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Kleinmachnow Land unter in Klein Moskau
Lokales Potsdam-Mittelmark Kleinmachnow Land unter in Klein Moskau
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19:23 12.03.2019
Jörg Wolgem, Sprecher der Gartensiedlung, mit einem Nachbarn am defekten Hauptgraben des Entwässerungssystems. Quelle: Gesine Michalsky
Kleinmachnow

Klein Moskau, wie die 80 Parzellen umfassende Siedlung zwischen dem Seniorenstift Augustinum und dem NH-Hotel am Teltowkanal in Kleinmachnow gern genannt wird, ist nach wie vor eine planerische Baustelle. Auch wenn im vergangenen Jahr dank der Aufstellung eines gültigen Bebauungsplanes durch die Gemeinde Kleinmachnow die Ringweg-Siedlung als Gartensiedlung gesichert wurde, stehen die meisten Grundstücke leer und sind weiterhin dem Verfall preisgegeben.

Das Problem ist die Entwässerung, da sind sich Gemeinde und die Interessengemeinschaft der Eigentümer einig. „Die Entwässerung funktioniert nicht mehr“ schrieb Bauamtsleiter Jörg Ernsting vor einem Jahr an die Eigentümer und stellte weiter fest: „Das Entwässerungssystem sollte dringend rekonstruiert werden, damit in Zukunft verbesserte Voraussetzungen zur Nutzung der Grundstücke zur Erholung und in Einzelfällen zum Wohnen bestehen.“

Lage der Gartensiedlung in Kleinmachnow. Quelle: Detlev Scheerbarth

Die rund 700 Quadratmeter messenden Grundstücke stehen stellenweise knöcheltief unter Wasser und bieten seit Jahren vor allem Wildschweinen ein außerordentlich beliebtes Rückzugsgebiet. Für die Eigentümer, die die Entwässerung – sei es unterirdisch verrohrt oder als Grabensystem – auf ihrem Grundstück gepflegt haben, ist die Situation unerträglich. „Wir wollen nicht die Slums von Kleinmachnow werden“, klagt ein Kleinmachnower Ehepaar, das sich seit rund einem Jahr auf ihre Freizeit in dem neu hergerichteten Garten freut. Ihr Grundstück haben sie günstig erworben und ein neues Häuschen hingesetzt. Ihr Garten ist unter der Oberfläche verrohrt und damit eine trockene Insel, umgeben von verwahrlosten Gärten mit wilden Mülldeponien.

Teltowkanal-Arbeiter gründeten die Siedlung

Ihren Spitznamen Klein Moskau erhielt die Siedlung bei ihrer Gründung 1924 wegen des genossenschaftlichen Charakters bei der Aufteilung ihrer Parzellen. Die Ringweg-Siedlung wurde von Teltowkanal-Arbeitern gegründet.  

 Gebaut wurde auf dem morastigen Grund der ehemaligen Bäke. Zur Entwässerung haben die ersten Siedler ein Grabensystem von Nord nach Süd in Richtung Teltowkanal aufgebaut.

Vertraglich geregelt war, dass jeder bei der Pflege und Instandsetzung der Gräben mithelfen musste.

Gebaut werden heute wieder Häuser und zwar auf Pfahlkonstruktionen. Keller werden nicht genehmigt.

Die Lage in der Siedlung strapaziert die Nerven der Nutzer. Ein Lichtblick sei, sagen sie, dass man den Austausch untereinander und mit der Verwaltung pflege. Deswegen möchte man auch endlich Verantwortung übernehmen. „Wir haben eine Interessengemeinschaft gegründet und treffen uns seit einem Jahr alle acht Wochen mit dem Leiter des Tiefbauamtes der Gemeinde“, berichtet Jörg Wolgem, der Sprecher der privaten Grundstückseigentümer in der Ringweg-Siedlung.

Ohne Gemeinde machtlos

Ohne die Mitarbeit der Gemeinde könne man das Entwässerungssystem alleine nicht wiederherstellen, denn die nicht gepflegten und deswegen verstopften Rohre und Gräben verlaufen auch unter gemeindeeigenen Straßen und durch zahlreich leerstehende Grundstücke, von denen sogar zwei der Gemeinde gehören.

Die durchhaltewilligen und aktiven Eigentümer belohnt die Gemeinde zwar seit Neuestem mit Baugenehmigungen nach dem Grundsatz: Wer seine Entwässerung funktionsfähig macht, darf statt 30 doppelt so viel Fläche bebauen, nämlich 60 Quadratmeter. Ein erster guter Schritt, finden die Betroffenen – aber, ohne ein Gesamt-Konzept für die Entwässerung belaste die erhebliche Verwahrlosung in der Kleinmachnower Gartensiedlung die Freude auf Erholung im eigenen Garten enorm.

Von Gesine Michalsky

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