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Kleinmachnow Verein zum Schutz missbrauchter Kinder droht das Aus!
Lokales Potsdam-Mittelmark Kleinmachnow Verein zum Schutz missbrauchter Kinder droht das Aus!
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00:25 20.08.2018
Am Modell eines Gerichtssaales wird den Kindern eine Verhandlung erklärt, um ihnen bei notwendigen Aussagen die Angst davor zu nehmen. Quelle: Stephan Laude
Kleinmachnow

Das Sozial-Therapeutische Institut Berlin-Brandenburg (Stibb) in Kleinmachnow zieht um. Die neuen Räume sind fast fertig. Einer der ersten Besucher war am Freitag Justizminister Stefan Ludwig (Linke). Er brachte einen Scheck über 34 000 Euro mit. Das ist die Förderung für dieses Halbjahr. Klar, dass sich die Vereinsvorsitzende Annelie Dunand freut. Aber: Der Verein, der sich um kindliche Opfer sexueller Gewalt und deren Familien kümmert, braucht auch ab Januar 2019 wieder Geld. Er kämpft darum, nicht über Projektförderung unterstützt zu werden, sondern mit normalen Haushaltsmitteln. „Wenn es kein Geld gibt, fällt die aktuelle Hilfe für die Opfer und ihre Familien weg. Unsere Mitarbeiter können nicht weiterbeschäftigt werden“, sagt Dunand. Mit dem Kindertreff am Stern und dem Haus der Prävention betreibt das Stibb auch zwei Häuser in Potsdam.

Im Sozialtherapeutischen Institut Berlin-Brandenburg in Kleinmachnow im Gespräch: Betriebsleiter Joël Dunand, Justizminister Stefan Ludwig (Linke) und Vereinsvorsitzende Annelie Dunand (v. l.). Quelle: Stephan Laude

Den Verein gibt es seit 25 Jahren. Die angesprochenen Politiker sind immer beeindruckt von der Arbeit. Da bildete Ludwig keine Ausnahme. Aber ein Weg zur institutionellen Förderung des Stibb ist bislang nicht gefunden. Beim Land heißt es, die Regel bei Vereinen sei die Projektförderung. Sie müssen ständig neue Anträge stellen und auf deren Bewilligung hoffen, um weiterarbeiten zu können.

Was auch immer das nächste Jahr für das Stibb bringt – seine neuen Räume am Driftkamp hat es für die nächsten zehn Jahre sicher. Der alte Standort am Zehlendorfer Damm musste aufgegeben werden, weil die Vermieterin das Haus verkauft hat. Es selbst zu erwerben war zu teuer. Aus Kleinmachnow wollte der Verein nicht weg, weil er dort – obwohl landesweit tätig – Unterstützung von der Gemeinde bekommt.

Plüschtiere gehören im Sozialtherapeutischen Institut Berlin-Brandenburg in Kleinmachnow zur therapeutischen Arbeit dazu. Quelle: Stephan Laaude

Die neuen Räume bieten mit 220 Quadratmetern mehr Platz als im alten Haus, dafür ist der Garten kleiner. Hinter den Mitarbeitern liegen Wochen harter Arbeit. So haben sie, um Handwerkerkosten zu sparen, Fußböden verlegt und Sitzkissen genäht. Bei all dem durften natürlich die eigentlichen Aufgaben nicht vernachlässigt werden.  

Altersdurchschnitt beträgt neun Jahre

In diesem Jahr bisher 331 Einzelfälle erfasst, zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. 201-mal waren Mädchen betroffen, 130-mal Jungen.

In 136 Fällen hatten sich die Mütter der betroffenen Kinder an den Verein gewandt. Sie bildeten die größte Gruppe, gefolgt von sozialen Diensten. Väter meldeten sich 14-mal.

Der Altersdurchschnitt der Klienten betrug bei den Mädchen 9,99 Jahre, bei den Jungen 9,41 Jahre.

Die größte Gruppe, die sich bei Beratungsbeginn der Verdacht sexuellen Missbrauchs richtete, war die der Väter (95-mal). Die zweitgrößte Gruppe bildeten Kinder. Elfmal betraf es Stiefväter.

Leitmotiv bei der Gestaltung der neuen Räume war: Bloß keine Klinikatmosphäre! Alles wirkt familiär. An einer Wand hängen neun Zeichnungen: die bittere Chronologie einer Missbrauchsgeschichte. Die Bilder hat eine Frau gezeichnet, als sie schon älter als 35 Jahre war. Dabei sehen sie aus wie Kinderzeichnungen. Sie reflektieren ja auch Erlebnisse aus der Kindheit. „Zeichnen ist eine Form der Aufarbeitung“, sagt Dunand. „Genau wie Musik.“ In einem anderen Raum steht das Modell eines Gerichtssaals. Dort soll den Kindern die Angst vor einem Gerichtstermin genommen werden. Ihnen wird erklärt, wie ein Gericht arbeitet, wo der Richter und der Angeklagte sitzen, der Staatsanwalt, der Verteidiger, die Zeugen. „Wir versichern den Kindern auch, dass wir immer in der Nähe sitzen“, erklärt Christine Hahn, die psychosoziale Prozessbegleiterin. Oft bereiten ihr die baulichen Voraussetzungen an den Gerichten Kummer. Auf dem Land fehle es vielfach an Zeugenzimmern. Die jungen Missbrauchsopfer müssten auf dem Flur von ihren Peinigern abgeschottet werden. Bei den Gerichten in Großstädten sei die Situation besser, so Hahn.

Von Stephan Laude

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