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Kleinmachnow Fünf Bogenschützen gesucht: So wollen die Jäger der Wildschweinplage Herr werden
Lokales Potsdam-Mittelmark Kleinmachnow Fünf Bogenschützen gesucht: So wollen die Jäger der Wildschweinplage Herr werden
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00:20 15.03.2019
Eine Pfeilspitze für die Jagd mit dem Bogen. Damit könnte man Wildschweine schießen. Quelle: Gemeinde Stahnsdorf
Region Teltow

„In ein bis zwei Monaten sollte die Genehmigung für die Bogenjagd in Stahnsdorf und Kleinmachnow da sein. Spätestens!“, verspricht Jens-Uwe Schade, Pressesprecher des brandenburgischen Landwirtschaftsministeriums. Seit Freitagnachmittag ist bekannt, dass diese erteilt werden soll, jetzt müssen noch die Rahmenbedingungen geklärt werden. Fest steht, dass es sich um ein Pilotprojekt handelt, das wissenschaftlich begleitet wird.

Dabei sollen sowohl der Erfolg der Maßnahme überprüft, als auch die tierschutzgerechte Tötung sowie die Gefährdungsbeurteilung untersucht werden. Anfang nächster Woche soll die Ausschreibung dafür erfolgen. Universitäten und wildökologische Forschungsinstitute – möglichst mit Vorkenntnissen – zählen zu den Einrichtungen, die damit angesprochen werden sollen.

>>Lesen Sie auch: Kommentar zur Bogenjagd auf Wildschweine

Allein in Brandenburg gebe es mehrere mögliche Stellen. Sechs Wochen dauert die Ausschreibung höchstens, vielleicht ist auch ein verkürzter Zeitraum möglich, hofft Schade. Die Kosten für das Vorhaben benennt er mit einem mittleren fünfstelligen Betrag, der noch im Haushalt bereitgestellt werden muss. Egal, wann die Genehmigung erteilt wird, sie endet in jedem Fall Ende Januar 2020.

Stahnsdorf ist glücklich

„Es ist in Ordnung, dass man es dokumentieren möchte. Der Tierschutz hat einen hohen Stellenwert“, ist Bernd Albers (Bürger für Bürger), Stahnsdorfs Bürgermeister, mit der Auflage einverstanden. Wichtig sei, dass Jagdmethoden zur Verfügung stünden, die auch im Siedlungsgebiet möglich seien. „Die Bogenjagd ist gefahrloser und die Jäger sind auch bereit, damit im Ort zu jagen“, fasst er die Vorteile zusammen. „Wir sind glücklich. Endlich kann dort gejagt werden, wo die Schweine sind.“

Auch Jagdpächter Peter Hemmerden findet die Begleitung gut: „Das war Bestandteil meines Antrages.“ Dadurch sollen weitere Erkenntnisse gewonnen werden. Es gebe zwar aus den Randgebieten von Madrid bereits positive Ergebnisse, aber man wolle „hier in Deutschland unter unseren Bedingungen Erfahrungen sammeln.“

Jagdpächter ist bereits Bodenjäger

Eine weitere Voraussetzung für die Erteilung der Genehmigung ist, dass die Bogenjäger einen Jagdschein, ein Zertifikat des europäischen Bogenjagdverbandes sowie ausreichenden Versicherungsschutz haben. Die Genehmigung wird auf Hemmerden lauten, der gemeinsam mit Jörg Fenske die Jagdpacht für Stahnsdorf und Kleinmachnow inne hat. Überträgt er die Erlaubnis an weitere Jäger, müssen diese nicht nur die gleichen Voraussetzungen erfüllen, sondern auch von ihm zuvor namentlich an das Land gemeldet werden.

Peter Hemmerden (r.) und Jörg Fenske sind die zuständigen Jagdpächter für Kleinmachnow und Stahnsdorf. Quelle: Gesine Michalsky

Hemmerden selbst ist bereits Bogenjäger. Für die nötige Prüfung hat er im eigenen Revier trainiert, an Stellen, wo er mit Sicherheit niemanden in Gefahr bringen würde. Um die Technik kennenzulernen, würde es aber auch reichen, zu Beginn auf eine Scheibe zu schießen, ist er überzeugt.

Seine Ausrüstung hat insgesamt rund 2500 Euro gekostet, gute Jagdbögen gebe es ab rund 800 Euro, dazu kommen dann noch Zubehörteile wie Köcher, Pfeile oder Visier. Die Kosten seien durchaus mit jenen eines Jagdgewehrs vergleichbar. Wichtig sei es bei der Anschaffung vor allem, von Anfang an den Bogen zu verwenden, den man später auch für die Jagd nutzen möchte.

Kein Bogenjagdtourismus

Tatsächlich möchte er ein Team von etwa fünf Bogenschützen aufbauen – Bewerbungen gibt es bereits knapp zehn, doch darunter sind auch welche ohne Bogenjagdschein oder von weit her. „Es wird kein Bogenjagdtourismus stattfinden, wir nehmen nur erfahrene Jäger und niemanden, der bisher nur auf Scheiben geschossen hat“, verspricht er. „Wir gehen von sehr strengen Auflagen aus. Die Verantwortung ist sehr hoch, wir wollen das auch sehr professionell und zielführend machen.“

Hemmerden sieht mehrere Vorteile in dieser Methode, ein Wildschwein zu erlegen. So sei sie leiser, die Rotte gerate daher nicht in Panik. Doch auch beim Bogenschießen gibt es ein Geräusch: Sobald die Sehne des modernen Compoundbogens den meist 30 Gramm schweren Pfeil abgibt, entsteht der sogenannte Sehnenschlag.

Bei einer maximalen Distanz von 25 Metern hören die Tiere diesen aber höchstens erst, wenn das Opfer schon getroffen ist, erklärt Hemmerden, der sagt, dass er mit Pfeil und Bogen absolut treffsicher sei. „Auf 25 Meter treffe ich einen Bierdeckel und kleiner.“ Eines ist ihm auf jeden Fall besonders wichtig: „Die Sicherheit geht absolut vor – und bei allem, was ich tue, darf von mir keine größere Gefahr ausgehen als von den Schweinen.“

Wildschwein kann verzehrt werden

Außerdem verliere der Jagdpfeil, der mit rund 90 Meter pro Sekunde fliegt, das meiste seiner Geschwindigkeit im Tierkörper, sagt Jan Riedel, erster Vorsitzender des deutschen Bogenjagdverbandes. Der Pfeil tritt also nicht wieder aus dem Tier aus, was bei einem Projektil, das auf rund 1000 Meter pro Sekunde beschleunigt, ein Risiko sein kann.

Ein Pfeil erzeuge zudem keine Querschläger und die Qualität des Wildbrets sei besser, da beim Erlegen kein Adrenalin vom Tier freigesetzt werde. Entgegen anderslautender Meldungen der vergangenen Tage können auch so erlegte Wildschweine vom Menschen verzehrt werden, bestätigt Ministeriumssprecher Schade.

Auch Wildschweine, die mit einem Pfeil erlegt wurden, können ohne Bedenken verzehrt werden, sagt Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade. Quelle: Ralf Hirschberger/DPA

„Überall auf der Welt werden Wildtiere mit Pfeil und Bogen erlegt und das erbeutete Fleisch wird von Menschen gegessen. Ich finde das Fleisch sehr zart und schmackhaft. Meine Kinder und ich haben bislang noch keine negativen Nebenwirkungen erkennen können“, versichert Riedel.

Jäger, die im urbanen Bereich Wildschweine mit Pfeil und Bogen erlegen sollen, müssen nicht nur den deutschen Jagdschein schon seit mehreren Jahren besitzen und mehr als drei Jahre Jagderfahrung vorweisen, sondern auch Prüfungen über die Bogenjagd ablegen, darunter einen internationalen Schein.

>> Diskutieren Sie mit: Beim MAZ-Talk zum Thema Wildschweine am 12. März in Kleinmachnow!

Von Konstanze Kobel-Höller

Das brandenburgische Agrar-und Umweltministerium will die Bogenjagd in Kleinmachnow und Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark) erlauben. Bis zur Genehmigung dauert es jedoch noch ein wenig.

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