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Kloster Lehnin Wie ein Nazi in Lehnin seine große Familie auslöschte
Lokales Potsdam-Mittelmark Kloster Lehnin Wie ein Nazi in Lehnin seine große Familie auslöschte
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11:38 17.04.2019
Gertrud Pfeiffer und ihre Kinder im Sommer 1944 in Lehnin. Quelle: Archiv Jürgen Back Lehnin
Lehnin

Den Überlieferungen nach war Lehnin ein ziemlich „brauner“ Ort. Es gab hier viele Anhänger der NSDAP. Manche waren von der Politik Hitlers so überzeugt, dass sie alles dafür gaben, sogar ihr Leben, wenn es am Ende anders kommen sollte, als es geplant war.

Eine wahre Tragödie hat sich in einem Haus in der Lehniner Goethestraße nahe der Schule abgespielt – belegt durch Erzählungen und Dokumente.

Und die Erinnerungen von Jens Peter Clausen aus Bonn. Seine Großmutter Else Bützow ist der Schlüssel zu dieser Geschichte. Sie kam im Zuge einer Kinderlandverschickung 1923 nach Brandenburg an der Havel, wo sie anfangs bei einer Familie Goethe, später bei einer Familie Pfeiffer wohnte. Dort gefiel es ihr sehr gut und sie hatte auch Familienanschluss. Die Familie Pfeiffer hatte einen Sohn Hans, der fast so alt Else war.

Mutter wünschte engere Beziehung

Zu einer engen Freundschaft zwischen den beiden, die sich die Mutter von Hans Pfeiffer gewünscht hatte, kam es nicht.

Else Bützow kehrte wieder heim nach Düsseldorf und Hans Pfeiffer ging ins Ruhrgebiet und wurde Arzt, höchstwahrscheinlich Zahnarzt. Er heiratete eine andere Frau, mit der er fünf Töchter und einen Sohn hatte.

Da alle Kinder in Dortmund geboren worden sind und der das jüngste 1942 das Licht der Welt erblickt hatte, dürfte die Familie frühestens 1942 nach Lehnin gekommen sein. Hans Pfeiffer zog nach Lehnin und richtete sich hier vermutlich eine Praxis in seinem Wohnhaus in der Goethestraße ein.

Der Kontakt brach ab

1945 brach der Kontakt zwischen den Pfeiffers und Else Bützow ab, wie sie vermutete, durch die Kriegswirren. Doch Else Bützow ließ nicht locker und schrieb am 11. Juni 1946 einen Brief an die Lehniner Schule, mit der Bitte um Auskunft, wie es der in der Nähe wohnenden Familie Pfeiffer bisher ergangen war.

Der in der Schule liegende Brief blieb fast ein Jahr unbeantwortet, ehe sich der dort bedienstete Kantor und Lehrer Ewald Krause dessen annahm und am 17. März 1947 antwortete. In dem Antwortbrief schildert er Unfassbares.

Demnach hatte der Mediziner Hans Pfeiffer, ein überzeugter Nationalsozialist, beschlossen, seine gesamte Familie umzubringen, wenn die schon in der Nähe kämpfenden Sowjets Lehnin erreichen sollten.

Ein grauenhafter Plan

Als guter Bekannter hatte Ewald Krause von diesem grauenhaften Plan erfahren. Wie er schrieb, habe er „mit allen Mitteln versucht“, Pfeiffer davon abzubringen. Das sei ihm nicht gelungen.

Am 23. April 1945 erreichte die Rote Armee Lehnin. Im Keller seines Wohnhauses erschoss Hans Pfeiffer seine fünf Töchter, seinen Sohn, seine hochschwangere Ehefrau, seine Mutter, seine Haushälterin, seine zahnärztliche Assistentin und schließlich sich selbst.

Die Leichen lagen übereinander

Den „Rettern“ muss sich ein grausiges Bild geboten haben. Die Leichen lagen übereinander gestapelt. Zuoberst lag ihr Mörder Hans Pfeiffer.

Alte Lehniner erinnern sich vage an die Familie Pfeiffer. Doch noch immer sind Fragen offen. War Hans Pfeiffer wirklich Zahnarzt? Hatte er er seine Praxis in seinem Wohnhaus in der Goethestraße oder doch woanders? Wann genau ist die Familie nach Lehnin gekommen?

Weitere Informationen gesucht

Sollte jemand noch etwas mehr über das Geschehene wissen, ist Lehnins Ortschronist Jürgen Back für jeden Hinweis dankbar. Erreichbar ist er per Email an juergen.back@gmx.de

Von Jürgen Back

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