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Kleinmachnow Trauergruppe für Kinder will nächstes Jahr anfangen
Lokales Potsdam-Mittelmark Kleinmachnow Trauergruppe für Kinder will nächstes Jahr anfangen
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06:05 22.11.2018
Trauer um Angehörige: Wenn Kinder ein Elternteil oder Geschister verlieren, sollen sie künftig Trauerbegleiter in Stahnsdorf finden. Quelle: dpa
Stahnsdorf

„Das letzte halbe Jahr war echt anstrengend – aber schön anstrengend, weil sich wirklich viel getan hat“, resümiert Sabine Elvert aus Stahnsdorf die vergangenen Monate. Seit sie mit ihrem Vorhaben, eine Kindertrauergruppe zu gründen, über die MAZ an die Öffentlichkeit gegangen ist, war sie nicht nur mit der Vorbereitung des Projektes weiter beschäftigt, sondern hat auch in Schulen und in der Erzieherakademie über das Thema selbst gesprochen. „Es hat sich ganz viel getan in der Öffentlichkeit, es wird viel mehr darüber gesprochen“, freut sie sich.

Sabine Elvert. Kindertrauergruppe Quelle: Konstanze Kobel- Höller

Zu den wichtigsten Entwicklungen gehört, dass Elvert einen Träger für ihr Vorhaben gefunden hat: Die Kinderhilfe Potsdam, für die sie als Familienbegleiterin ehrenamtlich Eltern und Geschwister von schwer- und todkranken Kindern unterstützt, hat sich von der Begeisterung und Entschlossenheit der 45-Jährigen anstecken lassen und angeboten, dass die Gruppe unter ihrem Dach gegründet werden kann.

Fünf Frauen bilden Trauergruppe – Männer gesucht

Nun ist Elvert selbst auf der Suche nach Ehrenamtlichen: „Bis jetzt sind es fünf Frauen im Alter von 25 bis 50 Jahren, die mitmachen möchten. Man könnte starten, aber es wäre eng.“ Die meisten von ihnen wollten schon immer etwas machen, alle mögen Kinder, seien aufgeschlossen, neugierig und der Trauerarbeit gegenüber positiv eingestellt, erzählt sie. Alle sind pädagogische Laien: Hausfrauen, Mütter, Büroangestellte. Elvert wünscht sich ganz dringend auch Männer, die mitmachen, da Jungs anders trauern würden als Mädchen.

Bevor es losgehen kann, müssen die künftigen Betreuer zu Trauerbegleitern ausgebildet werden. 6000 Euro kostet der Kurs für die gesamte Gruppe – trotz des günstigen Angebotes ein hoher Preis für Elvert. Doch sie hat Glück: „Ich durfte meine Gruppe bei Rock am Kanal vorstellen, das war unglaublich toll und hat viel Spaß gemacht“, schwärmt sie, „die Rocker sind unheimlich kinderfreundlich.“ Die Organisatoren des Events unterstützen ihre Initiative, indem sie die erste Ausbildung im nächsten Sommer finanzieren, erzählt sie erleichtert: „Das nimmt uns eine große Sorge.“

Es gibt bereits Anfragen von Familien mit trauernden Kindern

Und es ist allerhöchste Zeit, mit der Arbeit anzufangen: Fünf Familien haben Kontakt aufgenommen, sechs Schulkinder, die ein Elternteil verloren haben, sind schon vor dem Start angemeldet. Damit ist die erste Gruppe schon beinahe voll, denn mehr als acht Kinder sollen nicht gleichzeitig betreut werden. Zwei Mädchen haben nach einer Jugendgruppe gefragt. „Wir hoffen, dass wir das auch bald leisten können, wenn wir genügend Ehrenamtliche haben“, sagt Elvert.

Partner und Unterstützer gesucht

Die Kindertrauergruppe für die Region Teltow möchte im kommenden Sommer starten, die Ausbildung der ersten Gruppe startet im Juni.

20 Personen können daran teilnehmen. Der Kurs für Trauerbegleiter geht über zehn Samstage sowie ein bis zwei weitere Termine für den Zusatz „Kinder“.

Gesucht werden auch Kooperationspartner für einzelne Projekte – Filzen, Basteln, Vorlesepaten, Begleitomas – alle Ideen werden gerne angenommen.

Wer die Initiative mit dringend benötigten Materialien unterstützen möchte, kann dies im Internet über die Amazon-Wunschliste „Kindertrauergruppe TKS“ machen.

Parallel zu den Kindergruppen gibt es auch eine Elternbetreuung. Anmeldungen für Kinder und Eltern sowie Informationen sind möglich bei Sabine Elvert möglich unter: sabine@trauerkinder.de, Tel .0151/4 12 672 82 oder www.Trauerkinder.de

Wichtig sei, dass alle Teilnehmer einer Gruppe immer das gleiche Thema haben: So sollen zunächst nur Kinder betreut werden, die tatsächlich ein Elternteil, eine Schwester oder einen Bruder verloren haben. Denn Kinder, die einen Selbstmord in der Familie erlebt haben, oder jene, die weit entfernt lebende Großeltern oder eine Freundin verloren haben, müssen ganz andere Erfahrungen verarbeiten.

Wie viele Gruppen tatsächlich angeboten werden können, hängt von der Zahl der Mitstreiter, der finanziellen Unterstützung und Räumen für die Gruppe ab. Bei allen drei Kommunen der Region wurden Fördermittel beantragt. Der Teltower Sozialausschuss hat Unterstützung zugesagt. Für den Anfang hat sich das Teltower Familienzentrum Philantow bereit erklärt, der Trauergruppe Platz zu geben, doch spätestens mit einer Jugendgruppe braucht es andere Räume, andere Materialien. „Da kommt man mit Basteln nicht mehr unbedingt weit“, ist sich Elvert bewusst.

Von Konstanze Kobel-Höller

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