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Kleinmachnow Wasser für die Ärmsten der Armen
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21:07 25.02.2019
Im Nepal hat der Hilfeverein aus Kleinmachnow eine Aufbereitungsanlage für Trinkwasser aufgebaut. Quelle: Privat
Kleinmachnow

„Ich war extrem naiv, auch ein bisschen doof. Hätte ich nur einmal gegoogelt – ich hätte das nicht gemacht“, sagt Fabien Matthias (24) über das, was derzeit einen großen Teil seines Lebens ausmacht: Nepals, ein Verein, der Hilfsprojekte in Nepal anstößt und finanziert.

19 Jahre war er alt, als er drei Monate lang in einer nepalesischen Schule unterrichtete und sich das große Erdbeben ereignete. Der junge Kleinmachnower wollte helfen und erfuhr, dass die größte Not in den Dörfern in den Bergen herrschte, „deren Namen nicht einmal auf den Karten zu finden sind.“ Er entschied, sich mit rund 200 Kilogramm Nahrungsmitteln und einem alten Unibus – einem speziell ausgerüsteten Bus – auf den Weg zu machen.

Fabien Matthias aus Kleinmachnow (24) gründete mit 19 Jahren einen Hilfeverein für Nepal. Inzwischen haben er und sein Team fünf Hilfsprojekte auf den Weg gebracht. Quelle: Konstanze Kobel Höller

In seiner Not verschickte er einige E-Mails: „Plötzlich prasselte das Geld nur so rein. Hunderte und Tausende Leute haben gespendet.“ Obwohl er für 5500 Euro 2500 Menschen für gut eine Woche ernähren konnte und mit 750 Planen vorübergehende Schlafmöglichkeiten geschaffen hatte, blieben 30 000 Euro übrig. Geld, das er an andere Organisationen weitergeben wollte. Doch auf die Frage, was diese denn so in Nepal getan hätten, hatten sie nur Ausreden auf Lager, ärgert er sich. Sie seien nicht in die Berge gekommen, hätte keinen Diesel kaufen können, keine Leute vor Ort gefunden. „Nach fünf Wochen, in denen ich physisch und psychisch völlig daneben war, bin ich nach Hause geflogen und habe mir gesagt: Wir machen das besser.“

14 Kinder gehen in die Schule

Noch vor dem Rückflug hatte er ein Bildungsprojekt gestartet, an das er anknüpfen konnte: 14 Kinder, die Eltern und Zuhause verloren hatten, bekamen die Möglichkeit, ihre Schulausbildung abzuschließen. Das Patenschaftsprojekt läuft noch. Für 23,50 Euro monatlich wird einem Kind die Ausbildung und das Leben gesichert. Abzüge gibt es keine. Matthias ist stolz auf seine Schützlinge: Alle sind sehr talentiert, eine der Studentinnen hat gerade einen nationalen Frauenrechts-Preis gewonnen, die meisten älteren bewerben sich um Stipendien.

Im Herbst startete nun bereits das fünfte Projekt des Teams: Recycling. „Ich möchte Nepal plastikfreier machen. Wie, weiß ich noch nicht.“ Derzeit wird geforscht, Daten werden erhoben und im März soll ein erstes Pilotprojekt vor Ort stattfinden: Ein französischer Straßenbauer wird testen, wie viel Plastik in der untersten Schicht einer Straße verwendet werden kann.

Nepals hat derzeit 15 Mitglieder

Der Verein Nepals wurde von dem Kleinmachnower Fabien Matthias gegründet. Derzeit besteht das Team aus rund 15 Mitgliedern, darunter auch Leute direkt vor Ort in Nepal. Matthias selbst fliegt ein- bis zweimal im Jahr in das Land.

Seit zwei Jahren nimmt Nepals auch Praktikanten auf, bisher haben diese Möglichkeit 19 Interessierte genutzt.

Der Verein arbeitet in Kooperation mit anderen Organisationen, etwa enactus Frankfurt, das Hausbau-Projekt erfolgte gemeinsam mit Nepalmed.

Mit dem Wasserprojekt sollen 3000 Menschen nachhaltig mit sauberem Trinkwasser versorgt werden. Die Gesamtkosten dafür betragen rund 28 000 Euro.

Derzeit werden 19 Kinder über ein Bildungsprogramm des Vereins finanziert.

Nepals ist auf Spenden angewiesen. Im Vorjahr betrug das Budget rund 25 000 Euro.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter http://nepals.net

Auch ein Wasserprojekt läuft seit zwei Jahren. „Wir verkaufen Wasser an die Ärmsten der Armen. Da fällt gern der Vergleich mit Nestlé, aber ich hoffe doch, wir machen das besser.“ Die Leute in dem Dorf seien so arm, dass sie sich die 40 bis 50 Cent für einen 20-Liter-Kanister Wasser nicht leisten können, erzählt er. Also hat Nepals eine Wasserfilteranlage errichtet und eine so genannte Nichtregierungsorganisation (NRO) gegründet, der 13 Bewohner vor Ort angehören. Sie entscheiden, wer dort arbeitet – nur Frauen müssen es sein – und was das Wasser kosten soll. In den nächsten zwei Jahren sollen sie das Projekt ganz übernehmen.

„Danke, dass ihr uns helft.“ Mit selbst gemalten Plakaten empfangen die Kinder im Nepal die Helfer des Vereins aus Kleinmachnow. Quelle: Privat

Ein Hausbau-Projekt in Kooperation mit Nepal-Med hat Matthias bereits im vorigen Sommer abgeschlossen – 13 Häuser und zwei Klassenräume wurden mitgeschaffen –, und ein IT-Projekt im medizinischen Bereich möchte er an einen anderen Träger abgeben. „Das war keine Erfolgsgeschichte“, gibt er zu, „aber für mich persönlich war es sehr wichtig, denn ich habe große Fehler gemacht, vor allem in der Kommunikation, und ich habe viel daraus gelernt. Das war verdammt prägend.“

Nepal ist nur ein Anfang

Für Matthias war das Erdbeben lebensverändernd. Er sagt, er hätte sonst nicht studiert, doch jetzt möchte er lernen, was er da eigentlich macht und so studiert er in Friedrichshafen Soziologie, Wirtschaft und Politik. Dafür musste er einen Kredit aufnehmen. Nach seinem Abschluss muss er sich daher entscheiden: „Entweder Nepals wird meine Arbeit oder ich muss es stark zurückschrauben. Ich habe tausende Ideen und Pläne für die Zukunft. Nepal ist eigentlich nur ein Anfang – um zu zeigen, was alles möglich ist. Und es ist alles möglich.“

Von Konstanze Kobel-Höller

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