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Kleinmachnow wählt am 1. Advent

Bürgermeisterwahl: Grubert gegen Bastians Kleinmachnow wählt am 1. Advent

Am kommenden Sonntag können 16 406 Kleinmachnower entscheiden, ob Michael Grubert (SPD) weitere acht Jahre Bürgermeister bleibt oder Uda Bastians (CDU) künftig auf dem Chefsessel der Gemeinde sitzt.

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Zwei, die um den Chefsessel ringen: Uda Bastians und Michael Grubert an der Tür des Kleinmachnower Rathauses.

Quelle: Christel Köster

Kleinmachnow. Für die Kleinmachnower wird der 1. Advent 2016 sicher in besonderer Erinnerung bleiben. Denn der Sonntag steht nicht nur im Zeichen von Kerzen und Plätzchen, sondern auch von Politik vor der Haustür. 16 406 Berechtigte sind in der Gemeinde, die inzwischen 20 625 Einwohner hat,   aufgerufen, am 27. November ihren Bürgermeister zu wählen. Zur Wahl gestellt haben sich Michael Grubert (SPD), der seit April 2009 auf dem Chefsessel im Rathaus sitzt, und die Christdemokratin Uda Bastians, die vor mehr als zehn Jahren zugezogen und von CDU und FDP nominiert worden ist. Seit Jahren wirkt sie bereits in der Kommunalpolitik mit.

Und so, wie die Gemeinde gemeinhin als gut gebildet und fein gilt, verlief auch der Wahlkampf entsprechend friedlich und „100-prozentig sauber“, wie der 57-jährige Amtsinhaber und seine 44-jährige Herausforderin der MAZ bestätigten. Der Ton auf den Wahlforen und im Umgang miteinander sei „sehr vernünftig“ gewesen, so Bastians. Während des gemeinsamen MAZ-Fototermins am Rathaus grüßten sich nicht nur die Kontrahenten freundlich, sondern auch etliche Passanten die Politiker. Auf Rädern vorbei fahrende Kids riefen locker „Hallo Uda, Hallo Michael“. Klar, hatte auch mal der Regen ein Plakat erwischt und Witzbolde malten dem Kandidaten die Schneidezähne schwarz oder verpassten der Kandidatin ein Oberlippenbärtchen. Beide Kandidaten versicherten, „viel Zuspruch von den Menschen“ bekommen zu haben. Beide gestanden aber auch, neben den Schwerpunktthemen wie Wohnungsbau und Verkehr von Bürgern auf kleine Alltagssorgen gestoßen worden zu sein, die bislang unbeachtet geblieben sind.

Uda Bastians

MAZ: Wenn Sie Bürgermeisterin werden – welche größte Baustelle wollen Sie als erstes angehen?

Uda Bastians: Es sind nicht zuerst Einzelthemen. Ich möchte eine andere Beteiligungskultur in den Ort bringen. Sie soll alle Gruppierungen und Bürger informieren, einbeziehen und aktivieren mitzumachen. Da geht mehr als ein Bürgerhaushalt. Und natürlich bin auch ich für vernünftige Verkehrslösungen, sichere Gehwege und bezahlbaren Wohnraum.

MAZ: Wie schwer war es, sich als Neue im Ort bekannt zu machen?

Bastians: Gar nicht schwer. Ich war bereits in der Kita „Ameisenburg“ und in der Grundschule „Auf dem Seeberg“ Elternvertreterin. Im Gemeinderat war ich sachkundige Einwohnerin, seit 2014 bin ich gewählte Gemeindevertreterin der CDU. Und durch meine Plakate bin ich gut zu erkennen.

MAZ: Was meinen Sie, als Frau auf dem Chefsessel besser zu machen?

Bastians: Entscheidend ist, dass ich sehr offen, kommunikativ und den Menschen zugewandt bin, mit ihnen enger in Beziehung trete. Das praktiziere ich schon beim Städtetag bei schwierigen sozialpolitischen Fragen. Und dann ist eine Frau an der Spitze ja auch mal ein gutes Signal.

MAZ: Und wenn Sie die Wahl verlieren?

Bastians: Dann wäre ich enttäuscht. Ich will ja gewinnen. Aber ich würde weiter politisch aktiv bleiben.

Geboren wurde Uda Bastians 1972 in der Nähe von Osnabrück.

Die promovierte Volljuristin hat Verwaltungs- und Kommunalerfahrung durch die Arbeit im Bundessozialministerium und beim Landkreistag Brandenburg. Zurzeit setzt sie sich als Referentin beim Deutschen Städtetag für die Interessen der Kommunen ein.

In Kleinmachnow ist sie derzeit Mitglied des Haupt-, Finanz- und Kita-Werksausschusses sowie des Gewog-Aufsichtsrates.

Vor über zehn Jahren ist sie mit ihrem Mann Wolf Osthaus und den beiden Kindern von Berlin nach Kleinmachnow gezogen.

Bastians hatte einen Jahresurlaub für den Wahlkampf geopfert und war mit ihren Flyern „viel unterwegs“ gewesen. Grubert ließ die Amtsgeschäfte nicht links liegen, nahm sich jetzt seit Mittwoch für den Endspurt drei U-Tage. Seit 22. Oktober stand er an den Wochenenden immer mit Infomaterial und Baumwollbeuteln auf Märkten und Plätzen. Vor acht Jahren hatte er sich „eher als Außenseiter“ gegen vier Männer und eine Frau durchsetzen müssen und siegte in der Stichwahl gegen den Linken und Ur-Kleinmachnower Hans-Jürgen Warnick. Leichter soll es diesmal bei nur einer Konkurrentin nicht gewesen sein. Nur zwei Kandidaten „polarisieren mehr“, findet Grubert. „Ich glaube aber, dass die Bürger jetzt schon mehr entschieden sind“.

Eine Stichwahl hält er für unwahrscheinlich. Die Kleinmachnower sind ein Wahlvolk. Das nötige Quorum liege laut Wahlleitung bei 2461 Wählern. Der Sieger muss also die Mehrheit der Stimmen haben und diese müssen 15 Prozent (Quorum) der Wahlberechtigten ausmachen. Bis gestern gab es bereits 1960 Briefwahlanträge. Bei der Landratswahl im September lag die Wahlbeteiligung mit 39,5 Prozent über der im mittelmärkischen Gesamtmaßstab (28,6). Bei der Gemeindevertreter- und Kreistagswahl 2014 gingen je rund 64 Prozent der Kleinmachnower an die Urnen.

Am Sonntag ab 18 Uhr ist der Bürgersaal im Rathaus Kleinmachnow für alle Interessenten geöffnet. Dann werden auch Grubert und Bastians dort sein.

Michael Grubert

MAZ: Wenn Sie Bürgermeister bleiben – welche unerledigte Baustelle aus der alten Amtsperiode liegt Ihnen am schwersten im Magen?

Michael Grubert: Ich habe keine unvollendeten Baustellen. Es ist nichts liegen geblieben, alle Prozesse laufen. Zum Beispiel die Vorbereitungen für den Wohnungsbau am Stahnsdorfer Damm und den gemeinsamen Bauhof. Froh bin ich auch, dass wir die Baugenehmigung für die weitere Freibadsanierung bekommen haben und ab August 2017 beginnen können. Aber sofort anschieben werde ich den Bau der 30 bis 35 seniorengerechten Wohnungen an der Förster-Funke-Allee.

MAZ: Welche Kritik im Wahlkampf hat Sie besonders getroffen?

Grubert: Wenn es eine Respektlosigkeit gibt und mir einfach jemand ohne Argumente sagt, „Was Sie in acht Jahren gemacht haben, ist alles Müll.“

MAZ: Was meinen Sie als Mann im Chefsessel besser machen zu können als eine Frau?

Grubert: Ich glaube nicht, dass das Geschlecht ein Kriterium ist. Es zählen Kompetenz in der Verwaltung, Führungsqualitäten und ein offenes Wesen. Ich denke, das habe ich.

MAZ: Haben Sie einen Plan B, wenn Sie die Wahl verlieren?

Grubert: Ich gehe davon aus, eine 2. Amtszeit zu erhalten und gemeinsam mit allen den Ort zu gestalten.

Michael Grubert ist 1959 in Djakarta (Indonesien) geboren, knapp zwei Jahre später zog die Familie nach Südafrika um. Seit dem 8. Lebensjahr ist er in Deutschland.

Er hat Rechtswissenschaften und Politologie an der FU Berlin studiert und war von 1988 bis 1991 juristisch tätig. Von 1991 bis 2009 war er Geschäftsführer der Gewog Kleinmachnow und von 1996 bis 1997 gleichzeitig kaufmännischer Vorstand der Gemeinnützigen Baugenossenschaft in Berlin/Steglitz. Im April 2009 wurde er Bürgermeister von Kleinmachnow, wo er seit 1996 lebt.

Grubert ist verheiratet und hat vier Kinder, drei davon erwachsen.

 

Von Claudia Krause

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