr 1991 war er mit dem Theologie-Studium fertig, absolvierte das Vikariat und übernahm die Gemeinde Brielow/Marzahne nördlich von Brandenburg an der Havel.

Dort blieb er für fünf Jahre und begann danach die Ausbildung zum Krankenhausseelsorger. Diese Tätigkeit führt den Theologen anschließend unter anderem nach Lehnin und an das Wenckebach-Krankenhaus im Berliner Tempelhof.

Dirk Matthies hat ein Faible für Sonnenblumen, liebt Rosen und Tulpen und hat eine Maxime für seine seelsorgerische Arbeit. „Nimm dir Zeit für die Menschen und habe immer ein offenes Ohr“, betont der Pfarrer. Denn die Theologie im Alltag, kann auch in die Tiefe gehen, ist er überzeugt.

In Schlalach und den anderen Gemeinden, zu denen Alt Bork und Deutsch Bork, Jeserig, Niederwerbig, Brachwitz sowie Linthe gehören, will er bleiben.

Die Gemeinden haben sich an seine ungewöhnliche Erscheinung gewöhnt. Matthies ist bei allen Dorffesten präsent – mit einem Fotoapparat um den Hals. Fotografieren ist eines seiner Hobbys. Ein zeitliche Begrenzung der Berufung auf die neue Pfarrstelle gibt es nicht. Doch könnte sie zehn Jahre betragen und am 1. April 2027 enden. Dann wird Dirk Matthies sein Rentenalter erreicht haben.

Von Andreas Koska

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