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Olympia-Gold gehörte einem Ruderer

Sensationsfund in Kleinmachnow Olympia-Gold gehörte einem Ruderer

Das Rätsel um die eingemauerte Goldmedaille aus Kleinmachnow ist gelöst. Das Olympiagold gehörte Horst Hoeck. Der war Ruderer und erhielt die Trophäe für den Sieg des Vierers mit Steuermann bei den Sommerspielen 1932 in Los Angeles. Das Versteck war einst im Besitz seines Schwiegervaters, 1945 floh Hoeck Hals über Kopf.

Kleinmachnow, Medonstraße 52.4115221 13.2442868
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Horst Hoeck (3.v.r.) mit seinen Goldjungs.

Quelle: Kluge

Kleinmachnow . Das Rätsel ist gelöst. Ruderer Horst Hoeck war es, der seine olympische Goldmedaille in der Medonstraße 11a einmauerte und dann auf der Flucht zurücklassen musste. Da ist sich Volker Kluge, Herausgeber des Journal of Olympic History, sicher. Und er hat Belege für seine Theorie: Hoeck, der im Vierer mit Steuermann 1932 olympisches Gold in Los Angeles gewonnen hatte, arbeitete als Betriebsdirektor in der Teltower Biomalz-Fabrik des Traditionsunternehmens Gesellschaft Gebrüder Patermann. Seine zweite Frau Ingrid war die Tochter von Dr. Werner Brune, dem damaligen Besitzer des Hauses in der Medonstraße 11a. In dem Gebäude, das heute die Kita „Waldhäuschen“ beherbergt, ist gerade der hinter einer Wand versteckte Tresor mit der verschollenen Goldmedaille bei Sanierungsarbeiten gefunden worden.

Der Heizungsmonteur Angelo Zagrodnik  mit der Tür des erst jetzt gefundenen Tresors, der sieben Jahrzehnte die Goldmedaille barg

Der Heizungsmonteur Angelo Zagrodnik mit der Tür des erst jetzt gefundenen Tresors, der sieben Jahrzehnte die Goldmedaille barg.

Quelle: Christel Köster

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges blieb Horst Hoeck Betriebsleiter in Teltow. Ab 1945 liest sich seine Lebensgeschichte wie ein Thriller: Die Sowjetische Militäradministration beauftragt ihn, die Lebensmittel- und Getränkeversorgung Ost-berlins zu organisieren. Doch Hoeck lehnt ab – „mit einer politisch gedankenlosen Bemerkung“, wie es in einer historischen Quelle heißt. Er wird inhaftiert und soll in einem Schauprozess angeklagt werden. Während eines Fluchtversuches wird Hoeck schwer verletzt und ins Krankenhaus verlegt. Dann tritt seine Frau Ingrid auf den Plan. Sie hat einen Westberliner Rettungswagen dabei, befreit den Verletzten und beiden gelingt die Flucht in den Westteil der zerstörten deutschen Hauptstadt.

Die Vorderseite der Olympiamedaille

Die Vorderseite der Olympiamedaille.

Quelle: Christel Köster
Die Rückseite der Olympiamedaille

Die Rückseite der Olympiamedaille.

Quelle: Christel Köster

Dort bemüht sich Hoeck um den Wiederaufbau der Traditionsgaststätte seines Vaters Wilhelm Hoeck in der Wilmersdorfer Straße 149. Das 1892 gegründete Lokal, das an derselben Adresse unter neuer Bewirtschaftung noch immer unter dem Namen „Wilhelm Hoeck 1892“ existiert, war im Zweiten Weltkrieg nur leicht beschädigt worden. Horst Hoeck übernimmt die Geschäfte und führt die Gaststätte bis kurz vor seinem Tod im Jahre 1969. Zum Inventar gehören verschiedene Medaillen und Urkunden des erfolgreichen Sportlers. Gerne lässt er sich mit Gästen fotografieren, gibt ihnen die Trophäen in die Hand – und passt in schwelgerischer Selbstbeweihräucherung scheinbar nicht immer auf. „Dann wurden seine Reliquien auch mal gestohlen“, weiß Sport-Experte Kluge. Die olympische Goldmedaille von 1932 ist nicht unter den Exponaten im Lokal. Warum sie nie zu Horst Hoeck zurückkam, ist noch unklar. Bekannt ist, dass das Haus des Schwiegervaters in Kleinmachnow 1948 unter Verweis auf dessen NS-Vergangenheit enteignet wurde. Vielleicht dachte niemand mehr an den versteckten Tresor mit der wertvollen Auszeichnung, vielleicht hatte kein Vertrauter mehr Zugang zu den Räumen in der Medonstraße 11a.

Lebemann Hoeck führte drei Ehen, war Vater mehrerer Kinder. Diese haben nun Anspruch auf die wieder aufgetauchte Medaille ihres Vaters. Bisher hat sich zwar noch niemand von ihnen gemeldet, aber Volker Kluge weiß von einer heute in Hessen lebenden Tochter. „Das könnte ungemütlich werden“, meint er. Hoecks Nachkommen sollen bereits nach dessen Tod im Jahre 1969 um seinen Besitz gestritten haben.

Horst Hoeck (2vr) und der deutsche Vierer mit Steuermann bei einem Lauf bei den Olympischen Spielen 1932 in Los Angeles

Horst Hoeck (2.v.r.) und der deutsche Vierer mit Steuermann bei einem Lauf bei den Olympischen Spielen 1932 in Los Angeles.

Quelle: imago

Und der Goldtaler ist nicht nur von historischem Wert. Sammler zahlen bei Auktionen hohe Summen für Medaillen aus dieser Zeit. „Gerade ist das Olympiasieger-Diplom eines jüdischen Sportlers von 1896 für 24 000 Euro ersteigert worden“, berichtet Kluge. „Bei einer Goldmedaille aus dem Jahre 1932 müsste man mit etwa 10 000 Euro rechnen“, schätzt er. Interessiert sich ein Sammler für die Trophäe, der sich auf Auszeichnungen deutscher Sportler spezialisiert hat, könnte der Preis noch einmal steigen. Insgesamt erhielten nämlich nur zehn Deutsche olympisches Gold in Los Angeles: Neben den sportlichen Disziplinen (Gewichtheber Rudolf Ismayer gewann im Mittelgewicht bis 75 Kilogramm, Jakob Brendel im Ringen im griechisch-römischen Stil, die Ruderer im Vierer mit Steuermann erhielten alle eine eigene Medaille, darunter Horst Hoeck) wurden zwischen 1924 und 1936 auch die bedeutendsten Leistungen in der Alpinistik und der Jagd in der vergangenen Olympiade (den vier Jahren zwischen zwei Olympischen Spielen) ausgezeichnet und Preise im „Wettbewerb der freien Künste“ vergeben. Der deutsche Bergsteiger Franz Schmid und sein kurz zuvor tödlich verunglückter Bruder Toni erhielten Alpinistik-Gold für die Durchsteigung der Matterhorn-Nordwand. Im Bereich Literatur errang der deutsche Bergsteiger Paul Bauer den Olympiasieg für sein 1931 erschienenes Buch „Am Kangehenzonga – Kampf um den Himalaya“.

„Und wenn ein Exponat eine Geschichte hat“, ergänzt Volker Kluge, „steigt der Wert noch einmal.“ Aus aller Welt erreichen ihn in diesen Stunden Anrufe und E-Mails, viele davon aus den USA. Je mehr das Interesse von Medien und Öffentlichkeit an der in Kleinmachnow verschollenen und wiedergefundenen Medaille zunimmt, prognostiziert er, desto wertvoller wird Horst Hoecks goldene Trophäe.

Von Marcel Kirf

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