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Kleinmachnow Pflegeberatung noch unbekannt
Lokales Potsdam-Mittelmark Kleinmachnow Pflegeberatung noch unbekannt
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20:24 23.07.2018
Gilta Haensch aus Kleinmachnow ist Pflegeberaterin und bedauert, dass viele Leute ihren Anspruch auf Pflege nicht kennen. Quelle: Konstanze Kobel-Höller
Kleinmachnow

„Die Pflegeberatung ist so unbekannt, dass die Leute noch nicht einmal wissen, dass sie ihnen zusteht“, kritisiert Gilta Haensch aus Kleinmachnow die aktuelle schlechte Situation in diesem Bereich. Sobald jemand einen Pflegegrad auch nur beantragt, haben er und seine Angehörigen einen Anspruch darauf, umfangreiche Informationen über finanzielle Zuwendungen, Hilfestellungen, Pflegestellen oder Hilfsmittel, aber auch Unterstützung beim Ausfüllen von Anträgen zu bekommen. Pflegeberater zeigen Ansprüche auf und stellen Versorgungspläne auf. Sie wissen, dass es bei jedem Pflegegrad einen Entlastungsbeitrag von 125 Euro monatlich gibt, der auch ein Jahr lang angespart und etwa dann genutzt werden kann, wenn der Betreuer oder die Betreuerin in den Urlaub fahren und dafür Kurzzeitpflege nutzen möchten.

Größtes Problem: demographischer Wandel

„Viele Gelder verfallen, weil die Leute nicht wissen, dass sie Anspruch darauf haben“, betont Haensch und berichtet etwa von Betroffenen, die mit Händen und Füßen die Treppen nach oben kriechen – weil sie nicht wissen, dass sie ein Anrecht auf Unterstützung in Höhe von 4000 Euro pro baulicher Anpassung haben. Pflegeberater durchblicken aber auch den Dschungel der Pflegedienste, suchen mit den Betroffenen geeignete Anbieter heraus – ohne an Empfehlungen gebunden zu sein, also unabhängig.

„Das größte Problem ist aus meiner Sicht der demographische Wandel. Wir werden es ohne Unterstützung von Laien nicht schaffen. Nur die professionelle Hilfe reicht nicht“, kommentiert Haensch die Pflegesituation in Deutschland: Nur ein Viertel der pflegebedürftigen Menschen lebt in Pflegeheimen, die überwiegende Mehrheit wird also zu Hause betreut. Dort übernehmen die ambulanten Pflegedienste nur neun Prozent der Arbeit. 91 Prozent der Betroffenen werden dagegen von Angehörigen betreut. Im Laufe ihrer eigenen pflegerischen Tätigkeit ist Haensch dabei schon auf alle Möglichkeiten gestoßen: Von der selbst schon 80-jährigen Ehefrau, die aus Pflichtbewusstsein ihren Ehemann betreut, bis zum schulpflichtigen Kind, das sich um seine pflegebedürftige Mutter kümmert, war alles dabei. „Aber immer mehr pflegende Angehörige landen im Burn-out“, warnt sie.

Bis 2040 etwa acht Prozent pflegebedürftig

Im Land Brandenburg leben gegenwärtig rund 112 000 pflegebedürftige Menschen. Das sind 4,5 Prozent der Gesamtbevölkerung des Landes. Wegen der demographischen Entwicklung wird dieser Anteil bis zum Jahr 2040 auf voraussichtlich acht Prozent ansteigen.

In Potsdam-Mittelmark leben derzeit 6800 pflegebedürftige Menschen. Ihre Zahl wird bis zum Jahr 2040 auf geschätzt bis zu 13 300 ansteigen.

Landesweit arbeiten derzeit 19 Pflegestützpunkte für bedürftige Menschen. Jeder von ihnen ist für durchschnittlich 188 729 Einwohner in seiner Region verantwortlich.

Die Pflegestützpunkte werden von den Pflegekassen betrieben. Sie beraten zu Pflegeleistungen und koordinieren alle notwendigen Hilfs- und Unterstützungsangebote.

In Potsdam-Mittelmark wird die Pflegeberatung von den Pflegestützpunkten geleistet, die wiederum von den Pflegekassen finanziert werden. 19 Standorte gibt es in Brandenburg, für Potsdam-Mittelmark ist der Stützpunkt in Werder zuständig, der auch in Kleinmachnow Besuche macht. „Die Kommunen wären aber unabhängig und für alle Bewohner da“, argumentiert Haensch. Oft würden die Betroffenen ohnehin mit ihren Fragen als erstes bei der Gemeinde anrufen, und in vielen Fällen gehe es nicht nur um die Pflege, sondern auch um Wohnraum oder andere Themen, die wiederum in die Zuständigkeit der Kommune fallen. „Hier wäre eine Zusammenarbeit gut und praktisch“, so Haensch. Daher hatte sie eigentlich vorgehabt, Kleinmachnow davon zu überzeugen, sich bei dem Bundesprojekt „Modellgemeinde Pflege“ zu bewerben. Etwa 60 Landkreise oder kreisfreie Städte sollen fünf Jahre lang bei der wohnortnahen Pflegeberatung unterstützt werden.

Auch für Kleinmachnow ist der Weg offen

Als Mitstreiterin fand Haensch rasch Marion Höne, die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde. Eigentlich sei dies ja nicht ihr Aufgabenbereich, erzählt diese, aber wer würde sich denn sonst um solche Themen kümmern. Also nahm sie sich der Sache an, schlug der Verwaltung vor, sich dafür einzusetzen, bot den Gemeindevertretern an, ihnen die Ausschreibungsunterlagen zukommen zu lassen – doch das Interesse lag bei Null. Höne zeigt sich frustriert: „Mit dem Geld hätte Gilta Haensch finanziert und die Beratung individuell und wohnortnah in der Region erweitert werden können. Die bestehenden Beratungsstellen sind mit viel zu wenigen Stunden und zu wenig Personal ausgestattet.“ Antragsteller im Falle Kleinmachnows müsste der Landkreis Potsdam-Mittelmark sein – doch auch dort hat man sich bereits dagegen entschieden. Man sei durch den Pflegsetützpunkt schon sehr gut aufgestellt, heißt es. Außerdem befürchte man, dass die Pflegekassen sich ihrer Beratungspflicht entziehen würden, wenn das Angebot durch den Landkreis ausgebaut würde. Außerdem könnten die stark belasteten Sozialämter die zusätzliche Arbeit nicht bewältigen. Man plädiere vielmehr „für eine bessere Ausstattung der Pflegestützpunkte, die flächendeckend gut funktionieren“, so Pressesprecher Kai-Uwe Schwinzert.

In der Zwischenzeit hat Gilta Haensch eine neue Stelle – als Pflegeberaterin für das unabhängige kommerzielle Pflegeberater-Unternehmen WDS, das sich mit ihr in Berlin und Brandenburg verstärkt. Sie wollte nicht darauf warten, dass es vielleicht doch noch zu einem Umdenken in der Region kommt. Gleichzeitig hat sie aber die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben: WDS hat bereits mit einer anderen Kommune eine Zusammenarbeit gestartet. Hier hat der Pflegestützpunkt die Beratung teilweise an das Unternehmen ausgelagert. Für eine solche oder eine ähnliche Kooperation – die von dem Projekt der Modellgemeinde völlig unabhängig ist – wäre der Weg auch für Kleinmachnow noch offen, wenn Interesse besteht.

Von Konstanze Kobel-Höller

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