Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kleinmachnow Ein „Stolperstein“ im Goldenen Buch
Lokales Potsdam-Mittelmark Kleinmachnow Ein „Stolperstein“ im Goldenen Buch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:28 13.05.2018
Die Aktionsgruppe „Stolpersteine“ in Kleinmachnow mit Martin Bindemann (mit Buch) trug sich in das Goldene Buch der Gemeinde ein. Quelle: Stephan Laude
Kleinmachnow

Das Goldene Buch von Kleinmachnow ist um einen Eintrag reicher: Die Gemeinde ehrte – nicht zufällig am Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Hitlerfaschismus – die Aktionsgruppe „Stolpersteine“. Die Initiative hat im Straßenbild von Kleinmachnow bislang 22 Stolpersteine in den Boden einbringen lassen. Mit den kleinen Messingplatten wird an Menschen erinnert, die ihren letzten freien Wohnsitz in der Gemeinde hatten, ehe sie unter der Naziherrschaft Opfer von Vertreibung, Emigration und Deportation wurden. Die Nazis ermordeten viele.

Der Aktionsgruppe, die sich unter dem Dach der Evangelischen Auferstehungs-Kirchengemeinde zusammengefunden hat, gehören Martin Bindemann, Geraldin Fritzsche, Monika Hagen, Jutta Elsholz, Marion Krajewski, Cordula Persch, Bettina Dragunsky, Benedikt Baier, Clara Tonne und Elisabeth Murzynik-Marquardt, an. Die beiden Letztgenannten konnten terminlich nicht an der Veranstaltung im Rathaus teilnehmen. Sie werden ihre Unterschrift auf der von dem Künstler Rainer Ehrt gestalteten Seite im Goldenen Buch nachtragen.

Erster „Stolperstein“ wurde 2008 in den Boden eingelassen

Seit 2005 recherchierte die Gruppe in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein historische Zeugnisse zu der Zeit zwischen 1933 und 1945 und machte die Ergebnisse im Rahmen des von dem Kölner Künstler Gunter Demnig initiierten bundesweiten Stolperstein-Projekts für das kollektive Gedächtnis verfügbar. Auf den Tafeln sind der Name, das Geburtsdatum und – soweit bekannt – der Todestag der einstigen Anwohner eingraviert. Der erste Stolperstein in Kleinmachnow wurde 2008 in den Boden eingelassen. Mit der Stele „Für den Mut und das Überleben“ auf dem Margarete-Sommer-Platz würdigt die Gemeinde seit 2014 zudem die „Stillen Helden“, die Verfolgten Schutz und Hilfe geboten hatten.

Die jetzige Eintragung ins Goldene Buch ist die zweite, mit der eine ganze Gruppe von Kleinmachnowern geehrt wurde. 2011 trugen sich der Pfarrer Dieter Langhein und sein Team in das Buch ein. Sie hatten Hilfstransporte nach Rumänien organisiert. Die Gruppe kam ebenfalls aus der Auferstehungs-Kirchengemeinde.

Überzeugungen sind wichtiger als Spenden

Bürgermeister Michael Grubert (SPD) sagte bei der Ehrung der Aktionsgruppe Stolpersteine, es sei traurig, dass jetzt noch jüdische Einrichtungen besonders gesichert werden müssten. Es dürfe nicht sein, dass in der Zeit von Rechtsstaat und Demokratie Juden oder andere Bevölkerungsgruppen wegen ihrer Religionszugehörigkeit Angst haben müssten wie in der Zeit des Nationalsozialismus. „Nicht nur der Staat, wir alle müssen dagegen einschreiten“, forderte Grubert vor dem Hintergrund einer steigenden Zahl antisemitischer Angriffe. Jedem müsse klargemacht werden, dass Judenfeindlichkeit unerträglich sei, egal ob sie von Deutschen oder Zuwanderern ausgehe. Niemandem dürfe gleichgültig sein, wenn in Reden oder Musiktexten Gewalt verherrlicht werde.

Diakon Martin Bindemann, der Kopf der Aktionsgruppe, erinnerte in seiner Dankesrede daran, dass die ersten Gespräche mit Kleinmachnowern zu dem Vorhaben, „oft ernüchternd“ gewesen seien. „Da mussten wir manchmal schlucken.“ Nachdem der erste Stein gesetzt war, sei die Initiative aber mehr und mehr positiv aufgenommen worden, sagte Bindemann. Unterstützung kam zum Beispiel von der Kleinmachnower Jazzband. Bei einer Spendenaktion spielten die Musiker immer erst weiter, wenn wieder fünf Euro dazugekommen waren. Aber das Spendensammeln stand bei der Aktionsgruppe nie im Vordergrund. „Es ging darum, Überzeugungen auszulösen“, sagte Bindemann. Im nächsten Jahr soll ein weiterer Stolperstein verlegt werden.

Von Stephan Laude

Das Pkw-Center in Kleinmachnow zieht nach Teltow. Dort entsteht auf einem eigenen Grundstück eine moderne Niederlassung. Ein Interessent für den Standort in Kleinmachnow hat sich noch nicht gemeldet.

11.05.2018

Im Streit um einen Steg am Teltowkanal hat das Landgericht Potsdam jetzt entschieden, dass die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung Berlin keinen Nutzungsvertrag mit dem Ruderclub abschließen muss.

10.05.2018

Die Gebäude der Berlin-Brandenburg International School (BBIS) in Kleinmachnow haben eine wechselvolle Geschichte. Sie waren Waffenschmiede der Nazis und später Parteihochschule „Karl Marx“ der SED.

06.05.2018