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Kleinmachnow Kunsthistoriker stellt neues Buch vor
Lokales Potsdam-Mittelmark Kleinmachnow Kunsthistoriker stellt neues Buch vor
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17:05 29.11.2018
Bürgermeister Michael Grubert (SPD, r.) und Heimatvereinsvorsitzender Axel W. Mueller (l.) danken Hubert Faensen für sein neues Buch. Quelle: Gesine Michalsky
Kleinmachnow

30 Zimmer, vier Küchen und fünf Bäder zählte man zum Kriegsende 1945 in der Neuen Hakeburg in Kleinmachnow. In der dazugehörigen Forschungsanstalt kamen noch sechs Institutsgebäude und ein Maschinenhaus mit insgesamt 283 Räumen hinzu. Dazwischen lag ein Gemüsegarten mit mehr als 100 Obstbäumen. Ob aus bau- oder sozialpolitischer, aus lokaler oder politischer Sicht – Hubert Faensen hat dank aufwendiger Archiv-Recherchen tief hinter die Geheimnisse des bedeutendsten Gebäudeensembles Kleinmachnows geguckt. Der Kunsthistoriker stellte jetzt im voll besetzten Rathaussaal die zweite aktualisierte Auflage seines erfolgreichen Buches über den „Geheimnisträger Hakeburg“ vor.

Forschung für den Krieg

Die Hakeburg und das Gelände auf dem Seeberg waren fast ein Jahrhundert lang mit einer Warnung versehen: „Zutritt verboten!“. Dabei gab es bereits nach Kriegsende das Ziel des Kleinmachnower Bürgermeisters Hans Casagranda, in der Hakeburg ein Spiel-Casino und in den Forschungseinrichtungen ein Altersheim einzurichten, belegt Faensen mit Dokumenten. Das Ringen um den Besitz der Gebäude endete dann aber im April 1948 mit der Enteignung durch die Sowjetische Militäradministration.

30 Zimmer, vier Küchen und fünf Bäder zählte man zum Kriegsende 1945 in der Neuen Hakeburg in Kleinmachnow. R Quelle: Repro: Gesine Michalsky

Abgeschirmt von der Öffentlichkeit hat bereits Bauherr Dietloff von Hake residiert. Er ließ 1906 mit den Einnahmen aus dem Verkauf von Grundstücken an Siedlungsgesellschaften sein Wohnschloss bauen, überschätzte sich finanziell aber völlig und verkaufte sein Anwesen an das Reichspostministerium. Der schlitzohrige neue Hausherr, Reichspostminister Wilhelm Ohnesorge, wusste die Gunst Hitlers auszunutzen und baute die Hakeburg 1940 luxuriös für sich auf Staatskosten um. Er gründete auch auf dem Seeberg die Reichspostforschungsanstalt (RPF), für die unter anderem Manfred von Ardenne an der Atombombe forschte. Wie Faensen ausführlich darlegt, wurde in den 1939 bis 1943 errichteten Institutsgebäuden auf vielfältige Weise zu kriegswichtigen Zwecken geforscht. Bis zu 900 Personen waren damals beschäftigt, darunter zahlreiche Zwangsarbeiter.

2001 erschien erste Auflage „Hightec für Hitler“

Der Autor ist Jahrgang 1928, arbeitete als Journalist und Verleger und studierte unter anderem an der Humboldt Universität Berlin, an der er bis zum Jahr 1992 als Professor für Kunstgeschichte und Dekan tätig war.

Im Ruhestand beschäftigte er sich mit der Hakeburg. 1996 erreichte er, dass die Gebäude der Forschungsanstalt unter Denkmalschutz gestellt wurden.

2001 erschien die erste Auflage des Buches unter dem Titel „Hightech für Hitler“.

Hubert Faensen, Neue Hakeburg – Wilheminischer Prachtbau, Hitlers Forschungszentrum, SED-Kaderschmiede. Ch.-Link-Verlag, Berlin, Oktober 2018.

1947 zog die Parteihochschule „Karl Marx“ in das wenig zerstörte Gebäudeensemble und baute ein Internat mit 300 Betten. Walter Ulbricht hielt einen fünfstündigen Vortrag und ein halbes Jahr vor Gründung der DDR fiel dort zum ersten Mal der Begriff der „Demokratischen Diktatur der Bauern und Arbeiter“. Wolfgang Leonhard kritisierte vor seinem Abgang 1949 die Parteischule, an der er Geschichte lehrte: „Ein Gefühl wie eine Schlinge, die ruckweise fester angezogen zur Knebelung wurde.“

„Schlimme Lieder und Chansons“

Einige eckten trotzdem an. Zwar war im 1962 gegründeten Intelligenzclub Juliot Curie in der Hakeburg das Klima eher humorlos, schreibt Faensen. Es traten aber auch Wolf Biermann und Manfred Krug auf. Das Konzert „Schlimme Lieder und Chansons“ brachte den Veranstaltern Strafen ein, und im Gästebuch des Clubs grüßte man zum Beispiel die „autonome Republik Kleinmachnow“. Ab 1967 konzentrierte man sich in der streng von der Parteischule abgegrenzten Hakeburg wieder auf die Gastronomie und brachte in den 1980-er Jahren Staatsbesuche unter.

Mit der Rückübertragung 1995 an die Deutsche Telekom kam ein neuer Pächter, der 1998 Konkurs anmeldete. Seit 2006 herrscht Leerstand in dem Gebäude. Ein Schulcampus mit der Berlin Brandenburg International School und der Freien Waldorfschule ist seit 25 Jahren in den Forschungsgebäuden untergebracht.

Von Gesine Michalsky

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